Leben

Gefahr durch unterschiedliche Zahnlegierungen

Metalle im Mund können schädlich sein, sogar das vielgepriesene Gold. Wie es dazukommt und was ihr dagegen tun könnt

Ist Metall im Mund schädlich?

Amalgam ist schon lange in Verruf. Doch auch andere Metalle in Mund sind nach neuen Untersuchungen eine Gefahr, sogar das vielgepriesene Gold. Denn sobald unterschiedliche Legierungen als F√ľllung oder Zahnersatz zusammenkommen, treten elektrische Ph√§nomene auf, die die Gesundheit beeintr√§chtigen k√∂nnen.

Viele Menschen tragen ein kleines Elektrizit√§tswerk im K√∂rper, ohne es zu wissen. Ursache daf√ľr sind F√ľllungen, Kronen, Br√ľcken und Zahnprothesen aus unterschiedlichen Metallen, die zu elektrischen Ph√§nomenen im Munde f√ľhren k√∂nnen. Man unterscheidet dabei grunds√§tzlich drei verschiedene Mechanismen, die jedoch immer kombiniert vorkommen:

  1. den Batterie-Effekt
  2. den Spannungsfeld-Effekt
  3. den Verstärker-Effekt

1. Zahnmetalle als Mundbatterie

Nach dem Prinzip der einfachen Batterie eines Bimetall-Akkus flie√üt in einer Fl√ľssigkeit, dem Elektrolyt, zwischen zwei Elektroden aus unterschiedlichen Metallen ein Strom von der unedleren zur edleren Elektrode. Mit diesem Strom l√∂sen sich Ionen aus dem unedleren Metall, wandern zum Edelmetall und lagern sich dort an.

Im Mund finden sich mindestens zwei parallel geschaltete Elektrolyte: der Speichel und die Gewebsfl√ľssigkeit in der Mundschleimhaut und in den feinen Kan√§lchen des Zahnbeins. Mit beiden kommen F√ľllungen, Kronen und Prothesen in Kontakt, das bedeutet: Speichel und Gewebsfl√ľssigkeit werden von Metallionen durchwandert.

Verst√§rkt wird dieser Effekt, wenn mehr als zwei verschiedene Metalle im Mund vorhanden sind. Das ist h√§ufig der Fall. Wir finden F√ľllungen aus Amalgam neben Goldkronen und Stahlprothesen, Titanstifte unter Platinkronen, Edelmetallbr√ľcken auf Implantaten, ja selbst Amalgamf√ľllungen unter Edelmetallkronen ‚Äď alles ist medizinisch erlaubt und daher gang und g√§be. Es gibt Patienten - besonders h√§ufig aus Osteuropa eingewandert ‚Äď mit mehr als zehn verschiedenen Legierungen im Mund.

Je √∂fter ein Patient mit F√ľllungen, Kronen und Prothesen aus Metall versorgt werden muss, um so st√§rker wirkt diese ‚ÄěMundbatterie‚Äú. S√§mtliche Einzelbestandteile aus diesen Materialien k√∂nnen herausgel√∂st werden. Die F√ľllung oder Krone korrodiert. So findet man in alten Amalgamf√ľllungen kaum noch Quecksilber, weil es mit dem Ionenstrom in den Organismus gewandert ist.

Welche Folgen hat die Mundbatterie?

Und die Folgen? Zun√§chst werden die feinsten im Speichel gel√∂sten Metallteilchen geschluckt, √ľber die Verdauungswege aufgenommen und teilweise wieder ausgeschieden. Die sch√§digende Auswirkung von verschlucktem Quecksilber auf die Darmflora ist bekannt, die dadurch verringerte Wirksamkeit von Antibiotika wird derzeit diskutiert.

Das Quecksilber aus F√ľllungen verdampft schon bei Mundtemperaturen und wird √ľber die Atemwege aufgenommen oder gelangt √ľber die im Mund befindlichen Nerven direkt ins Gehirn. Noch schwerer wiegt die Tatsache, dass die Gewebsfl√ľssigkeit vom Ionenstrom durchwandert wird. So gelangen Schwermetalle wie Quecksilber und Palladium zun√§chst in das der Krone oder F√ľllung benachbarte Zahnfleisch, wie wissenschaftliche Untersuchungen der Universit√§t Basel belegen.

