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Wie ich (fast) das Kraulen lernte

Kraulschwimmen ist elegant, effizient – und verdammt schwer, meint Autorin Jutta Koch.

22.06.2021 vonJutta Koch

Kraulschwimmen ist elegant, effizient – und verdammt schwer, meint Autorin Jutta Koch.

Jedes Jahr im Mai werde ich zur Sportskanone. Zumindest freitagmorgens. Dann ziehe ich im kleinen Schwimmbad im Nachbarort meine Bahnen. Viele Bahnen! Ich steigere mich jede Woche und am Ende des Sommers fühle ich mich fit wie eine Schwimmflosse. Die Sache hat nur einen Haken. Zur selben Zeit trifft sich in diesem Bad eine eingeschworene Gemeinschaft rüstiger Seniorinnen. Und das vermutlich seit über 20 Jahren. Entsprechend selbstbewusst ziehen sie ihre gewohnten Bahnen, immer in derselben Formation: nebeneinander.

Und immer dann, wenn ich ihnen wieder pflichtschuldig ausweiche, schiele ich neidisch rüber zur anderen Hälfte des Beckens. Dort trainieren die Sportschwimmer. Sie kraulen unbehelligt und scheinbar mühelos Bahn für Bahn. Dabei sehen sie ungemein dynamisch aus. In mir erwachte eine Sehnsucht: Ich will das auch können!

Das war vor zwei Jahren. Meine Kinder bekamen damals gerade Schwimmstunden von unserem Nachbarn, der früher eine Frankfurter Vereinsmannschaft trainierte. Als ich ihm am Beckenrand von meinem kühnen Plan erzählte, das Kraulen zu lernen, zögerte der 79-Jährige keine Sekunde. „Na, wie das Kraulen geht, zeige ich Ihnen sofort!“, sagte er.

In mir erwachte eine Sehnsucht: Ich will das auch können!

Autorin Jutta Koch

Zuerst erklärte er mir den theoretischen Teil. Der lässt sich etwa so zusammenfassen: Beim Kraulschwimmen werden die Arme im Wechsel über dem Wasser nach vorn und dann am Körper entlang unter Wasser bis zur Hüfte nach hinten geführt. Die Beine bewegen sich gestreckt, immer abwechselnd auf und ab. Der Vorteil gegenüber dem Brustschwimmen ist, dass das Kraulen die Halswirbel und die Nackenmuskulatur entlastet, weil man – mit dem Kopf unter Wasser – fast waagerecht auf dem Wasser liegt. Toll! Genauso hatte ich mir das vorgestellt.

Wie Kraulen die Muskulatur fördert und Wirbel entlastet

Dann demonstrierte unser Nachbar mir anhand einiger Trockenübungen die Technik. Ich wiederholte die Armbewegungen ein Dutzend Mal – dann begann der Crash-Kurs im Wasser. Ich setzte meine Schwimmbrille auf, die ich zu meinem eigenen Ansporn schon mal gekauft hatte, und drehte eine Runde durchs Nichtschwimmerbecken. Doch obwohl mir der geschmeidig aussehende Bewegungsablauf theoretisch völlig einleuchtete, ließen sich meine Arme, Beine – und vor allem das Luftschnappen bei seitlich gedrehtem Kopf – überhaupt nicht koordinieren.

Unser Nachbar erfasste mein Problem mit Kennerblick und bot Hilfestellung: Während er meine Füße festhielt, sollte ich mich ganz auf die Armarbeit und Atmung konzentrieren. Die darauffolgende Szene möchte ich ungern im Detail beschreiben, nur so viel: Nie zuvor hatte ich so viel Chlorwasser geschluckt. Meine Kinder johlten, und der Nachbar gab mir den Rat, fleißig weiter zu üben.


Schwimm-Tipps von Experten

Zur selben Zeit erzählte meine Freundin Anna von ihrem neuen Hobby, dem Triathlon. Dazu muss man wissen, dass wir im Schulsport beide keinen ausgeprägten Faible für die wirklich anstrengenden Disziplinen hatten. Aber nachdem ihre Kinder aus dem Gröbsten raus waren, hatte sie offenbar freie Kapazitäten. Sie kaufte ein Rennrad. Sie rannte kilometerweit. Nur das Kraulen, das beherrschte auch sie noch nicht. Da es aber der schnellste und effektivste Schwimmstil ist, sollte man es bei Wettkämpfen unbedingt draufhaben. Ihre Sportsfreunde schenkten ihr deshalb einen Gutschein für Einzelstunden bei einem Schwimmlehrer. „Du hast das Talent, wir haben den Trainer!“, stand auf der Glückwunschkarte. Das mit dem Talent stimmte: Inzwischen zieht Anna souverän ihre Bahnen.

Das überzeugte mich. Ich brauchte auch einen Trainer! Einen, der mich nicht kennt, damit das Wasserschlucken mir nicht so peinlich ist. Doch dann kam Corona – und der Traum von meinem sportlichen Durchbruch lag auf Eis. Bis zu diesem Artikel. Auf der Suche nach Tipps von Experten wende ich mich an die Frankfurter Bäderbetriebe. Dort nimmt sich Fabian Haupt, Fachangestellter für Bäderbetriebe, meiner an. Per E-Mail versorgt er mich mit Zeichnungen der Bewegungsführung, erklärt mir am Telefon ganz geduldig – und schön der Reihe nach – die Bewegungsabläufe und macht mir Mut.


Warum die Atmung beim Kraulen die größte Herausforderung ist

Weil theoretisches Wissen im Wasser aber nur bedingt weiterhilft, rät Fabian Haupt Anfängern wie mir davon ab, auf eigene Faust das Kraulen zu lernen. Dafür sei dieser Schwimmstil zu komplex. Schließlich komme es darauf an, Bein- und Armarbeit sowie die Atmung zu koordinieren. „Ja, die Atmung“, seufze ich. Die hatte bei mir ja so gar nicht geklappt. „Damit tun sich viele Anfänger schwer“, sagt Fabian Haupt. „Der Wasserdruck auf der Lunge fühlt sich ungewohnt an, und die Schwimmer denken, sie hätten keine Luft mehr.“

In den Kursen der Frankfurter Bäderbetriebe führen er und seine Kollegen die Teilnehmer deshalb in zehn Stunden Schritt für Schritt an die Technik heran. Auch an der nötigen Körperspannung, Kraft und Ausdauer müsse man arbeiten. „Der Klick kommt irgendwann“, versichert mir Fabian Haupt. Ich beschließe ihm zu glauben. Früher – oder etwas später – werde ich das Kraulen lernen.

3 Tipps vom Schwimm-Profi

1. Fabian Haupt von den Frankfurter Bäderbetrieben rät Anfängern davon ab, das Kraulen alleine und ohne Anleitung zu lernen. Zwar entlaste der Schwimmstil – im Vergleich zum Grätschbeinschlag beim Brustschwimmen – die Kniegelenke. Aber eben nur, wenn sich keine Fehlhaltungen einschleifen.

2. Wer sich unsicher ist, ob eine bereits erlernte Kraul-Bewegung richtig „sitzt“ – einfach den Schwimmmeister ansprechen. Wenn nicht gerade Hochbetrieb herrscht, helfen seine Kollegen gerne, sagt Fabian Haupt.

3. Auch Videos sind hilfreich, und nicht nur die auf Youtube: Bitten Sie einen Freund, den eigenen Bewegungsablauf im Wasser zu filmen. Anhand der Aufnahme kann man selbst kontrollieren, wo Korrekturen nötig sind.

Ein Artikel aus dem Naturkosmetik-Magazin

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