Jeden Tag eine gute Entscheidung. FĂĽr eine bessere Welt. FĂĽr uns alle.
Leben

Gefahr durch unterschiedliche Zahnlegierungen

Metalle im Mund können schädlich sein, sogar das vielgepriesene Gold. Wie es dazukommt und was ihr dagegen tun könnt

01.11.1998 vonHiltrud Boeger

Metalle im Mund können schädlich sein, sogar das vielgepriesene Gold. Wie es dazukommt und was ihr dagegen tun könnt

Ist Metall im Mund schädlich?

Amalgam ist schon lange in Verruf. Doch auch andere Metalle in Mund sind nach neuen Untersuchungen eine Gefahr, sogar das vielgepriesene Gold. Denn sobald unterschiedliche Legierungen als Füllung oder Zahnersatz zusammenkommen, treten elektrische Phänomene auf, die die Gesundheit beeinträchtigen können.

Viele Menschen tragen ein kleines Elektrizitätswerk im Körper, ohne es zu wissen. Ursache dafür sind Füllungen, Kronen, Brücken und Zahnprothesen aus unterschiedlichen Metallen, die zu elektrischen Phänomenen im Munde führen können. Man unterscheidet dabei grundsätzlich drei verschiedene Mechanismen, die jedoch immer kombiniert vorkommen:

  1. den Batterie-Effekt
  2. den Spannungsfeld-Effekt
  3. den Verstärker-Effekt

1. Zahnmetalle als Mundbatterie

Nach dem Prinzip der einfachen Batterie eines Bimetall-Akkus fließt in einer Flüssigkeit, dem Elektrolyt, zwischen zwei Elektroden aus unterschiedlichen Metallen ein Strom von der unedleren zur edleren Elektrode. Mit diesem Strom lösen sich Ionen aus dem unedleren Metall, wandern zum Edelmetall und lagern sich dort an.

Im Mund finden sich mindestens zwei parallel geschaltete Elektrolyte: der Speichel und die Gewebsflüssigkeit in der Mundschleimhaut und in den feinen Kanälchen des Zahnbeins. Mit beiden kommen Füllungen, Kronen und Prothesen in Kontakt, das bedeutet: Speichel und Gewebsflüssigkeit werden von Metallionen durchwandert.

Verstärkt wird dieser Effekt, wenn mehr als zwei verschiedene Metalle im Mund vorhanden sind. Das ist häufig der Fall. Wir finden Füllungen aus Amalgam neben Goldkronen und Stahlprothesen, Titanstifte unter Platinkronen, Edelmetallbrücken auf Implantaten, ja selbst Amalgamfüllungen unter Edelmetallkronen – alles ist medizinisch erlaubt und daher gang und gäbe. Es gibt Patienten - besonders häufig aus Osteuropa eingewandert – mit mehr als zehn verschiedenen Legierungen im Mund.

Je öfter ein Patient mit Füllungen, Kronen und Prothesen aus Metall versorgt werden muss, um so stärker wirkt diese „Mundbatterie“. Sämtliche Einzelbestandteile aus diesen Materialien können herausgelöst werden. Die Füllung oder Krone korrodiert. So findet man in alten Amalgamfüllungen kaum noch Quecksilber, weil es mit dem Ionenstrom in den Organismus gewandert ist.

Welche Folgen hat die Mundbatterie?

Und die Folgen? Zunächst werden die feinsten im Speichel gelösten Metallteilchen geschluckt, über die Verdauungswege aufgenommen und teilweise wieder ausgeschieden. Die schädigende Auswirkung von verschlucktem Quecksilber auf die Darmflora ist bekannt, die dadurch verringerte Wirksamkeit von Antibiotika wird derzeit diskutiert.

