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Gute Sonne, böse Sonne

GESUNDHEIT Sonnenschein macht gute Laune und fördert unsere Gesundheit. Und Sonnenschein kann Hautkrebs verursachen. Wie finden wir die richtige Balance?
01.05.2015
GESUNDHEIT Sonnenschein macht gute Laune und fördert unsere Gesundheit. Und Sonnenschein kann Hautkrebs verursachen. Wie finden wir die richtige Balance?

GESUNDHEIT Sonnenschein macht gute Laune und fördert unsere Gesundheit. Und Sonnenschein kann Hautkrebs verursachen. Wie finden wir die richtige Balance? / von Astrid Wahrenberg

Hugh Jackman, Schauspieler und ehemaliger „Sexiest Man Alive“, zeigte sich der Presse im vergangenen Jahr des Öfteren mit Pflaster auf der Nase. Grund: Die Entfernung verschiedener Basalzell-Karzinome. Der 46-jährige Schauspieler leidet an Hautkrebs. Und er nutzt seine Bekanntheit, um für Sonnenschutz zu werben: „Seid nicht so dumm wie ich. Lasst euch untersuchen. Und verwendet Sonnencreme“, twitterte er nach seinen Operationen in die Welt.

Ein wichtiger Appell. Doch die extensive Verwendung von Sonnencreme ist wegen der damit verbundenen geringeren Vitamin-D-Produktion des Körpers in letzter Zeit in die Diskussion geraten, auch wenn Dermatologen Sonnenschutz dringend empfehlen. „Ultraviolette Strahlen schädigen die DNA, und zwar lange vor einem Sonnenbrand“, sagt Professor Eckardt Breitbart, zweiter Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention e.V. (ADP). Die meisten Schäden im Erbgut kann der Organismus reparieren. Aber nicht immer zu 100 Prozent. Zellen können entarten und daraus Tumore entstehen. Das Perfide: Solche Veränderungen können sich bis zu 50 Jahre später zeigen. Sonnenbrände in jungen Jahren sind besonders gefährlich, denn die Hautschäden summieren sich“, sagt Breitbart. Babys dürfen grundsätzlich nicht in die Sonne. Ihre Haut hat noch keinen Eigenschutz gebildet und kann sich nicht gegen UV-Strahlung wehren. Kinder sollen unter keinen Umständen einen Sonnenbrand bekommen.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO stellt ultraviolettes Licht – natürlich oder künstlich von Solarien – auf eine Stufe mit Rauchen oder Röntgenstrahlen. Sie seien eindeutig krebserregend.

Sonne ist wichtig für die Gesundheit

Auf der anderen Seite ist die Sonne für unseren Körper notwendig. Er bildet mit Hilfe von UV-B-Strahlen in der Haut Vorstufen von Vitamin D. Das braucht er für gesunde Knochen und Zähne. Zwar liefern Fisch, Eier, Milch, Pilze und Avocado natürliches Vitamin D. Diese Mengen reichen aber nicht für den nötigen Bedarf.

Große Sorgen muss sich aber niemand machen: „Einen echten Vitamin-D-Mangel gibt es in Deutschland bei gesunden Erwachsenen nicht“, sagt Dermatologe Breitbart. Der Körper speichert während der Sommermonate Vitamin D und ist somit auch im Winter versorgt. Das bestätigen 20 verschiedene Institutionen und Ärztevereinigungen, die im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz speziell in Bezug auf Vitamin D gemeinsam Empfehlungen erarbeitet haben. Fazit: Es genügt, zwei- bis dreimal pro Woche nach draußen zu gehen und Gesicht, Hände und Arme unbedeckt und ohne Sonnenschutz einige Minuten dem Licht auszusetzen. Als Limit gilt die Hälfte der Zeit, in der man sonst ungeschützt einen Sonnenbrand bekommen würde. Bei Menschen mit Hauttyp II – das heißt, sie haben helle, empfindliche Haut, die oft Sommersprossen entwickelt, helle Augen und auch helles Haar – sind das bei einem UV-Index von 7 rund zwölf Minuten.

