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„Hatschi!“ – „Gesundheit!“

ALLERGIE Die Sonne scheint, es grünt und blüht, der Frühling lockt alle nach draußen. Alle? Leider nicht! Wer Heuschnupfen hat, kann die Natur kaum genießen. Doch es gibt Hilfe.
01.04.2015
ALLERGIE Die Sonne scheint, es grünt und blüht, der Frühling lockt alle nach draußen. Alle? Leider nicht! Wer Heuschnupfen hat, kann die Natur kaum genießen. Doch es gibt Hilfe.

ALLERGIE Die Sonne scheint, es grünt und blüht, der Frühling lockt alle nach draußen. Alle? Leider nicht! Wer Heuschnupfen hat, kann die Natur kaum genießen. Doch es gibt Hilfe. von Bettina Levecke

Die Augen sind gerötet, Tränen fließen, der Rachen kratzt, die Nase ist wund vom vielen Putzen – viele von uns kennen diese Symptome. Nach Angaben des Deutschen Allergie- und Asthmabundes leidet jeder sechste Deutsche mittlerweile an triefender Nase und juckenden Augen, wenn die Natur erwacht. Tendenz steigend. Oft ist Heuschnupfen angeboren, aber Experten vermuten, dass Umweltgifte wie Autoabgase oder Zigarettenrauch das Immunsystem schwächen und damit die Zunahme allergischer Reaktionen fördern. Beim Heuschnupfen reagiert der Körper auf die Eiweißkomponenten in Pollen, dem Blütenstaub von Gräsern, Bäumen, Getreide, Sträuchern oder Kräutern. Sie werden durch Wind und Wetter in die Luft gewirbelt und sorgen bei der Landung auf den Schleimhäuten für Immun-Alarm.

Durch die milden Temperaturen mussten Heuschnupfler, die auf Erlen- oder Haselnusspollen reagieren, dieses Jahr bereits im Januar ihre Taschentücher zücken. Auch die Birke, die bei 50 Prozent aller Allergiker für Beschwerden sorgt, ist schon Ende Januar/Anfang Februar aktiv geworden. Jetzt im April ist die Schnupfnasensaison in vollem Gange. Ende Mai kommen noch die Gräserpollen dazu – dann fliegt das Pollen-Potpourri bis weit in den November. Mit viel Glück gibt es dann eine kleine Verschnaufpause, bis der Pollenflug wieder von vorne beginnt. Der Wunsch nach Linderung ist bei den Betroffenen riesengroß, denn Heuschnupfen ist keine Kleinigkeit. Langfristig droht ein „Etagenwechsel“: Aus den Problemen in den oberen Atemwegen kann sich ein handfestes Asthma entwickeln.

Erste Hilfe bei Beschwerden

Als erste Hilfe verschreiben Schulmediziner oft Antihistaminika, die es als Spray, Tropfen oder Tabletten gibt. Sie funktionieren als reine Symptombekämpfung, indem sie die Histamin-Produktion im Körper abschwächen, die zu der Immunreaktion führt. Für saisonale Beschwerden können sie eine effektive Lösung sein, dauerhaft besteht aber das Risiko von einem Gewöhnungseffekt und Nebenwirkungen, z.B. Müdigkeit. Bei stärkeren Beschwerden werden von Ärzten häufig kortisonhaltige Medikamente verschrieben, die entzündungslindernd wirken. Sie können aber auch Nebenwirkungen haben. Abschwellende Nasensprays machen schnell die Nase frei, sollten allerdings nicht länger als zwei Wochen angewendet werden, weil sie sonst die Schleimhäute austrocknen und die Beschwerden damit noch verstärken.

Ganz gezielt wirken auch pflanzliche Helfer, z.B. indisches Lungenkraut bei Atembeschwerden und Augentrost bei tränenden oder brennenden Augen.

Langfristige Linderung

Um dem Heuschnupfen dauerhaft den Garaus zu machen, setzt die Schulmedizin auf die Hyposensibilisierung. Dabei werden Allergikern in immer höherer Dosierung die allergieauslösenden Proteine gespritzt, damit der Körper sich daran gewöhnt. Eine Behandlung dauert drei bis fünf Jahre. Die Erfolgsquote liegt bei 70 bis 80 Prozent. Alternative ist die sublinguale Immuntherapie (SLIT), bei der Patienten sich zu Hause selbst hyposensibilisierende Tropfen auf die Zunge träufeln oder eine sogenannte „Grastablette“ lutschen.