Dar√ľber hinaus durchwandern die Metallionen das gesamte Bindegewebe des K√∂rpers und erreichen somit jede Stelle im Organismus. Da das Bindegewebe mit s√§mtlichen Zellen unseres K√∂rpers in Verbindung steht, laufen hier die Basisregulation und die Steuerung aller vegetativen Vorg√§nge ab. √úber dieses Gewebe mit seiner Gewebsfl√ľssigkeit kommunizieren alle K√∂rperzellen untereinander. Befinden sich hier Schwermetalle, wird die Regulation lebenswichtiger Vorg√§nge beeintr√§chtigt ‚Äď und das um so st√§rker, je mehr Metallteilchen abgelagert sind.

Quecksilber lagert sich besonders gern in Gehirn, R√ľckenmark und Nerven ab. Das ist fatal. Denn derartige Metalldepots an diesen zentralen Schalt- und Steuerzentren des K√∂rpers sind therapeutisch nur sehr schwer oder gar nicht mehr zu entfernen. Depots in Leber oder Niere lassen sich leichter eliminieren.

2. Spannungsfeld Gebiss

Nicht allein der Ionenstrom belastet den Organismus. Zwischen den verschiedenen Metallen im Mund bauen sich auch elektrische Felder auf, die Mundschleimhaut und Kieferknochen aufladen und ‚Äď aufgrund der N√§he zum Gehirn ‚Äď das Zentralnervensystem irritieren k√∂nnen.

Wie die Neurologie wei√ü, arbeiten Nerven und Gehirn mit feinen elektrischen Signalen von etwa 16 Millivolt. Bei Patienten mit einem Metallpotpourri in den Z√§hnen messen wir nicht selten mehrere hundertfach h√∂here Mundspannungswerte. Dass solche Hochspannungen die erheblich schw√§cheren Nervenimpulse gravierend st√∂ren k√∂nnen, ist lebhaft vorstellbar. Dies l√§sst uns auch verstehen, dass die Betroffenen an den unterschiedlichsten Symptomen leiden k√∂nnen. Sie klagen etwa √ľber Kopfschmerzen und Muskelschmerzen, Konzentrationsst√∂rungen, M√ľdigkeit, rheumatische Beschwerden psych. Ver√§nderungen und vieles mehr. Fast alle Betroffenen sehen keinen Zusammenhang zwischen ihren Problemen und ihren Z√§hnen. Um so erstaunter sind alle, wenn ihnen klar wird, dass ihre Beschwerden seit dem Zeitpunkt bestehen, an dem sie ihre Kronen oder Prothesen erhielten.

Es zeigt sich, dass die Beschwerden meist verschwinden oder gemildert werden, sobald die Zahnmetalle entfernt sind. Wissenschaftliche Belege f√ľr diese Zusammenh√§nge fehlen noch. Forschungsprojekte an der Universit√§t in Basel sollen mehr Klarheit bringen.

3. Zahnmetalle als Verstärker externer Funkwellen

In unserem modernen Leben kommen wir leider ohne hochfrequente Strahlung nicht mehr aus. Radio, Fernsehen, Satelliten, Milit√§r bombardieren jeden Meter auf dieser Welt mit ihren k√ľnstlichen Wellen. Nat√ľrliche elektromagnetische Strahlen sind ‚Äědank‚Äú der √úberlagerung k√ľnstlicher kaum noch messbar. Viele vermuten hierdurch eine Gef√§hrdung unserer Gesundheit.

Alle ausziehbaren Metallst√§be, Dr√§hte und spezielle ‚ÄěSch√ľsseln‚Äú sind gute Antennen f√ľr zahlreiche Sender. Diese Erfahrung kann schon jedes Kind mit einem entsprechenden Elektrobaukasten machen. Von Baubiologen wird immer davor gewarnt, sich in unmittelbarer N√§he von Verst√§rkern oder Ger√§ten mit elektromagnetischer Strahlung aufzuhalten. Doch was passiert im K√∂rper, wenn ein solcher Verst√§rker als F√ľllung, Krone oder Implantat direkt im Munde sitzt ?

