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Kopfschmerz: Globuli statt Pille

Kopfschmerzen sind lästig und können einen regelrecht lahmlegen. Statt zur Schmerztablette zu greifen, setzen immer mehr Menschen auf Homöopathie. Was kann sie leisten?// Jutta Krause
31.01.2013

Kopfschmerzen sind lästig und können einen regelrecht lahmlegen. Statt zur Schmerztablette zu greifen, setzen immer mehr Menschen auf Homöopathie. Was kann sie leisten?// Jutta Krause

Detektivarbeit: gezielt und individuell

Etwa 70 Prozent der Bevölkerung leiden unter Kopfschmerzen, 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen geben an, regelmäßig Kopfschmerzen zu haben. Schmerzmittel verheißen zwar schnelle Linderung – doch häufig mit unangenehmen Folgen. Neben Magenproblemen lösen sie auf Dauer manchmal gar das aus, wogegen sie helfen sollen, und verstärken die Kopfweh-Attacken. Weiteres Manko: Die Pillen lindern lediglich die Symptome. Anders die Homöopathie: Sie soll die Selbstheilungskräfte des Körpers unterstützen. Dabei setzt sie auf Arzneimittel aus stark verdünnten natürlichen Materialien wie Pflanzenextrakten, Mineralien oder chemischen Elementen – gezielt, individuell und auf die jeweils vorliegenden Beschwerden abgestimmt. Gerade bei Kopfschmerzen, von denen laut Internationaler Kopfschmerzgesellschaft mehr als 150 verschiedene Formen bekannt sind, ist das ein großes Plus.

Zu Beginn jeder Behandlung beim Homöopathen steht ein ausführliches Gespräch, bei dem es nicht nur um körperliche Symptome geht, sondern auch um die persönliche Geschichte, Vorlieben, Abneigungen, Ängste und Sorgen. Ob man sich grübelnd den Kopf zerbricht, vor Wut einen roten Kopf bekommt, erkältet oder verkatert ist; ob nach einer durchgemachten Nacht oder vor einer wichtigen Prüfung. Ob der Schmerz in der Stirn sitzt, an den Schläfen oder im Nacken, ob es pocht, drückt, hämmert oder sticht – all das spielt eine Rolle bei der Wahl des geeigneten Kopfschmerzmittels.

Ein Beispiel: Kyra leidet seit Monaten unter starken Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen. Im Gespräch zeigt sich, dass die ehrgeizige 15-Jährige Probleme mit Mitschülern hat und sich überfordert fühlt. Nach mehreren Gaben von Calcium Carbonicum (Austernschale), einem Mittel, das ihrem Gefühl der Erschöpfung und Überlastung entgegenwirkt, fühlt sie sich wesentlich besser.

Das Ähnlichkeitsprinzip

„Similia similibus curentur“ – Eine der Grundmaximen der Homöopathie besagt, dass dasselbe Mittel, das beim gesunden Menschen in hoher Dosis ähnliche Krankheitssymptome auslöst, dem Kranken hilft, seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren und damit seine Gesundheit wieder herzustellen. Die Symptome werden bereits als Versuch des Körpers gewertet, sich selbst zu helfen.

Entwickelt wurde die Homöopathie Ende des 18. Jahrhunderts von dem deutschen Arzt Samuel Hahnemann. In einer Zeit, in der hochgefährliche Mittel wie Quecksilberpräparate und brachiale Praktiken wie Aderlass und Brechkuren üblich waren, suchte er nach einer Methode ohne solch drastische Nebenwirkungen. Auf Grundlage der Ähnlichkeitsregel testete er verschiedene Naturstoffe an Gesunden. Um dabei Nebenwirkungen auch bei giftigen Substanzen zu vermeiden, entwickelte er die Methode der Potenzierung, also die Verdünnung der Ausgangssubstanz in mehreren Schritten. Um eine D1-Potenz herzustellen, wird ein Teil Wirkstoff mit neun Teilen Lösung verdünnt und verschüttelt. Für eine D2-Potenz wird derselbe Vorgang mit der D1-Lösung wiederholt und so weiter. Durch gründliches Verschütteln oder Verreiben wird die Ausgangssubstanz mit dem Lösungsstoff verbunden. Dabei findet nach homöopathischer Lehre der Informationstransfer von der Substanz auf den Lösungsstoff statt. So ließe sich auch die Wirkung sehr hoher Potenzen erklären, in denen praktisch kein Molekül der Ursubstanz mehr nachweisbar ist.

Homöopathiegegner argumentieren dagegen, dass ein solches Mittel allenfalls als Placebo wirken könne. Sie lassen sich weder durch positive Erfahrungen von Ärzten und Patienten noch durch die zahlreichen – doppelblind und placebokontrolliert durchgeführten – Studien, welche die Wirksamkeit homöopathischer Behandlung belegen, nicht von ihrer Meinung abbringen.

Corinna und Kyra allerdings sind durch die Anwendung überzeugt: Die Homöopathie lindert ihre Beschwerden auf sanfte Art. Sie kennen auch die Grenzen einer Selbstbehandlung. Dabei ist es wichtig – genauso wie beim Homöopathen – die individuellen Symptome des Körpers zu beobachten und zu deuten, um das passende Mittel zu finden. Sollte die selbstgewählte Medikation nicht anschlagen oder es Hinweise auf eine ernste Grunderkrankung geben, dann gilt es auf jeden Fall einen homöopathisch ausgebildeten Experten aufzusuchen.

Kleine Kügelchen für den Notfall

Gegen den Stress
Geistig erschöpft? Brummender Schmerz im Hinterkopf? Cocculus (Kockelskörner) kann lindern. Der Schädel wird gespalten? Nux Vomica kann helfen.