Das Quecksilber aus Füllungen verdampft schon bei Mundtemperaturen und wird über die Atemwege aufgenommen oder gelangt über die im Mund befindlichen Nerven direkt ins Gehirn. Noch schwerer wiegt die Tatsache, dass die Gewebsflüssigkeit vom Ionenstrom durchwandert wird. So gelangen Schwermetalle wie Quecksilber und Palladium zunächst in das der Krone oder Füllung benachbarte Zahnfleisch, wie wissenschaftliche Untersuchungen der Universität Basel belegen.

Darüber hinaus durchwandern die Metallionen das gesamte Bindegewebe des Körpers und erreichen somit jede Stelle im Organismus. Da das Bindegewebe mit sämtlichen Zellen unseres Körpers in Verbindung steht, laufen hier die Basisregulation und die Steuerung aller vegetativen Vorgänge ab. Über dieses Gewebe mit seiner Gewebsflüssigkeit kommunizieren alle Körperzellen untereinander. Befinden sich hier Schwermetalle, wird die Regulation lebenswichtiger Vorgänge beeinträchtigt – und das um so stärker, je mehr Metallteilchen abgelagert sind.

Quecksilber lagert sich besonders gern in Gehirn, Rückenmark und Nerven ab. Das ist fatal. Denn derartige Metalldepots an diesen zentralen Schalt- und Steuerzentren des Körpers sind therapeutisch nur sehr schwer oder gar nicht mehr zu entfernen. Depots in Leber oder Niere lassen sich leichter eliminieren.

2. Spannungsfeld Gebiss

Nicht allein der Ionenstrom belastet den Organismus. Zwischen den verschiedenen Metallen im Mund bauen sich auch elektrische Felder auf, die Mundschleimhaut und Kieferknochen aufladen und – aufgrund der Nähe zum Gehirn – das Zentralnervensystem irritieren können.

Wie die Neurologie weiß, arbeiten Nerven und Gehirn mit feinen elektrischen Signalen von etwa 16 Millivolt. Bei Patienten mit einem Metallpotpourri in den Zähnen messen wir nicht selten mehrere hundertfach höhere Mundspannungswerte. Dass solche Hochspannungen die erheblich schwächeren Nervenimpulse gravierend stören können, ist lebhaft vorstellbar. Dies lässt uns auch verstehen, dass die Betroffenen an den unterschiedlichsten Symptomen leiden können. Sie klagen etwa über Kopfschmerzen und Muskelschmerzen, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, rheumatische Beschwerden psych. Veränderungen und vieles mehr. Fast alle Betroffenen sehen keinen Zusammenhang zwischen ihren Problemen und ihren Zähnen. Um so erstaunter sind alle, wenn ihnen klar wird, dass ihre Beschwerden seit dem Zeitpunkt bestehen, an dem sie ihre Kronen oder Prothesen erhielten.

Es zeigt sich, dass die Beschwerden meist verschwinden oder gemildert werden, sobald die Zahnmetalle entfernt sind. Wissenschaftliche Belege für diese Zusammenhänge fehlen noch. Forschungsprojekte an der Universität in Basel sollen mehr Klarheit bringen.

3. Zahnmetalle als Verstärker externer Funkwellen

In unserem modernen Leben kommen wir leider ohne hochfrequente Strahlung nicht mehr aus. Radio, Fernsehen, Satelliten, Militär bombardieren jeden Meter auf dieser Welt mit ihren künstlichen Wellen. Natürliche elektromagnetische Strahlen sind „dank“ der Überlagerung künstlicher kaum noch messbar. Viele vermuten hierdurch eine Gefährdung unserer Gesundheit.

Alle ausziehbaren Metallstäbe, Drähte und spezielle „Schüsseln“ sind gute Antennen für zahlreiche Sender. Diese Erfahrung kann schon jedes Kind mit einem entsprechenden Elektrobaukasten machen. Von Baubiologen wird immer davor gewarnt, sich in unmittelbarer Nähe von Verstärkern oder Geräten mit elektromagnetischer Strahlung aufzuhalten. Doch was passiert im Körper, wenn ein solcher Verstärker als Füllung, Krone oder Implantat direkt im Munde sitzt ?

