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Mode ohne Tierleid

Leiden für den Look? Pullis, Schals und Mäntel können ganz „schön“ Tierleid in sich tragen. Grüne Modelabels beweisen, dass es anders geht.

03.10.2020 vonSteffi Schmitz

Leiden für den Look? Pullis, Schals und Mäntel können ganz „schön“ Tierleid in sich tragen. Grüne Modelabels beweisen, dass es anders geht.

Das erste Outfit der Modegeschichte war wohl das Tierfell. Es schützte vor Wind und Wetter und ließ uns – imponier, imponier – gut aussehen. Felle, Häute und Wolle haben als Naturmaterialien ja auch tolle Eigenschaften: „Mit Wolle zeigt die Natur, wie sie uns oft weit überlegen ist“, steht auf der Seite des Kölner Modelabels Armed Angels, das dort Einblicke in seine Wollproduktion aus kontrolliert biologischer Tierhaltung in Patagonien gewährt. Wolle kühlt im Sommer und wärmt im Winter, ist atmungsaktiv, schmutzabweisend, biologisch abbaubar und überdies noch pflegeleicht. Und das Mikroplastikproblem erdölbasierter Funktionskleidung hat sie auch nicht.

Doch mit der Massenproduktion von Kleidung wuchs der Preisdruck. Auch Naturmaterialien tierischen Ursprungs mussten immer billiger produziert werden. Mit fatalen Folgen für viele Tiere.

Wie wird Wolle produziert?

Beispiel Merino-Wolle: Millionen Schafe in Übersee müssen für herkömmliche Wolle leiden. Bei der brutalen „Mulesing“-Methode werden den Lämmern ohne Betäubung Hautstreifen vom Hinterleib entfernt, damit sich dort keine Fliegenmaden einnisten. Viele Schafe werden beim Scheren schwer verletzt und enden als Schlachtvieh in Massentiertransporten. Für edle Schals und Pullis werden Kaschmirziegen auf Streckbänke gebunden und ausgekämmt. Unter schlechten Bedingungen sterben viele Mohairziegen in Südafrika nach der Schur, sagt die Tierschutzorganisation Peta. Angora-Kaninchen werden bei lebendigem Leib die feinen Haare ausgerissen und auch bei Gänsedaunen ist der qualvolle Lebendrupf nicht vollständig ausgemerzt.

Ihr wollt wissen, wie ihr mit tierleidfreier Wolle stricken könnt? Lest hier weiter.

Wie erkenne ich Mode ohne Tierleid?

Wer tierleidfreie Mode tragen will, findet eine erste Orientierung im Etikett. Steht dort das grüne „GOTS organic“-Logo, stammen über 95 Prozent der Fasern aus kontrolliert biologischer Tierhaltung (k.b.T.), beim „IVN Best“-Textilstandard sogar 100 Prozent. Wer Wolle von einem Bioland-, Naturland- oder Demeter-Hof kauft, kann sicher sein, dass hier streng auf Tierschutz geachtet wird. Weitere internationale Standards sind der „Responsible Wool Standard“, der „Responsible Down Standard“ für Daunen und der neue „The good Cashmere Standard“ für Kaschmir. Und für die GOTS-zertifizierte „Peace Silk“ müssen keine Raupen sterben.

Fünf Shopping-Tipps für tierleidfreie Mode

  • Auf Siegel achten: Kennzeichnungen wie kontrolliert biologische Tierhaltung (k.b.T.), GOTS organic oder IVN best weisen auf tierleidfreie Ware hin.
  • Kritisch bleiben: Im Geschäft oder beim Hersteller nach der Herkunft des Materials fragen oder im Internet recherchieren.
  • Buy local: Wolle von regionalen Bio-Schafbetrieben ist tierleidfrei und hat kurze Transportwege.
  • Den Pelztest machen: Echtes Tierhaar wird zum Ende hin dünner und legt sich beim Dagegenpusten zur Seite.
  • Go vegan: Wer sich ganz ohne tierische Materialien einkleiden will, muss auf vieles achten (Hornknöpfe, Lederetiketten etc.). Hilfe bietet das Siegel „Peta approved vegan“.

Doch solche Zertifizierungen muss man bezahlen und das können sich viele bäuerliche Kleinbetriebe schlichtweg nicht leisten. Trotzdem arbeiten sie mit nachhaltigen Modeherstellern zusammen, die sich regelmäßig vor Ort über das Tierwohl informieren und letztlich mit ihrem guten Namen für eine tierleidfreie Mode bürgen.

Grüne Mode-Label von Alpaka bis Daune

Lanius zum Beispiel macht das bei seiner Alpaka-Wolle aus Peru. Sie stammt von Tieren, die frei hoch oben in den Anden gehalten werden. Das Berliner Label Zue Anna setzt bei seinen australischen Merinoschafen ganz neue Tierschutz-Maßstäbe an. Dazu gehören ein behutsames Scheren, das sogenannte „Slow Shearing“. Außerdem wird nicht enthornt und nicht kupiert, d.h. den frischgeborenen Lämmern wird der lange Schwanz nicht gekürzt. Alte Schafe bekommen außerdem ein Gnadenbrot.

Hessnatur leistet mit seinem Rhönschaf-Projekt einen Beitrag zum Artenschutz. „Da die Nachfrage nach ihrer Wolle stark nachließ, waren die Rhönschafe vom Aussterben bedroht“, so Hessnatur-Chefin Andrea Sibylle Ebinger. „Durch die Verwendung in unserer Kollektion helfen wir, den Bestand dieser heimischen Rasse zu sichern.“ Wolle aus der Region – dafür steht auch die Bioland-zertifizierte Schäfereigenossenschaft Finkhof, die eine eigene Merino-Schafherde auf der Schwäbischen Alb hütet, aber auch von kleinen Bio-Schäfereien zukauft.

Beim Thema Leder zeigt die Hamburger Schuhdesignerin Alina Schürfeld, dass man auch aus einem Nebenprodukt der nachhaltigen Fischindustrie etwas Exklusives schaffen kann. Das Lachsleder ihrer Schuhe stammt aus zertifizierten Bio-Aquakulturen.

Recycling erspart Tierleid

Und auch durch intelligentes Recycling wird weiteres Tierleid verhindert und „tierische Rohstoffe“ erfahren eine neue Wertschätzung. Vom Outdoor-Spezialist Vaude gibt es Winterjacken mit wiederaufbereiteter Daune. Die Federn aus Bettwaren und Bekleidung werden gereinigt und bei hohen Temperaturen sterilisiert, so Vaude.

Selbst das edle Kaschmir gibt’s mittlerweile als Recycling-Version, zum Beispiel bei der Zero-Waste-Designerin Natascha von Hirschhausen, bei Hessnatur oder bei Patagonia. Allerdings werden in der Regel keine alten Pullis, sondern Garn- und Spinnreste oder auch nicht verarbeitete Meterware und Verschnitt aus der Textilindustrie verarbeitet. Einige italienische Spinnereien haben sich darauf spezialisiert. Die Reste werden geschreddert und aus den Fasern wird neue Wolle gesponnen. Meist muss noch ein kleiner Anteil „frischer“ Wolle zugesetzt werden, damit die Qualität stimmt.

Pflegetipp für Wolle

Wegen seiner schmutz- und geruchsabweisenden Eigenschaften reicht dem Lieblingspulli aus Wolle oft schon gründliches Auslüften. Ansonsten per Hand oder im Wollwaschgang mit Feinwaschmittel waschen. Sehr feines Material kann bei Reibung „pillen“. Die kleinen Knötchen lassen sich einfach mit einem Wollrasierer entfernen.

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