Ein Beispiel mag dies verdeutlichen: Ein Patient mit jeweils f√ľnf Implantaten (k√ľnstlichen Zahnwurzeln aus Titan) auf beiden Seiten des Oberkiefers bemerkte eine zunehmende Pickel- und Pustelbildung auf der rechten Wange in Form eines abgegrenzten etwa f√ľnf Zentimeter breiten Streifens. Weder sein Haus- noch der Hautarzt wussten Rat. Auch rein zahnmedizinisch war keine Ursache f√ľr diese Ver√§nderungen festzustellen. Auf gezieltes Befragen erz√§hlte der Mann, dass er als vielreisender Gesch√§ftsmann fast st√§ndig im Auto mit seinem Handy am rechten Ohr telefonierte. Da der Verdacht bestand, dass die Implantate √§hnlich einer Antenne die Funkwellen seines Handys verst√§rken k√∂nnten und sich dies vielleicht als Hautreaktion bemerkbar mache, lie√ü der Patient sofort eine Freisprechanlage in sein Auto installieren und reduzierte seine Funktelefonate auf das allernotwendigste. Schon nach kurzer Zeit verschwanden die Hautentz√ľndungen und traten nicht mehr auf.

Leider sind nicht in allen Fällen derartige Beschwerden einfach durch Eliminierung der äußeren Störfrequenzen behebbar. Vielfach sollte gemeinsam mit dem Zahnarzt die Möglichkeit einer metallfreien Zahnsanierung erwogen werden.

Bis heute ist die Gefahr durch Erwärmung des Gewebes (thermischer Effekt) im Einflussbereich hochfrequenter Strahlen weitgehend erforscht. Derzeit noch nicht nachgewiesen ist jedoch die Gefährdung durch die nicht-thermischen Wirkungen wie im Beispiel oben beschrieben. Die Forschungen hierzu laufen weltweit auf Hochtouren.

Therapeutische Möglichkeiten

Elektrische Vorg√§nge im Mund k√∂nnen v√∂llig symptomlos ablaufen. H√§ufig jedoch treten Erscheinungen auf, die gar nicht damit in Zusammenhang gebracht werden. Wir finden bei den Betroffenen Muskel- und Gelenkprobleme fernab des eigentlichen Geschehens. Rheuma, Kopfschmerzen und R√ľckenschmerzen werden ebenso oft angegeben wie neurologische Erkrankungen. In therapieresistenten F√§llen sollten √Ąrzte ihren Patientinnen und Patienten einmal in den Mund schauen und einen Zahnarzt zu Rate ziehen, der sich mit diesem Thema befast und Mundstr√∂me misst. Derartige Messungen sind leicht und schmerzlos durchzuf√ľhren und sollten in jedem Falle vorgenommen werden, falls bei Erkrankten Metalle in Z√§hnen oder Kiefer vorhanden sind.

Heute stehen vertr√§gliche metallfreie Werkstoffe f√ľr Zahnsanierungen zur Verf√ľgung. F√ľllungen, Inlays, Kronen, ja selbst Br√ľcken k√∂nnen dank moderner Keramik und Glasfasern v√∂llig ohne jedes Metall hergestellt werden. Kunststoffe sollte man wegen der allergieausl√∂senden und m√∂glicherweise krebserregenden Inhaltsstoffe vermeiden.

Wo fehlende Z√§hne nur durch eine herausnehmbare Prothese zu ersetzen sind, kann noch nicht in allen F√§llen auf Zahnmetall verzichtet werden. Hierbei muss man unbedingt darauf achten, dass nur eine einzige hochkar√§tige Legierung f√ľr alles verwendet wird. Nur so lassen sich galvanische Elemente und elektrische Felder vermeiden.

√úber die Autorin

Hiltrud Boeger ist niedergelassene Zahn√§rztin seit 1983, au√üerdem Mitglied der Akademie f√ľr Naturheilkunde in der Zahnmedizin, Bonn, sowie der Gesellschaft f√ľr ganzheitliche Zahnmedizin (GZM), Mannheim.

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