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Kolumne

Mal wieder typisch

Eigentlich ist sie ganz anders – trotzdem steckt unsere Kolumnistin Jutta Koch in einer Schublade.

16.09.2020 vonJutta Koch

Eigentlich ist sie ganz anders – trotzdem steckt unsere Kolumnistin Jutta Koch in einer Schublade.

Ich bin ja der Meinung, dass ich auf angenehme Art unvorhersehbar aber entschlussfreudig handle und Situationen unvoreingenommen beurteile. Darauf lege ich großen Wert, denn ich möchte nicht nur den Algorithmen der Suchmaschinen ein Schnippchen schlagen, sondern auch geistig flexibel bleiben. Und für meine Mitmenschen ein in jeder Hinsicht offener Gesprächspartner.

Blöd nur, wenn man von eben jenen Mitmenschen, die man mit der geistigen Bandbreite beglücken will, ganz andere Rückmeldungen bekommt. Und wenn es noch dazu die eigenen Kinder sind, die einen routiniert in die Schubladen bestimmter Eigenschaften stecken.

Ab in die Schublade

Dass es längst so weit gekommen ist und dass auf meiner Schublade leider weder „handelt unvorhersehbar“ noch „ist unvoreingenommen“ steht, wurde mir erst kürzlich klar. Ich war mit meiner Familie im Schwimmbad und es ertönte die Durchsage: „Sehr verehrte Gäste, die Badezeit ist zu Ende. Wir bitten Sie, das Schwimmbad zu verlassen.“ Ich hatte schon 20 Minuten zuvor begonnen, mich umzuziehen und alle Sachen in allen Taschen zu verstauen. Ich war startklar und schon so gut wie am Ausgang, als ich bemerkte, dass meine Familie noch einen spontanen Zwischenstopp am Kiosk eingelegt hatte. Eine Schale Pommes sollte dem Ferientag die Krone aufsetzen.

Schwierig für mich, diese Vollbremsung. Das Bad pünktlich zu verlassen, war so kaum noch möglich. Entschlussfreudig wie ich bin, gesellte ich mich dennoch zur Neigungsgruppe Pommes. Ich sah unvoreingenommen dabei zu, wie die Kinder aßen, wie der Kiosk-Betreiber die Tischplatten um uns herum abwischte und der Bademeister vergessene Schwimmflügel einsammelte.

Dann wurde ich hibbelig, pickte in die Pommes und aß mit. „Warum isst du meine Pommes?“, protiestierte meine Tochter. „Weil wir dann schneller fertig sind. Und weil wir aus dem Bad rausmüssen“, sagte ich. „Na ja, esst mal in Ruhe auf, das passt schon noch“, deeskalierte mein Mann und lehnte sich im Stuhl zurück. Meine Augen fingen ganz von selbst an zu rollen. Und mein Sohn konstatierte mit ketchupverschmiertem Mund: „Typisch Mama. Typisch Papa!“

Ein Artikel aus dem Naturkosmetik-Magazin

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