Interview

Wer inspiriert dich, Maik Meuser?

Als Botschafter des World Cleanup Day sammelt TV-Moderator Maik Meuser Müll und Leute, die mitmachen. Im Interview erzählt er vom Plastiksparen im Familienalltag und Menschen, die ihn inspirieren.

Du bist Botschafter für den World Cleanup Day. Worum geht es dabei?
Das ist eine weltweite Initiative, bei der jedes Jahr am 20. September Millionen von Menschen in 190 Ländern gegen das globale Müllproblem aufstehen und ein Zeichen setzen, indem sie Müll sammeln. Jeder kann mithelfen. Deutschland räumt auf, die ganze Welt räumt auf, für eine saubere, gesunde und plastikmüllfreie Zukunft. Den World Cleanup Day gibt es überall. Es ist die derzeit größte Graswurzel-Bewegung der Welt und macht echt Spaß. Wir brauchen einfach mehr Kreislaufwirtschaft, es muss andere Produkte und andere Verpackungen geben. Da engagiere ich mich sehr gerne.

Was ist das Schlimmste, wenn du ans Müllsammeln denkst?
Das Schlimmste sind die Zigarettenstummel, die überall herumliegen. Man weiß doch, wie giftig die sind. Da sind 200, 300 giftige Substanzen drin. Kippen sollten im Restmüll entsorgt werden.

Seit wann ist dir aktiver Umweltschutz wichtig?  
In der Silvesternacht 2018/19, die Kinder waren im Bett, haben meine Frau und ich uns überlegt: Was können wir eigentlich für unsere Kinder tun? Ich habe damals eine Reportage über die Müllmafia gemacht und wusste: Wir produzieren pro Person und Jahr 220 Kilogramm Verpackungsmüll. 

Wir brauchen einfach mehr Kreislaufwirtschaft. Es muss andere Produkte und andere Verpackungen geben. 

TV-Moderator Maik Meuser

Und dann habt ihr begonnen, Plastik aus eurem Familienalltag rauszuwerfen? 
Es war ein guter Moment. Unser Großer war neun, die Kleine noch ganz klein. Wir haben ein Kinderspiel daraus gemacht, im wahrsten Sinne des Wortes, Plastik aus Bad und Küche zu verbannen. Es war eine Bestandsaufnahme und klar: Ganz ohne Kunststoff geht es nicht. Aber man kann auf vieles verzichten. Darauf haben wir uns eingelassen.

Wie erfolgreich seid ihr beim Plastiksparen?
Wir haben es geschafft, unsere zwei Gelben Säcke im Monat auf einen zu reduzieren. Wenn das jedes zweite Haus macht in unserer Straße, weil sie sagen: „Ach, cool! Und das ist ja gar nicht so schwer!“, wenn jedes zweite Dorf auf dem Weg zwischen Köln und Düsseldorf das macht, jede zweite Stadt ... Es ist enorm, was dann alles zusammenkommt! 

Und wenn die Nachbarn nicht mitmachen?   
Ich gucke nicht bitter oder erbost auf die Tonnen der Nachbarschaft, sondern vertraue darauf, dass es sich nach und nach durchsetzt. Ich mache niemandem einen Vorwurf. Jeder macht morgens sein Leben auf und sieht jede Menge Probleme, die es zu bewältigen gilt, und manchmal reicht die Luft dann nicht.

Zur Person

Maik und Nicole Kallwies-Meuser lächeln freundlich in die Kamera. Sie sitzen beide am Laptop an einem Tisch.

Sie haben zusammen ein Buch über Plastiksparen geschrieben: Maik Meuser und seine Frau Nicole Kallwies-Meuser. 

Maik Meuser arbeitet als RTL-Moderator und setzt sich mit der Klimakrise, unserem Plastikkonsum, der Lebensmittelverschwendung und nachhaltigem Leben auseinander. Mit seiner Familie hat er 2019 begonnen, Plastik aus seinem Leben zu verbannen. 

Was hilft dir dranzubleiben? 
Es gibt eine Studie des US-Psychologen Michael Prinzing. Er hat untersucht, wie es Menschen geht, die ihr Leben umweltfreundlich und nachhaltig gestalten. Prinzing hat festgestellt, dass Menschen sich dann subjektiv wohler fühlen, denn sie erreichen gleich drei wichtige Ziele, nach denen Menschen normalerweise streben: Autonomie durch selbstbestimmtes Handeln. Kompetenz, weil das Handeln etwas bewegt. Und Zugehörigkeit. Das Erreichen dieser drei Ziele schüttet im Gehirn Dopamine aus und sorgt für Glücksgefühle. Letztlich tun wir also für uns selbst etwas, wenn wir etwas für die Umwelt und für andere tun. 

Und wo tut es richtig weh? Wo fällt es dir schwer?
Karneval ist für mich die Hölle (lacht). Ich esse selbst keinen Industriezucker. Und da prasselt in Plastik verpackter Zucker auf unsere Kinder herab. Aber zu sagen, ihr dürft da nicht mitmachen, wäre Quatsch. Das geht nicht. Dem stehen leuchtende Kinderaugen entgegen. Das Wichtigste ist, entspannt und freundlich zu den anderen und zu sich selbst zu bleiben. 

Letztlich tun wir für uns selbst etwas, wenn wir etwas für die Umwelt tun. 

TV-Moderator Maik Meuser

Gibt es jemanden, der dich inspiriert?
Ich lese viel und tatsächlich inspirieren mich derzeit vor allem Frauen. Geschätzte 80 Prozent der klugen Gedanken, die ich in den vergangenen zwei Jahren aufgenommen habe, waren von Frauen: die Neurowissenschaftlerin Maren Urner, die Transformationsforscherin Maja Göpel, die Schriftstellerin Jagoda Marinić ... Ich frage mich, warum das so ist. Liegt es vielleicht daran, dass Frauen einen besseren Überblick haben? Meine eigene Frau inspiriert mich auch total, sie hat einen anderen Umgang mit unseren Kindern, ist weiser als ich, geduldiger und ruhiger. Mir scheint, Frauen schaffen es, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, als Männer.

Und was schaffst du als nächstes?
Als Redakteur und Moderator muss ich mich mit schlechten Nachrichten über die bösen Männer dieser Welt beschäftigen. Jetzt hab ich mir eine Serie ausgedacht, über Menschen, die Probleme sehen und einfach anpacken. Jeden Monat eine Reportage über Menschen, die einfach machen. Ich suche nun gezielt nach optimistischen Geschichten. Das tut mir so gut! Ich hätte es vorher gar nicht gedacht. Wahrscheinlich hat der weibliche Teil in meinem Gehirn gesagt: Du musst mal ein bisschen auf dich achten! Und jetzt erzähle ich eben die Geschichten von Anni und Alex Cornelsen, die das Moor retten. Oder von Martina und Steffi  aus Köln, die mit ihrem Verein „Süße Zitronen“ Eltern mit Kindern mit Schwerstbehinderung helfen. Das inspiriert mich.

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