Von Solarien raten Experten und internationale Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dringend ab. „Die gesetzlich festgelegte höchste Bestrahlungsstärke in Solarien entspricht derjenigen, die mittags am Äquator bei wolkenlosem Himmel herrscht“, sagt Breitbart. Fazit: Das ist eine viel zu hohe Dosis. Eine Beratung durch entsprechend geschultes Personal ist in Solarien seit 2012 gesetzlich vorgeschrieben. Doch viele Kunden halten sich nicht daran. Um Minderjährige zu schützen, hat der Gesetzgeber ein Verbot für alle unter 18 erlassen.

High Noon – raus aus der Mittagssonne

Krasse Sonnenstrahlen wie am Äquator gibt es in unseren Breitengraden zwar nicht. Dennoch ist die Mittagszeit die gefährlichste überhaupt. Wer sich zwischen 11.00 und 15.00 Uhr nach drinnen verzieht oder sich ein schattiges Plätzchen sucht, beherzigt die wichtigste Sonnenregel. Das gilt für Aufenthalte im Süden erst recht. Die Sonne auf Gran Canaria strahlt mittags mit fast der doppelten UV-Dosis, wie zur gleichen Zeit in München.

In der Heimat von Hugh Jackman und dem Land mit einer der höchsten Hautkrebsraten weltweit, gilt diese Regel erst recht. Dort lernen schon Kindergartenkinder den Spruch „Slip, slop, slap“. Übersetzt heißt das so viel wie: „Schlüpf, schmier, stülp“ und meint: „Schlüpf in ein Hemd, schmier dich ein und stülp dir eine Kappe über!“ Damit befolgen die Australier den Rat von Hautärzten, die langärmelige Shirts oder Blusen aus dicht gewebtem Stoff und einen Hut mit breiter Krempe empfehlen, der Nacken, Stirn und Augen beschattet. Sonnenbrillen mit UV-A- und UV-B-Schutz schonen die Augen. Wo die Sonne auf nackte Haut fällt, muss Sonnencreme drauf, und zwar nicht zu knapp. Dabei sollten Sonnenanbeter auch Stellen berücksichtigen wie die Ohren und die Haut dahinter sowie Fußrücken und -sohlen. Sonnencremes mit chemisch-synthetischen UV-Filtern entfalten ihre Wirkung erst eine halbe Stunde nach dem Auftragen. Mineralische Filter wirken hingegen sofort. Die mineralischen Pigmente reflektieren das Licht wie kleine Spiegel. Ohne regelmäßiges Nachcremen kein Schutz, denn Wasser, Sand oder Schweiß reiben einen Teil der Creme wieder von der Haut.

Grundsätzlich gilt: Wir müssen die Sonne zwar nicht als unseren Feind betrachten, doch sie ist ein Freund, dem wir mit Respekt begegnen sollten.

UV-Strahlung und Krebs

Jährlich erkranken in Deutschland etwa 13 700 Menschen an Schwarzem Hautkrebs, dem sogenannten Malignen Melanom. Der Grund: Ungeschützte Sonnenbäder und der Besuch von Solarien.

Schon gewusst?

Im Schatten, unter einem Baum oder Sonnenschirm, reduziert sich die UV-Belastung etwa um die Hälfte. Bei leicht bewölktem Himmel lässt sie kaum nach, obwohl es sich kühler anfühlt.

UV-Belastung

Wie stark strahlt die Sonne?

Die UV-Belastung kann man am UVI, einem international festgelegten Wert zwischen 1 und 12, ablesen. Den aktuellen UV-Index und die UV-Prognosen finden sich auf der Webseite des Bundesamtes für Strahlenschutz (www.bfs.de) sowie auf den Seiten des Deutschen Wetterschutzdienstes (www.dwd.de unter Wetter und Warnungen/Biowetter). Die Wirkungen der UV-Strahlung sind unter anderem von der Empfindlichkeit der Haut gegenüber UV-Strahlung abhängig. Je nach UV-Empfindlichkeit werden 6 Hauttypen unterschieden. Auf der Internetseite des Bundesamtes für Strahlenschutz werden sie näher erläutert.

www.bfs.de/de/uv/uv2/wirkungen_uv_strahlung/Hauttypen.html

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