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Heilfasten – 6 Wege zum Erfolg

Sicher – einfach ist es nicht, eine Woche Fasten durchzuhalten. Aber wer es richtig anfängt, bringt Körper, Geist und Seele in Harmonie und stärkt sich für neue Herausforderungen. Wir stellen 6 Methoden vor. // Sylvia Meise
31.01.2010

Sicher – einfach ist es nicht, eine Woche Fasten durchzuhalten. Aber wer es richtig anfängt, bringt Körper, Geist und Seele in Harmonie und stärkt sich für neue Herausforderungen. Wir stellen 6 Methoden vor. // Sylvia Meise

Geeignet ist Heilfasten prinzipiell für jeden Gesunden, außer für Schwangere und Stillende. Magersüchtige, Untergewichtige und frisch Operierte sollten gar nicht, Kranke nur unter ärztlicher Begleitung fasten, denn in den ers-ten Tagen können Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Kreislaufschwankungen auftreten. Bei großem Stress oder Depressionen sollte man nicht fasten, denn die Kuren setzen auch trübe oder verschüttete Gefühle frei.

Ob mit Bewegung, Meditation oder therapeutischen Gesprächen– das Angebot an Kuren ist groß. Wer unsicher ist, fragt besser einen Arzt. Und verschafft sich auf den kommenden Seiten schon mal einen Überblick.

1 Klärende Säfte: Heilfasten nach Otto Buchinger

Die meistverbreitete und am besten erforschte Methode ist das klassische, vom Arzt Otto Buchinger im 19. Jahrhundert entwickelte Heilfasten. Reis-, Obst- oder Gemüsetage bereiten den Körper auf ein bis vier Fastenwochen vor. Am ersten Fastentag und danach alle zwei Tage wird der Darm durch Trinken von aufgelöstem Glauber- oder Passagesalz gereinigt. Während des Fastens sieht die Buchingerkur abwechselndes Trinken von Gemüsebrühe, Obst- und Gemüsesaft sowie Kräutertees mit Honig und Mineralwasser vor – dabei nimmt man rund 250 Kilokalorien auf. Zum Konzept dieses Fastenprogramms gehört außerdem viel Bewegung an der frischen Luft und Entspannungstherapien, in speziellen Fastenkliniken auch Physiotherapien und psychologische Begleitung. Gesunde können mit dieser Variante selbstständig bis zu zwei Wochen lang fasten. Wer stark übergewichtig ist, unter Diabetes, Allergien oder anderen Krankheiten leidet, sollte ärztliche Begleitung oder eine Fastenklinik suchen. Hauptziel der Methode ist es, eine nachhaltige Veränderung von den Lebensweisen zu erreichen, die den Körper belasten und schädigen. Zu den Indikationen gehören Stoffwechsel- und rheumatische Gelenkerkrankungen.
Weiterführende Infos: Dr.med. Hellmut Lützner, Wie neugeboren durch Fasten Gräfe+Unzer, 12,90 Euro

2 Satt durch Kauen: Die Franz-Xaver-Mayr-Kur

Verdauungsprobleme sah der österreichische Kurarzt als die Mutter allen Übels. Als Therapie entwickelte er vor rund hundert Jahren eine dreistufige Fastenmethode zur Darmsanierung: altbackene Brötchen mit Milch, jeder Bissen langsam gekaut, dosiertes Reinigen des Darms und eine tägliche Massage des Bauchs, um die Verdauungsbewegungen anzuregen. Die moderne klinische Mayr-Methode folgt dazu vier Punkten: Erstens „Schonung“, das heißt Regeneration des Verdauungssystems durch leicht verdauliche, kalorienarme Kost. Zweitens „Säuberung“: Schadstoffe sollen durch Bittersalz und Wasser oder Kräutertee aus dem Körper ausgeschwemmt werden. Drittens „Schulung“ mit langsamem Kautraining und Vermittlung von Grundlagen gesunder Ernährung sowie viertens die „Substitution“, die zusätzliche Gabe von Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen. „Mayrn“ empfiehlt sich wegen des schonenden Ablaufs bei dauerhaften Verdauungsbeschwerden. Nicht geeignet ist sie bei Tumor- oder schweren rheumatischen Erkrankungen, Schilddrüsenstörungen und akuten Infekten.
Weiterführende Infos: Irmgard Zierden, Peter Mayr, F. X. Mayr-Kur, Das Basis-Buch Haug Verlag, 14,95 Euro www.mayr-gesellschaft.com

3 Selbstheilung aktivieren: Die Schroth-Kur

Namensgeber war der schlesische Fuhrmann Johann Schroth, der im 19. Jahrhundert lebte. Er kombinierte den Verzicht auf Essen und Trinken mit kalten Umschlägen – die Schroth-Kur. Heute besteht sie aus vier sich abwechselnden Teilen: Kälte und Wärme in Form Schrothscher Dunstwickel, bei denen man morgens in kalte feuchte Tücher gewickelt wird, um Durchblutung und Stoffwechsel anzuregen, Fasten mit eiweiß-, fett- und salzreduzierter Kost, Trocken- und Trinktage sowie Bewegung und Ruhe an der frischen Luft. Die moderne Form des Schroth-Fastens beinhaltet Rohkostprodukte, Grieß, Reis und gekochtes Gemüse. An den „Trockentagen“ werden Getreideschrot-, Haferflockenbrei, Schrotbrötchen, Vollkorn- oder Knäckebrot, Trockenobst und Nüsse verzehrt und wenig getrunken. An „Trinktagen“ etwa zwei Liter, meist Frucht- und Gemüsesäfte. Zum Selbstversuch ist diese Fas-tenform nicht geeignet. Ziel der Schroth-Kur ist es, durch bewusste Reizsetzung die Selbstheilungskräfte zu aktivieren und den Organismus zu „entschlacken“. Angewandt wird sie bei Stoffwechsel- und Rheuma-Erkrankungen.
Weiterführende Infos: Vera Brosig, Die Originale Schroth-Kur Schlütersche Verlags- gesellschaft, 12,90 Euro www.schrothverband.de

