Heute verrate ich Ihnen ein Geheimnis: Ihre Schrot&Korn hat im September Geburtstag, in diesem Jahr einen ziemlich eindrucksvollen sogar. Vor vierzig Jahren erschien die erste Ausgabe des „Naturkost-Magazins“, schon damals „kostenlos!“, schon damals mit viel Service („Tofu – gesund, vielseitig“) und Gespür für die großen Themen: „‚Bio‘ unter Beschuss!“ Die Idee einer naturnahen, gesunden Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion drohe „zwischen den Mühlsteinen von Staat und Industrie zerrieben zu werden“, stand da auf dem ersten maisgelben Titelblatt.
Nun ließe sich wunderbar darüber streiten, ob die ungebrochene Aktualität dieses Konflikts ein Zeichen für frühere Weitsicht ist oder Sinnbild des Scheiterns. Denn tatsächlich plagt sich die Bio-Bewegung nach wie vor mit der ungelösten Frage, ob ein richtiges Leben im falschen großen Ganzen überhaupt möglich ist. Das Team, das Schrot&Korn 1985 mit viel Herzblut und wenig Geld an den Start brachte, beantwortete das mit einem Satz, der damals viele WG-Zimmerwände schmückte: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Die Zeit der ermüdenden linken Theoriediskussionen und des RAF-Terrorismus lastete in den Achtzigerjahren bleischwer auf vielen Menschen, die sich gleichwohl mit Ungerechtigkeit und Umweltzerstörung nicht abfinden mochten. Sie träumten von einem selbst bestimmten Leben im Einklang mit ihren Werten, von Solidarität im direkten Miteinander, aber auch gegenüber der Natur und den Menschen, egal wo sie geboren worden waren.
Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.
Die Gründerinnen und Gründer von Schrot&Korn und die vielen, die später zum bio verlag dazu stießen, versuchen seit vierzig Jahren diesen Traum zu leben. So abgedroschen das auch klingen mag. Aber die von ihnen in mühsamer Detailarbeit verwirklichte Idee eines tatsächlich von den eigenen Mitarbeitenden geführten Unternehmens ist ein Beweis dafür, dass das scheinbar Unmögliche auch möglich ist, wenn sich das große Ganze drumherum noch immer falsch anfühlen mag. Die vielen Menschen, die Ihnen in all den Jahren in den Artikeln von Schrot&Korn begegnet sind, haben jeder auf ihre oder seine Art ebenfalls versucht, nicht an der Welt zu verzweifeln, sondern daran gearbeitet, sie zu einer besseren zu machen: Auf dem Acker, im Laden, im Labor, beim Bauen, auf der Straße, oder auch – die unbeeindruckendste Variante – am Schreibtisch.
Vierzig ist ein Alter, in dem viele Menschen noch einmal neu durchstarten, auch wenn es hier und da schon etwas zwackt. Es ist ein Alter, in dem sich im Idealfall Scheitern in Erfahrung verwandelt und Gelingen in Energie. Jede einzelne Ausgabe von Schrot&Korn ist daher auch eine Einladung an Sie persönlich, nie aufzuhören, Ihre Werte zu leben und zu tun, was Sie tun können, damit diese Welt nicht so bleibt wie sie trotz allem immer noch ist. Ein Grund zum gemeinsamen Feiern ist das allemal.
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