In der alternativen Medizin liegt der Fokus auf der Stärkung des Immunsystems: Eine Schüssler-Salz-Therapie hilft zum Beispiel, das biochemische Gleichgewicht in den Zellen wiederherzustellen. Homöopathische Einzelwirkstoffe und Komplexmittel stärken die Konstitution und beugen einer Überreaktion des Immunsystems vor. Heilfasten oder eine gezielte Darmsanierung sollen die für die Abwehrfunktion so wichtige Darmflora fit machen. Bei einer Balneotherapie wird mit kalt-warmen Wasseranwendungen das Immunsystem trainiert. Entspannungsmethoden wie Yoga oder autogenes Training können ein überschießendes Immunsystem nachweislich beruhigen. Auch TCM und Akupunktur können eine Hilfe sein: Bei einer Studie an der Berliner Charité beispielsweise konnten Pollenallergiker immerhin ihre Medikamentenmenge verringern.

So gibt es mit der richtigen persönlichen Therapie am Ende doch noch einen Grund zur Frühlingsfreude.

Tipps & Tricks – Weg mit den Pollen!

Spülen
Wenn die Nase juckt und brennt, machen Sie eine Nasenspülung mit isotonischer Kochsalzlösung. Sie schwemmt die Pollen von den Schleimhäuten.

Ausziehen
Über die Oberbekleidung schummeln sich Pollen auch in die Wohnräume. Deshalb: Schon im Flur die Kleidung wechseln. Alltagsbekleidung grundsätzlich nicht mit ins Schlafzimmer nehmen!

Vergittern
Ihr kommt hier nicht rein! Pollenschutzgitter vor den Fenstern sorgen für unbelastete Atemluft in der Wohnung und weisen bis zu 90 Prozent der Pollen eine Abfuhr.

Trocknen
Draußen Wäsche aufhängen? Keine gute Idee! Besser: Nasse Wäsche drinnen trocknen oder in akuten Pollenzeiten den Trockner benutzen.

Lüften
In der Stadt ist die Pollenkonzentration am Abend am niedrigsten, auf dem Land am Morgen. Bester Zeitpunkt zum Lüften: Nach einem kräftigen Regenschauer!

Waschen
Gerade auf langen Haaren haben Pollen die ideale Landebahn. Vor dem Schlafengehen deshalb einmal Haare waschen – das kann auch ohne Shampoo sein.

Filtern
Im Auto sind die Fenster zu? Das reicht leider nicht, denn die Außenluft kommt auch über die Luftfilter rein. Deshalb: Spezielle Pollenfilter einbauen lassen und einmal jährlich wechseln. Auch für den Staubsauger gibt es Allergiker-Filter.

Pflanzen
Setzen Sie in Ihrem Garten auf bienenfreundliche Pflanzen, zum Beispiel Obsthölzer statt Sträucher. Pflanzen, die von Insekten bestäubt werden, haben schwerere Pollen, die nicht so stark in die Luft aufwirbeln.

Mähen
Je länger das Gras, desto mehr Pollen – deshalb den Rasen im Garten so kurz wie möglich halten. An feuchten Tagen wird weniger Staub aufgewirbelt. Bei starken Beschwerden eine Sonnenbrille und/oder einen Mund- und Nasenschutz tragen.

Urlaub machen
Im Mai sind die Beschwerden immer am größten? Dann planen Sie doch möglichst Ihren Urlaub für diese Zeit und reisen in ein pollenfreies Gebiet, z.B. an die Nordsee oder in die Alpen.

Mehr zum Thema

www.daab.de
Allgemeine Hintergrund-Informationen zum Thema Heuschnupfen

www.pollenstiftung.de
Aktuelle Pollenflug-Vorhersagen

www. pollenflug.de
Mit übersichtlichem Pollenkalender nach Bundesländern und Monaten

Kerckhoff, Annette:
Landschek, Ines:

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