4 Die Kunst des Weglassens: Basenfasten

Der Begriff „Basenfasten“ ist irreführend, denn hier wird nicht gefastet, sondern eine bestimmte Gemüse- und Obst-Diät gegessen, die basenbildend wirken soll: Zum Frühstück Wasser, Kräutertee oder frisch gepresster Obst- und Gemüsesaft. Dazu Obst, Obstsalat, Müsli, warme Gemüsebrühe. Zwischendurch Mandeln, Dörrobst oder Oliven, mittags und abends Gemüse und Gemüsesuppe – alles ohne Milchprodukte zubereitet. Diese Kur lässt sich mit entsprechender Anleitung für eine Woche alleine durchführen. Das Konzept beruht auf der Annahme, dass ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt notwendig ist, damit sich der Organismus aus eigener Kraft von Giften, Viren und anderen Krankheitserregern befreien kann. Auch andere unerwünschte Stoffwechselprodukte kann er in ausgeglichenem Zustand auflösen und ausscheiden. Befürworter des Basenfastens gehen von einer Störung der Säure-Basen-Balance durch Stress und falsche Ernährung aus, was sich als Übersäuerung auswirken soll – deshalb streichen sie „Säurebildner“ wie Fleisch, Wurst, Süßes, Weißmehl- und Milchprodukte, Alkohol und Kaffee vom Speiseplan.
Weiterführende Infos: Sabine Wacker, Basenfasten plus: mit Schüßlersalzen kombiniert Haug Verlag, 14,95 Euro

5 Radikaler Kurztrip: Teefasten, Saftkur, Molkefasten

„Tee- und Wasserfasten“ ist die radikalste Variante von allen, bei der mindestens drei Liter Flüssigkeit pro Tag getrunken werden: Kräutertee und Mineral- oder Leitungswasser. Da dem Körper hierbei Mineralien, Spurenelemente und Vitamine fehlen und die Kur einen schweren Eingriff in den Stoffwechsel bedeutet, sollte man, wenn überhaupt, nur über zwei bis drei Tage Teefasten. „Saftkur“ bedeutet, tagsüber ein bis anderthalb Liter Säfte und Wasser zu trinken. Wer abwechselnd Gemüsesäfte und Obstsäfte nimmt, hat zumindest eine Grundversorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen. Beim „Molkefasten“ trinkt man ein bis anderthalb Liter Molke über den Tag verteilt. Auch Kräuter- und Früchtetees sind bis zu drei Liter pro Tag erlaubt, außerdem Mineralwasser. Molke wird hier als Heilwasser verstanden, Milchzucker und -säure sollen sich positiv auf den Darm und seine Funktion auswirken. Solche Trinkkuren können nur ein Kurztrip auf dem Weg zur Umstellung von Ernährungsgewohnheiten sein. Für eine längere Dauer sollte man sich für eine weniger belastende Fastenform entscheiden.
Weiterführende Infos: Rüdiger Dahlke, Das große Buch vom Fasten Arkana Verlag, 8,95 Euro www.aerztegesellschaftheilfasten.de

6 Die Seele reinigen: Hildegardfasten

Hildegard von Bingen setzte auf die spirituelle Reinigungskraft des Fastens. Nicht nur der Körper, auch die Seele sollte von ihren Belastungen befreit werden. Hildegard soll das Fasten als universales Psychotherapeutikum eingesetzt haben und der Meinung gewesen sein, es heile 29 von 35 seelischen Krankheiten. Es gibt drei Varianten: Dinkelfasten, Brotfasten und als strengste das Hildegardfasten, das nach einigen Entlastungstagen morgens mit der Einnahme einer Ingwer-Gewürzmischung beginnt, gefolgt von Dinkelkaffee, Fencheltee und Dinkel-Gemüsebrühe. Acht bis zehn Tage soll diese Trinkkur dauern, die wie auch die oben erwähnten Formen keine Abführmittel vorsieht. Das gemäßigtere Hildegard-Dinkelfasten ist die sanftere Methode: Hier stehen neben Dinkelkaffee und Fencheltee Dinkelschrotsuppen und Gemüse, gewürzt mit Hildegardmischungen, auf dem Programm, dazu werden Obstsäfte getrunken und die Darmreinigung durch Flohsamen unterstützt. Wie auch bei Buchinger, Mayr oder Schroth gehören Leibwickel und ausgiebige Spaziergänge an der frischen Luft zum Konzept, ebenso therapeutische Gespräche und Meditationen.
Weiterführende Infos: Brigitte Pregenzer, Brigitte Schmidle, Hildegard von Bingen.Einfach fasten Tyrolia Verlag, 12,95 Euro

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