Kolumne

Hello again!

Dieses Mal beschäftigt sich cosmia-Kolumnistin Jutta Koch mit ihrem Kalender 2024. Muss sie wirklich immer wieder alle Geburtstage übertragen oder kann da was weg? Darauf hat sie eine eindeutige Antwort gefunden.

Letztes Jahr um diese Zeit hab ich den neuen Familienkalender für 2023 vorbereitet. Er hängt in unserer Küche und jedes Familienmitglied hat darin seine eigene Spalte für Termine. In die fünfte Spalte, sie heißt „Jubelleute“, übertrage ich alle Jahre wieder Geburtstage. Also die all jener Menschen, deren Geburtsdaten mir in den vergangenen 25 Jahren untergekommen sind: Neben Verwandten, Schul- und Studienfreunden sowie alten und neuen Herzenskolleginnen sind dort die Kinder unserer Freunde und die Freunde unserer Kinder vertreten. In manchen Monaten gibt’s an fast jedem Tag einen Eintrag.

„Happy Birthday“ – wozu?

Beim Abschreiben überkam mich Wehmut: Mit manchen dieser Lieben hatte ich schon lange keinen Kontakt mehr. Abgesehen von der alljährlichen kurzen Nachricht zum Geburtstag. Aber: Was bringt der „Happy Birthday“-Zweizeiler mit Torten-Emoji, wenn man sich so lange nicht mehr gehört, geschweige denn gesehen hat? Eigentlich, so trübsinnierte ich vor mich hin, wissen wir ja gar nichts mehr voneinander. Wir sind schließlich nicht mehr die, die wir vor so langer Zeit waren.

Ich traf eine für mich unüblich rationale Entscheidung: Im Jahr 2023 würde ich das Gratulieren reduzieren. Und aus den Augen verlorenen Freunden fortan nur noch in Gedanken das Beste wünschen, nicht mehr per Textnachricht. Der Erste, den die Gratulationskürzung betraf, war mein alter Freund aus der Volontärsausbildung, Franky. Der zweite war Timo, ein guter Studienfreund. Dann kam mein eigener Geburtstag. Und Franky, inzwischen Musikjournalist und seit jeher Vollblut-Punker, schickte mir eine Sprachnachricht. Er begann seine etwa viereinhalbminütige Gratulation mit den Worten „Liebste Jutta, ...“, und sang dann voller Inbrunst „Heute kann es regnen, stürmen oder schneien“. Die Tränen der Rührung waren noch nicht getrocknet, da hatte ich ihn schon angerufen und wir waren verabredet, zum großen Wiedersehen. Kurz darauf meldete sich Timo: Happy Birthday! P.S.: Er sei im Sommer in Frankfurt. Ob er bei uns übernachten könne ...

So saß ich in diesem Jahr gleich zweimal mit alten, fast verloren geglaubten Freunden zusammen. Wir wissen jetzt eine Menge Neues voneinander. Mindestens genauso wertvoll ist für mich die Erkenntnis, dass wir doch noch dieselben sind wie früher. Nur reicher: um gute Geschichten und um Freundschaften, denen die Jahre nichts anhaben konnten. Dann besorgte ich den neuen Kalender für 2024. Jubelleute, ihr hört von mir, versprochen!

Veröffentlicht am

Ein Artikel aus dem Naturkosmetik-Magazin

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