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Interview

Louisa Dellert: „Die Chance ist da!“

Louisa Dellert hat sich von der erfolgreichen Fitness-Bloggerin zur grünen Influencerin gewandelt. Sie findet: Wir sollten die Corona-Krise zum Anlass nehmen für einen ökologischeren Neustart.

10.08.2020 vonNicole Pollakowsky

Louisa Dellert hat sich von der erfolgreichen Fitness-Bloggerin zur grünen Influencerin gewandelt. Sie findet: Wir sollten die Corona-Krise zum Anlass nehmen für einen ökologischeren Neustart.

Louisa, du bist 2013 mit Fitnesstipps und Sixpack-Selfies auf Instagram gestartet. Inzwischen geht es in Deinen Beiträgen und in Deinem Podcast um Nachhaltigkeit, Politik und Selbstliebe. Wie kam es dazu?

Ich hatte mich auf Instagram angemeldet, weil ich abnehmen wollte und Inspiration gesucht habe. Die Leute fanden meine Fitness-Journey interessant. So habe ich eine tolle Community aufgebaut und ab 2015 damit auch Geld verdient. Ende 2015 hatte ich eine Herz-Operation – die hat bei mir einen Schalter umgelegt. Plötzlich stand für mich nicht mehr an erster Stelle, immer gut auszusehen und fit zu sein. Seitdem ist es mir wichtiger, auch mal einen entspannten Tag zu haben und mich so anzunehmen, wie ich bin.

Eine Herz-OP als Glücksfall?

Ja, auch wenn sich das doof anhört. Vielleicht sollte das genauso sein, dass ich die Kurve kriege und anfange, über andere Dinge nachzudenken und mein Leben nochmal anders sortiere.

Wie bist du dann vom Thema Selbstliebe zur Nachhaltigkeit gekommen?

Der Auslöser war ein Urlaub mit meinem Freund. Wir haben im Meer Unterwasserbilder von mir gemacht – und auf jedem Foto war Müll zu sehen. Im ersten Moment habe ich mich aufgeregt, dass ich meine Fotos nicht machen kann. Dann habe ich angefangen nachzudenken und zu recherchieren, wo der ganze Abfall herkommt – und was ich damit zu tun habe. So ging das los.

Dein Themenspektrum ist breit: Es reicht von Menstruationstassen über ein Interview mit dem SPD-Generalsekretär bis zur Menschenrechtslage im Sudan. Wonach wählst Du Deine Themen und Gesprächspartner aus?

Es ist weniger ein Auswählen. Alles, was man auf meinem Account sieht, das interessiert mich persönlich. Auf die Menstruationstasse kam ich, weil ich mir überlegt habe: Wie kann ich Müll vermeiden? Andere Themen schnappe ich in der Zeitung auf; wenn ich einen Zusammenhang nicht verstehe, will ich das gern lernen. Dann frage ich in der Politik an, ob mir das jemand erklären kann. Ich verfolge politische Debatten und stelle Fragen dazu, ich bin neugierig und inzwischen auch viel weltoffener als vielleicht noch vor drei Jahren. Irgendwie habe ich das Gefühl, ich muss das jetzt alles nachholen.

Welche Themen liegen Dir besonders am Herzen?

Momentan bin ich sehr politisch. Es ist mir ein großes Anliegen, Menschen beizubringen, wie glücklich wir uns schätzen können, hier in einer Demokratie zu leben. Angst machen mir die ganzen Verschwörungstheorien. Ich habe sehr viel Respekt davor, was sich aus diesen Demos noch entwickeln kann und probiere deshalb immer faktenbasiert dagegenzuhalten, das ist manchmal gar nicht so einfach. Wichtig bleibt auch die Klimapolitik. Die rutscht gerade durch Corona ein bisschen nach hinten. Aber genau jetzt ist ein guter Zeitpunkt für einen nachhaltigeren und ökologischeren Neustart. Wenn nicht jetzt, wann dann? Jetzt ist die Chance da.

Was ist mit Deinen Followern – sind die Dir alle auf Deinem Weg gefolgt?

