Leben

Wofür setzt du dich ein, Maria Ehrich?

Schauspielerin Maria Ehrich setzt sich für mehr Umwelt- und Klimaschutz beim Film ein und darüber hinaus. Was eine Weltreise damit zu tun hat und wie kleine grüne Schritte in Alltag und Beruf gelingen, verrät sie uns im Gespräch.

Seit 2021 bist du Nachhaltigkeitsbotschafterin des Deutschen Filmpreises. Welche Veränderungen beobachtest du und wo hakt es noch?
Wir Nachhaltigkeitsbotschafter:innen und Filmbotschafter:innen kümmern uns zum Beispiel darum,  dass bei dem Filmpreis kein Einweggeschirr benutzt wird – man mag es kaum glauben, aber das war lange Zeit so. Wir schauen uns bei den prämierten Filmen an, wo der Strom dafür herkam, ob Kostüme aus dem Fundus genutzt wurden und vieles mehr. Mittlerweile gibt es überall Nachhaltigkeitsbeauftragte am Set. Das ist ziemlich cool, aber es geht immer noch mehr. 

Du bist aktuell wieder als Helga von Boost in der neuen Staffel der ZDF-Serie „Ku’damm“ zu sehen. Worum geht es in „Ku’damm 77“?
Diese Staffel setzt 14 Jahre nach der letzten Staffel an und wir erfahren, was den Figuren seit 1963 alles passiert ist. Da gibt es einiges an Zündstoff. Es geht weiter um die turbulente Beziehung der Schwestern Monika, Eva und Helga und um die Tanzschule „Galant“, in der nun drei Generationen leben. Mehr möchte ich gar nicht verraten.

Du spielst auch im Film „Stille Nacht, raue Nacht“. Der wurde als grüne Produktion realisiert. Wie wurde das konkret umgesetzt?
Es ist ein Weihnachtsfilm und für die vielen Lichter und alles andere haben wir Öko-Strom genutzt, non-toxisches Make-up und Kostüme aus dem Fundus verwendet. Bei der Verpflegung gab es sehr viele vegetarische und vegane Gerichte. Ich kann mich erinnern: Vor zehn Jahren gab es einen Tag am Set, an dem es mal kein Fleisch geben sollte – da haben sich alle aufgeregt. Zum Glück ist das mittlerweile anders! Und dadurch, dass das eine grüne Produktion war, sind wir auch viel zu umweltspezifischen Themen ins Gespräch gekommen.

»Ich finde es toll, wenn ich mithelfen kann, Dinge zum positiven zu verändern.«

Maria Ehrich

Du trägst Secondhand auf dem roten Teppich. Welche Wirkung kann dieser „Green Carpet“-Ansatz in der glamourösen Filmwelt deiner Meinung nach erzielen?
Ich finde, das sollte total normal sein! Solche Outfits werden in der Regel nur ein Mal getragen. Die Klamotten für einen Auftritt auf dem roten Teppich kann man leihen und wieder zurückgeben. Ein super Konzept: Die Firmen können mit der Kleidung weiterarbeiten, und sie verstaubt nicht in den Schränken. Das ist nicht nur nachhaltig, sondern zeigt den Leuten auch: Die Sachen gehören uns nicht. Das kommuniziere ich offen und kann dadurch Zuschauer:innen mehr auf Augenhöhe begegnen. Und auch das ist – neben dem Secondhand-Aspekt – gerade heute total wichtig.

Für die Aktionsgemeinschaft Artenschutz hast du Wildpflanzen deine Stimme geliehen. Was hat dich an dem Projekt gereizt und was war der Hintergrund davon?
Ich habe die Aktionsgemeinschaft Artenschutz (AGA) durch meinen Film „Leaving the Frame“ kennengelernt, den ich 2018 mit meinem Mann zusammen gedreht und produziert habe. Dadurch kam ich zu einem Rettungsprojekt für Meeresschildkröten, was sich in Kenia befindet. Danach bin ich mit der AGA in Verbindung geblieben und habe an verschiedenen Projekten mitgearbeitet – zum Beispiel an dem Film zum Thema Wildpflanzen. Ich finde das total schön, weil ich durch die AGA mithelfen kann, Dinge positiv zu verändern. Die Meeresschildkröten waren damals noch eine bedrohte Art. Das sind sie jetzt zum Glück nicht mehr.

Zur Person:

Szene aus Ku'damm 77 mit Maria Ehrich

Maria Ehrich (rechts) in ihrer Rolle als Helga am Set von „Ku‘damm 77“. 

Maria Ehrich wuchs im thüringischen Dorf Gebesee auf. 2004 gab sie in der Komödie „Mein Bruder ist ein Hund“ ihr Filmdebüt. Seither spielt sie in zahlreichen Produktionen, wie „Das Adlon“, „Die Edelstein-Trilogie“ und in der Serie „Ku‘damm“. Die 32-Jährige lebt mit Mann und Tochter in Berlin. 

Du hast Leaving the Frame erwähnt, ein Film, der während einer Weltreise entstand. Wie hat dich diese Reise  in Hinblick auf Ernährung und Umwelt geprägt?
Ich hatte unterwegs eine mehrstufige Offenbarung. In Afrika haben wir tolle Projekte mit Tieren besucht, das hat mir unglaublich viel gegeben, weil ich da wirklich gespürt habe: Tiere sind denkende Wesen. Deshalb habe ich gesagt: Ich esse kein Fleisch mehr – aber noch Fisch. Dann habe ich an einem Küstenort gesehen, wie zwei Fische miteinander gespielt haben und gesagt: Ich kann auch keinen Fisch mehr essen. Ich habe eine Zeit lang vegan gelebt, bis bei mir eine Autoimmunerkrankung, die die Schilddrüse angreift, diagnostiziert wurde. Deshalb kann ich leider viele Sachen nicht mehr essen, etwa Hülsenfrüchte und Tofu, und brauche wieder tierische Proteinquellen.

Wo wir schon bei Ernährung sind: Wie wichtig ist dir Bio?
Bio ist mir sehr wichtig! Ich wohne gegenüber von einem kleinen süßen Bio-Laden – da liegt auch immer Schrot&Korn aus – und ich bin total happy, dass wir den haben. Dort kann ich immer jemanden ansprechen, wenn ich eine Frage habe. Durch meine Autoimmunerkrankung muss ich darauf achten, dass Hühner nicht mit Jod gefüttert werden. Ich habe im Bio-Laden nachgefragt, sie haben mir die E-Mail-Adresse vom Bauernhof gegeben und ich konnte mich informieren.

Du hast eine kleine Tochter. Kannst du uns einen simplen Lifehack für Familien mitgeben, um Umweltbewusstsein im Alltag umzusetzen?
Wir essen morgens immer Müsli, Haferbrei oder Joghurt. Meine Tochter hat manchmal Lust aufzuessen, manchmal nicht. Wenn etwas davon übrig bleibt, fülle ich das in einen Standmixer, dann kommen ein paar Beeren dazu und Hafermilch drauf. Danach fülle ich das in ein wiederverwendbares Smoothiefläschchen. Damit kann man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Wir müssen nichts wegwerfen und mein Kind freut sich über einen leckeren  und gesunden Snack.

Weitere spannende Gespräche: 

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