Kolumne

Gut abgeschnitten

Unsere Kolumnistin Jutta Koch hat sich für eine neue Frisur entschieden. Und für uns aufgeschrieben, was das mit ihrem Umfeld gemacht hat.

Neulich beim Friseur betrachtete ich das Plakat eines Herstellers für Haarpflegemittel. „Your Signature Look“ stand darauf. Zu sehen war eine Frau mit strubbelig gestylten halblangen Haaren und Pony. Stimmt, dachte ich, das ist auch mein „Signature Look“. Obgleich meine Strubbeligkeit nie mit Styling, sondern immer mit Eile zu tun hat.

Zeit für was Neues

Mein zweiter Gedanke war: Wird mal Zeit für was Neues. Den vereinbarten Termin zum Mal-wieder-die-Spitzen-schneiden nutzte meine wunderbare Friseurin dann für eine spontane Typveränderung. „Lockiger Pixie“ nennt sie den Schnitt, der ihr und mir so richtig gute Laune machte und den ich so ähnlich schon mal hatte: vor 25 Jahren. Das Foto in meinem Führerschein erinnert daran.

Unterschätzt hatte ich allerdings, wie viel flexibler mein Umfeld damals mit Veränderungen auf meinem Kopf umgegangen ist. Anders als früher lebe ich heute mit Menschen zusammen, die mich zum Teil noch nie mit einer anderen Frisur gesehen haben. Meinem neunjährigen Sohn beispielsweise schossen bei meiner Heimkehr die Tränen in die Augen. „Entschuldigung, war nur der Schock“, sagte er, nachdem er sich beruhigt hatte. Seine Zwillingsschwester stöhnte: „Mama! So kurze Haare haben nur alte Frauen!“ Meine 75-jährige Nachbarin wiederum (die keine Kurzhaarfrisur, sondern einen wuscheligen Bob trägt) rief beim ersten Treffen schon von Weitem entsetzt: „Frau Koch, warum DAS?!?“

Ein Haarschnitt ist noch keine Sinnkrise

Glücklicherweise bin ich resilient, was Reaktionen auf mein Äußeres betrifft. Oder, wie meine Herzenskollegin Inga mal sagte: „Du bist so herrlich uneitel.“ Das kam mir in der Zeit der vielen ersten Begegnungen nach dem Friseurbesuch zugute. „Wächst ja wieder“, sagte ich allen, die meinen Abschied vom „Signature Look“ für einen schweren Fehler hielten. Und ich redete jenen gut zu, denen der Schnitt zwar gefiel, die hinter der Entscheidung zum klaren Schnitt aber mindestens eine Sinnkrise, wenn nicht gar Probleme in meiner Ehe witterten. Apropos: Mein Ehemann quittierte den Pixie mit einem wohlwollenden: „Wow, französische Schauspielerin!“ „Oui“, sagte ich, „mir war mal danach“.

Feststeht: Ich werde kein ganzes Jahrzehnt mehr mit demselben Haarschnitt verbringen. Ich mach’s jetzt wie Inga. Von Glatze bis Lockenkopf und von Weißblond bis Dunkelbraun hab ich in den vergangenen Jahren alles an ihr gesehen. Und weil bei so vielen neuen Looks kein Mensch mehr mitkommt, fällt sie damit gar nicht weiter auf. Einzige Konstante: sieht immer gut aus.

Zur Person

Jutta Koch ist Redakteurin beim bio verlag. In ihrer Kolumne erzählt sie aus dem ganz normalen Alltag zwischen Wonne und Wahnsinn.

Veröffentlicht am

Ein Artikel aus dem Naturkosmetik-Magazin

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