Nerven gefragt
Bei plötzlichen Schmerzen als Folge von Angst, Ärger oder Aufregung: Aconitum (Blauer Eisenhut). Es pocht im Kopf, die Sinne sind überreizt? Dann kann Belladonna (Tollkirsche) gegensteuern.

Alltäglich belastet
Bildschirmarbeit verspannt Nacken, Schulter und Kopf? Cimicifuga (Traubensilberkerze) entspannt. Fühlt sich der Kopf wie geschnürt an, kann Gelsemium (Wilder Jasmin) helfen.

Blitz, Donner & Co.
Beginnt der Kopfschmerz plötzlich bei Gewitter, Föhn oder Kälte? Aconitum (Blauer Eisenhut) kann lindern. Kommt der Schmerz durch Kälte, dann ist Rhus toxidendron (Giftsumach) das Mittel der Wahl.

Interview

„Kopfschmerz akut und langfristighomöopathisch behandeln“

Dr. med. Markus Wiesenauer, Arzt für Allgemeinmedizin mit Schwerpunkt Homöopathie, ist Autor zahlreicher Fachbücher.

Herr Dr. Wiesenauer, Sie sind praktizierender Facharzt mit Schwerpunkt Homöopathie. In welchen Fällen setzen Sie auf Homöopathie, wann auf Schulmedizin?

Es kommt auf den Einzelfall an und damit auf die Schwere der Erkrankung. In aller Regel wird die Langzeittherapie mit Homöopathie durchgeführt, während eine akute Schmerztherapie oft konventionell orientiert ist.

Warum ist das so?

Bei akuten Beschwerden sollte Homöopathie bereits bei den ersten Schmerzanzeichen angewendet werden. Man muss also früh wissen, welches Mittel das richtige ist.

Bei welchen Beschwerden machen Sie mit Homöopathie besonders gute Erfahrungen?

Immer dann, wenn die körpereigenen Heilungskräfte durch die Homöopathie in Gang gesetzt werden können: akute Erkältungskrankheiten, fieberhafte Infekte, akute Magen-Darm-Erkrankungen, akute Harnwegsinfekte sowie akute Erkrankungen im Kindesalter.

Wie sind Ihre Erfahrungen mit Kopfschmerzen?

Kopfschmerzen lassen sich sowohl akut wie auch längerfristig mit Homöopathie behandeln. Ein Beispiel: Spannungskopfschmerz durch Stress und Überlastung verweist auf Nux vomica (Brechnuss). Bewährt ist eine kurmäßige Anwendung: dreiwöchige Einnahme, einwöchige Pause, dann wieder drei-wöchige Einnahme. Häufig lassen sich dadurch Häufigkeit, Dauer und Schwere der Kopfschmerzen reduzieren. Natürlich sollte der Patient gleichzeitig Stress-Situationen abbauen und – ganz wichtig – genügend trinken: Ich empfehle stilles Wasser oder Grüntee!

Wann ist die homöopathische Selbstmedikation eine gute Option?

Akute Infekte und leichte Beschwerden können im Rahmen der Selbstmedikation sehr gut homöopathisch „auf eigene Faust“ behandelt werden.

Gibt es bei der Homöopathie auch Nebenwirkungen? Worauf sollte man achten?

In der Selbstbehandlung sollte man keine hohe Potenzen anwenden, also am besten D6 oder D12 verwenden. Wichtig ist, dass bei Besserung und Linderung der Beschwerden das homöopathische Arzneimittel abgesetzt werden sollte. Zusammenfassend kann man sagen, dass bei sachgerechter Anwendung keine Nebenwirkungen auftreten. In jedem Fall empfehle ich eine Beratung in einer homöopathisch ausgerichteten Apotheke. Dort erhält man auch Hinweise, welcher Arzt in der Umgebung in Homöopathie ausgebildet ist und diese verordnet. Verzeichnisse gut ausgebildeter Homöopathen findet man außerdem auf Verbandseiten im Internet.

Bücher und Links

Raspe, Ruth:
Homöopathische Eselsbrücken
Narayana Verlag, 2012, 176 Seiten, 9,80 Euro

Wiesenauer, Markus:
Homöopathie bei chronischen Beschwerden
Gräfe und Unzer, 2012,
191 Seiten, 12,99 Euro

www.carstens-stiftung.de
Die Carstens-Stiftung widmet sich der Komplementärmedizin. Unter www.carstens-stiftung.de/hombrex (Homeopathy Basic Research Experiments) gibt es eine Datenbank, die einen Überblick über das gesamte Feld der Homöopathie-Grundlagenforschung von 1832 bis heute bietet.

www.homoeopathie-forum.de
Das Homöopathie Forum e.V. (HF) setzt sich für die Verbreitung der Lehre Samuel Hahnemanns ein. Die Webseite bietet unter anderem ein Therapeutenverzeichnis der Mitglieder sowie Infos über die Ausbildung zum Homöopathen und die konkrete Anwendung der Homöopathie.

www.vkhd.de
Die Webseite des Verbandes klassischer Homöopathen Deutschlands e.V. informiert zu Grundlagen der Homöopathie in Anwendung und Forschung. Kurz und knapp für den Laien erläutert: homöopathische und medizinische Fachbegriffe. Aktuelle Meldungen runden das Info-Angebot ab.

www.dzvhae.de
Auf der Webseite des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte finden sich Informationen für Patienten und Ärzte. Hilfreich: Praxisinfos wie z.B. Tipps zur Kostenerstattung einer homöopathischen Behandlung und eine Suchfunktion für Therapeuten mit Mitgliedschaft im Zentralverein.

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