Ein Beispiel mag dies verdeutlichen: Ein Patient mit jeweils fünf Implantaten (künstlichen Zahnwurzeln aus Titan) auf beiden Seiten des Oberkiefers bemerkte eine zunehmende Pickel- und Pustelbildung auf der rechten Wange in Form eines abgegrenzten etwa fünf Zentimeter breiten Streifens. Weder sein Haus- noch der Hautarzt wussten Rat. Auch rein zahnmedizinisch war keine Ursache für diese Veränderungen festzustellen. Auf gezieltes Befragen erzählte der Mann, dass er als vielreisender Geschäftsmann fast ständig im Auto mit seinem Handy am rechten Ohr telefonierte. Da der Verdacht bestand, dass die Implantate ähnlich einer Antenne die Funkwellen seines Handys verstärken könnten und sich dies vielleicht als Hautreaktion bemerkbar mache, ließ der Patient sofort eine Freisprechanlage in sein Auto installieren und reduzierte seine Funktelefonate auf das allernotwendigste. Schon nach kurzer Zeit verschwanden die Hautentzündungen und traten nicht mehr auf.

Leider sind nicht in allen Fällen derartige Beschwerden einfach durch Eliminierung der äußeren Störfrequenzen behebbar. Vielfach sollte gemeinsam mit dem Zahnarzt die Möglichkeit einer metallfreien Zahnsanierung erwogen werden.

Bis heute ist die Gefahr durch Erwärmung des Gewebes (thermischer Effekt) im Einflussbereich hochfrequenter Strahlen weitgehend erforscht. Derzeit noch nicht nachgewiesen ist jedoch die Gefährdung durch die nicht-thermischen Wirkungen wie im Beispiel oben beschrieben. Die Forschungen hierzu laufen weltweit auf Hochtouren.

Therapeutische Möglichkeiten

Elektrische Vorgänge im Mund können völlig symptomlos ablaufen. Häufig jedoch treten Erscheinungen auf, die gar nicht damit in Zusammenhang gebracht werden. Wir finden bei den Betroffenen Muskel- und Gelenkprobleme fernab des eigentlichen Geschehens. Rheuma, Kopfschmerzen und Rückenschmerzen werden ebenso oft angegeben wie neurologische Erkrankungen. In therapieresistenten Fällen sollten Ärzte ihren Patientinnen und Patienten einmal in den Mund schauen und einen Zahnarzt zu Rate ziehen, der sich mit diesem Thema befast und Mundströme misst. Derartige Messungen sind leicht und schmerzlos durchzuführen und sollten in jedem Falle vorgenommen werden, falls bei Erkrankten Metalle in Zähnen oder Kiefer vorhanden sind.

Heute stehen verträgliche metallfreie Werkstoffe für Zahnsanierungen zur Verfügung. Füllungen, Inlays, Kronen, ja selbst Brücken können dank moderner Keramik und Glasfasern völlig ohne jedes Metall hergestellt werden. Kunststoffe sollte man wegen der allergieauslösenden und möglicherweise krebserregenden Inhaltsstoffe vermeiden.

Wo fehlende Zähne nur durch eine herausnehmbare Prothese zu ersetzen sind, kann noch nicht in allen Fällen auf Zahnmetall verzichtet werden. Hierbei muss man unbedingt darauf achten, dass nur eine einzige hochkarätige Legierung für alles verwendet wird. Nur so lassen sich galvanische Elemente und elektrische Felder vermeiden.

Ăśber die Autorin

Hiltrud Boeger ist niedergelassene Zahnärztin seit 1983, außerdem Mitglied der Akademie für Naturheilkunde in der Zahnmedizin, Bonn, sowie der Gesellschaft für ganzheitliche Zahnmedizin (GZM), Mannheim.

Kommentare

Das könnte interessant sein ...

Ähnliche Beiträge