Das Earthship am Tempelhof im baden-württembergischen Kreßberg ist ein Dorf im Dorf. „Innerhalb der größeren Gemeinschaft Tempelhof, die etwa 100 Personen umfasst, gab es den Wunsch von uns, ein kleineres Projekt aufzubauen, um Gemeinschaft im Alltag noch enger zu leben“, erzählt Maya Heilmann. Sie wohnt dort zusammen mit ihrer Familie in einer Jurte – eingebettet in eine Wahlfamilie aus 13 Erwachsenen und sechs Kindern.
Gemeinschaftliches Leben im Earthship
Das Earthship-Gebäude ist das Herzstück des kleines Dorfs. Dort wird in gemeinsamen Räumen gekocht und gebadet. Geschlafen wird in individuellen Rückzugsorten: Jurten, Hütten oder Bauwagen. „Es ist die perfekte Mischung“, sagt Maya. „Ich habe Ruhe, wenn ich sie brauche, und kann in Kontakt gehen, wenn ich das will.“ Die Grundidee des gemeinsamen Projekts war, den Übergang in eine ökologischere, sozialere Gesellschaft selbst zu gestalten – gemeinsam, kreativ und konsensorientiert. „Wir wollen nicht in die Urzeit zurück“, sagt Maya, „sondern herausfinden, was uns hier und jetzt wirklich trägt. Wie wir verbunden leben können, ohne uns aufzugeben.“ Innerhalb der Earthship-Familie hat jede:r einen Gemeinschaftsdienst in der Woche, ob in der Landwirtschaft, in der Küche oder beim Toilettenputzen. Außerdem wird die Care-Arbeit geteilt. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, mit meiner Familie außerhalb von diesem eingebundenen Sein und geteilter Elternschaft zu leben. Es wäre anstrengender“, so Maya.
»Es ist eine tiefe Sehnsucht von uns als soziale Wesen, gut in eine Gemeinschaft eingebettet zu sein.«
Autarkie durch Solartechnik und Recycling
Das Earthship kommt fast vollständig ohne Heizung aus – darauf sind Earth-ships generell ausgelegt. Eine große Fensterfront nach Süden lässt Sonnenlicht tief ins Innere eindringen, wo es von einem Wall aus gestampften Autoreifen und Erde gespeichert wird. „Auch im Winter bleibt es drinnen angenehm. Bisher haben wir die zusätzliche Heizung vielleicht drei Mal genutzt“, erklärt Maya.
Grauwassernutzung und Pflanzenbeet-System
Maya. Auch ein Grauwasser-Kreislauf ist vorhanden – ebenso wie Regenwassernutzung. Dadurch werden etwa die Pflanzen im Earthship bewässert. Eine eigene Kläranlage gibt es allerdings noch nicht. „Da gibt es große Herausforderungen bei der Genehmigung“, sagt Maya.
Mehr zum Earthship
Das Earthship wurde 2016 fertiggestellt und ist das erste Projekt seiner Art in Deutschland. Das Areal bietet Platz für rund 14 mobile Wohnobjekte. Wer mehr über das Projekt und die Gemeinschaft Tempelhof erfahren möchte, kann an Führungen teilnehmen. Über den Verein Tempelhof sind auch Spenden möglich – für Projekte in Bildung, Landwirtschaft oder nachhaltigem Bauen.
Soziale Verbindung trifft ökologische Bauweise
Für Maya ist das Earthship nicht nur ein Ort, sondern eine Lebenshaltung. Sie sieht darin eine Antwort auf viele Fragen, die unsere Gesellschaft derzeit umtreiben, wie Klimawandel, soziale Isolation und Überlastung von Familien. „Ich sehe die Synergien, die in einer solchen Gemeinschaft möglich sind“, sagt sie. Die Architektur sieht sie als Chance für die Zukunft: „Passiverwärmung wird noch zu wenig genutzt.“ Dabei sei das eine nachhaltige und kostengünstige Bauweise. Leben im Earthship: Für Maya hat das in jedem Fall nur Vorteile.
Kommentare
Registrieren oder einloggen, um zu kommentieren.