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Lust auf Farbe?

Pflanzenhaarfarben zaubern leuchtend schimmernde Farbakzente ins Haar. Sie sind besonders sanft und natürlich, haben aber auch ihre Grenzen. // Astrid Wahrenberg
30.09.2011
Pflanzenhaarfarben zaubern leuchtend schimmernde Farbakzente ins Haar. Sie sind besonders sanft und natürlich, haben aber auch ihre Grenzen. // Astrid Wahrenberg

Pflanzenhaarfarben zaubern leuchtend schimmernde Farbakzente ins Haar. Sie sind besonders sanft und natürlich, haben aber auch ihre Grenzen. // Astrid Wahrenberg

Pflegende Farbhülle

Die Farbpigmente greifen nicht chemisch in die Haarstruktur ein, sondern umhüllen jedes Haar mit einem dünnen Film. Das verschließt die raue Schuppenschicht und wirkt daher sogar pflegend. Die Haare fühlen sich kräftiger und dicker an. Und wer beim Einkauf auf ein Naturkosmetik-Siegel wie BDIH, Natrue oder Ecocert achtet, der kann sicher sein, dass die pflanzlichen Rohstoffe in Bezug auf Pestizide und Schwermetalle untersucht und geprüft sind und die Mischung weder synthetische Farb-, Duft- und Konservierungsstoffe noch sonstige chemische Substanzen enthält. Für Henna, das vor einigen Jahren wegen des darin enthaltenen orangefarbenen Farbstoffs Lawson in der Kritik stand, hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bereits im Jahr 2003 Entwarnung gegeben. Nach Auswertung verschiedener Studien geht von Lawson in Haarfärbemitteln nach heutigem Wissensstand keine Gefahr für die Gesundheit aus.

Ob Färben oder Tönen – Pflanzenhaarfarben spielen mit der natürlichen Haarfarbe, sie lässt sich damit vertiefen oder nuancieren. Graue Haare sind ein Sonderfall. „Sie können prinzipiell mit Pflanzenfarben gefärbt werden, lassen sich aber nicht komplett wegzaubern“, sagt Bettina Bockhorst von Logona. Nach der Behandlung mit Pflanzenfarbe bleiben die Grauen heller als das nicht ergraute Haar.

Blondieren – nein danke

Und eine Sache schaffen Pflanzenfarben überhaupt nicht: Den natürlichen Farbton aufzuhellen. Von Brünett zu Blond – das funktioniert nur mit aggressiver Chemie, die in konventionellen Haarfarben steckt. Ammoniak und Wasserstoffperoxid lassen die Haarzellen quellen, brechen die Schuppenschicht auf und entziehen dem Haar die Farbpigmente. Gleichzeitig dringen künstliche Farbstoffe ein. Während man die Einwirkzeit absitzt, vergrößern sich diese Farbpartikel. Dann sind sie dauerhaft in der Haarstruktur verankert. Selbst Waschen löst sie nicht heraus. Dass der Chemikaliencocktail auf der Kopfhaut nicht gesund ist, liegt auf der Hand. Um chemische Haarfarben sicherer zu machen, hat die EU die Hersteller schon vor Jahren dazu verpflichtet, wissenschaftliche Dossiers zu jedem einzelnen Inhaltsstoff vorzulegen. Fachleute der EU-Kommission ackern sich bis heute durch die umfangreichen Dokumente und bewerten jeden einzelnen Stoff. Seither sind weit mehr als 100 Farbstoffe aus dem Verkehr gezogen worden.

Für etliche Farbstoffe ist die Prüfung noch nicht abgeschlossen, daher dürfen sie vorläufig noch weiter verwendet werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung sieht aufgrund der Kontrollen und Farbstoff-Verbote sowie nach Auswertung aktuellerer Studien kein Krebsrisiko bei Haarfärbemitteln mehr. Das Verbrauchermagazin Ökotest hält den Verdacht noch nicht für ausgeräumt, solange die EU-Kommission noch nicht alle derzeit gebräuchlichen Farbstoffe endgültig bewertet hat.

Ein schwelendes Problem bei vielen synthetischen Farbstoffen ist auch ihr bekannt hohes Allergiepotenzial. Sie wirken hautreizend und können Ekzeme verursachen. Für Haar-Colorationen im Handel, die solche Substanzen enthalten, verlangt der Gesetzgeber mittlerweile einen Warnhinweis auf der Verpackung, der demnächst noch verschärft werden soll. Auf bedenkliche Konservierungsstoffe wie halogenorganische Verbindungen, den Bakterienkiller Chlorhexidin oder möglicherweise allergisierende Duftstoffe weist allerdings keiner der Hersteller hin.

Dazu kommt noch, dass das Haar die chemische Prozedur bei regelmäßigem Färben gar nicht gut wegsteckt. Statt seidenglatt fühlt sich die Haarpracht oft struppig wie Rauhaardackelfell an. Und das ist etwas, was bestimmt niemand auf seinem Kopf haben möchte.

Interview

„Das sieht sehr schön und natürlich aus. “

Sind Pflanzenhaarfarben gefragt?

Die Nachfrage nimmt massiv zu. Nicht unbedingt bei den Friseuren, aber bei den Kunden, etwa weil sie an Allergien oder Krebserkrankungen leiden. Die Kunden sind heute gut über Gesundheitsrisiken informiert.

Bei Pflanzenhaarfarben denken viele an Henna und feuerrotes Haar. Da bleiben manche lieber bei der Chemie.

Es gibt viele Rottöne, aber leider kommt oft ein Karottenrot dabei heraus, wenn Kunden sich zu Hause selbst mit Henna färben. Einem Naturfriseur darf so etwas nicht passieren. Deshalb legen wir auch so einen großen Wert auf die Ausbildung, in der ausführlich vermittelt wird, wie Pflanzenfarben auf den Haaren wirken. Der Naturfriseur ist beispielsweise auch in der Lage, verschiedene Pflanzenfarben individuell zu mischen und somit Glanzlichter oder Effekte im Haar zu setzen. An den Glanz einer Pflanzenhaarfarbe kommt übrigens keine Chemiefarbe heran.

Welche Farbtöne sind beim Färben mit Pflanzenhaarfarben möglich?

Von Blond bis zu einem sanften Dunkelrot oder Mahagonibraun ist alles möglich – allerdings immer abhängig von der Naturfarbe. Heller färben geht nicht.

Ich vergleiche Pflanzenhaarfarben gerne mit Wasserfarben. Sie legen sich ums Haar, lassen den ursprünglichen Ton aber durchschimmern. Mit mehreren Farbdurchgängen lässt sich die Deckung intensivieren, aber auch dafür braucht es einen Fachmann, der weiß, was er tut.

Lassen sich graue Haare überfärben?

Bedingt, denn auch sie behalten mit Pflanzenfarben ihren Grundton. Im besten Fall wirken sie nach dem Färben wie von der Sonne aufgehellte Strähnen. Das sieht sehr schön und natürlich aus.

Wie lange muss ich warten, wenn ich auf Pflanzenhaarfarben umsteigen will?

Gar nicht, sie können sofort damit loslegen. Nur müssen zuvor eventuelle Silikonreste herausgewaschen werden, sonst haftet die Pflanzenfarbe nicht auf dem Haar. Die synthetische Substanz steckt in vielen konventionellen Shampoos und Haarpflegeprodukten.

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