Das ist das Schöne an meiner Community: Größtenteils sind mir meine Follower treu geblieben. Ich bin für viele wie eine digitale Schwester, manchmal interessiert sie ein Thema, manchmal nicht, aber sie finden mich als Person cool und gehen diesen Weg mit. Ich finde das schön, weil die Community wie eine große Familie ist.

Was meinst Du: Wie „öko“ bist Du?

Die Frage finde ich schwierig. Ich selbst lebe auf keinen Fall zu 100 Prozent
nachhaltig. Es gibt ein paar Sachen, die möchte ich mir bewusst gönnen. Ich besitze immer noch ein Auto, das teile ich mir zwar mit meinen Freunden, aber es ist vorhanden. Trotzdem bin ich ein Mensch, der achtsam mit dem Leben und der Umwelt umgeht. So nachhaltig, wie ich sein will, bin ich zum Beispiel im Fashion-Bereich. Früher habe ich mir fürs Wochenende oder für Dates immer neue Sachen gekauft. Jetzt kaufe ich mir nur noch selten was und gehe auch in Second Hand Läden oder schaue bei Kleiderkreisel. Im Bad bin ich zufrieden mit meinem festen Shampoo und dem festen Conditioner. Aber Haarspray kaufe ich mir noch. Das ist meiner Ponymatte geschuldet und das möchte ich mir auch weiter so gönnen.

Wie wichtig sind Dir Bio-Lebensmittel?

Es ist toll, dass es inzwischen fast überall Bio-Produkte zu kaufen gibt, dadurch ist Bio-Einkaufen für meine Mitbewohnerin und mich der Standard geworden. Bio ist zum Beispiel auch ein toller Einstieg für Leute, die noch nicht auf Fleisch verzichten wollen. Die können erst einmal auf Bio umstellen. Dann wissen sie wenigstens, dass die Tiere artgerecht gehalten werden und Bio-Futter bekommen.

Isst Du Fleisch?

Nein, ich habe aufgehört, Fisch und Fleisch zu essen, seit ich mich mit dem Thema beschäftigt und mir Fotos angeschaut habe. Inzwischen verstehe ich nicht mehr, wie ich Mettbrötchen essen konnte. Ich verurteile niemanden, der das macht, aber ich finde es widerlich.

Dein Blog trägt den Untertitel „There’s no Planet B“. Worin siehst du die größte Bedrohung für unseren Planet A?

Da gibt es viele. Zum Beispiel den Raubbau an endlichen Ressourcen und
gleichzeitig das Hindümpeln der Politik in Hinblick auf erneuerbare Energien. Wie langsam das alles geht und wie wichtig da Lobbyarbeit ist! Natürlich ist auch die Wirtschaft wichtig. Ich glaube, deshalb ist es genau jetzt während Corona wichtig zu sagen: ‚Leute, wir brauchen jetzt einen Neustart und der muss grüner und ökologischer sein!‘ Und dann muss die Politik mal die Arschbacken zusammenkneifen und sich intensiver mit einmischen, damit wir unsere Ziele einhalten können und die Kurve kriegen.

Zum Abschluss bitte noch einen praktischen Tipp: Was kann jede und jeder von uns sofort tun, um die Umwelt und das Klima zu schonen?

Auf Ökostrom umstellen! Es tut keinem weh, den Anbieter zu wechseln. Wichtigist, einen Anbieter zu wählen, der wirklich unabhängig ist. Das ist glaube ich schon ein ganz großer Beitrag, so zu zeigen: ‚Ja, ich will, dass sich was ändert.‘

Zur Person

Louisa Dellert hat nach dem Abitur eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation gemacht. Heute ist sie als Influencerin und Unternehmerin tätig. Etwa 380.000 Menschen folgen der 30-Jährigen auf Instagram, dazu veröffentlicht sie Beiträge auf ihrer Website und in ihrem Podcast und betreibt einen Online-Shop mit nachhaltigen Produkten. Louisa ist im vergangenen Jahr von Braunschweig in eine WG nach Berlin gezogen. Ihr Auto teilt sie sich mit zwei Freunden. Ihren Urlaub verbringt sie gern an Nord- und Ostsee, fliegt aber auch mal nach Kalifornien, wo Freunde leben. Sie sagt über sich: „Ich bin keine grüne Heilige und habe das auch nie von mir behauptet.“

www.louisadellert.de

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