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Bundestagswahl 2021

Was fordern Sie von der neuen Bundesregierung?

Das antworten Landwirte, Hersteller, Händler und Promis aus der Bio-Szene.

27.08.2021 vonRedaktion

Das antworten Landwirte, Hersteller, Händler und Promis aus der Bio-Szene.

Gesundheit: „Die Krisen hängen zusammen“

„Global ist hier! Corona hat gezeigt: Die Krisen unserer Zeit hängen zusammen. Weder Viren noch CO₂-Moleküle kennen Grenzen – Gesundheit ist global. Wir brauchen leistungsfähige Gesundheitssysteme in allen Ländern. Als Arzt bin ich für mehr Promille! Momentan zahlen wir noch nicht mal ein Promill für gesundheitsbezogene Entwicklungszusammenarbeit. Staaten sollen mindestens ein Promill des Bruttonationaleinkommens zahlen, um den Schwächsten bei Klima- und Gesundheitskrisen zu helfen.“

Eckart von Hirschhausen, Wissenschaftsjournalist, Gründer der Stiftung „Gesunde Erde – Gesunde Menschen“

Artenschutz: „Klimaschutz zahlt sich aus“

„Die Annahme, dass Klima- und Artenschutz nur Kosten verursachen, geht fehl. Im Gegenteil: Je länger die künftige Bundesregierung eine konsequente Klima- und Artenschutzpolitik aufschiebt, desto höher werden die gesellschaftlichen Kosten, die nachfolgende Generationen tragen müssen. Eine entschlossene Klimaschutzpolitik über alle Branchen hinweg zahlt sich schon heute aus: Sie schafft und sichert zukunftsfähige Arbeitsplätze.“

Volker Krause, geschäftsführender Gesellschafter der Bohlsener Mühle

Bildung: „Die satte Mehrheit ins Boot holen“

„Ich wünsche mir von der neuen Bundesregierung ein engagiertes, ehrliches und pragmatisches Vorgehen in Sachen Umwelt und Klimaschutz. Ich wünsche mir, dass wir wieder mehr Bewusstsein für Umwelt, Landwirtschaft und Lebensmittel schaffen, vor allem über Bildung. All diese Probleme sind nur gesamtgesellschaftlich zu lösen und auch nur, wenn wir die noch schlafende, super satte Mehrheit der Gesellschaft, die den Fokus vor allem auf Konsum legt, mit ins Boot holen.“

Lucas Lütke Schwienhorst, Landwirt

Verkehr: „Alternativen zum Auto“

„Klimaschutz bedeutet auch Ausbau attraktiver Alternativen zum Auto. Ich wohne in einer Kreisstadt ohne täglichen Bahnverkehr. Bahngelder des Bundes müssen auch in den ländlichen Raum fließen. Generell müssen die Rahmenbedingungen für Klima-, Naturschutz und ökologischen Landbau verbessert werden. Sie können damit eine Stütze für einen nachhaltigen Wirtschaftsaufschwung sein. Klein- und Mittelbetriebe sollten mehr gefördert werden.“

Thorsten Hensel, Inhaber des Bio-Ladens Wendlandmarkt in Lüchow (Wendland)

Gesellschaft: „Zukunft mutig angehen!“

„Nach der Wahl wünsche ich mir eine zügige Regierungsbildung durch Menschen, die die dringenden Zukunftsthemen mutig und entschlossen angehen. Das heißt, Informationen in die Gesellschaft zu tragen zu Klimawandel, Öko-Landbau, fairem Handel und Naturschutz. Ziel muss eine breite gesellschaftliche Transformation sein. Wo diese notwendigen Veränderung nicht vorankommen, bedarf es entschlossenes, gesetzgebendes Handeln.“

Michael Radau, Vorstandsvorsitzender, SuperBioMarkt AG

Transformation: „Wir fordern eine Transparenzpflicht“

„Die Lebensmittelwirtschaft ist einer der größten Einflussfaktoren auf Klima und Ökosysteme. Sie muss Teil der Lösung sein. Es braucht eine ganzheitliche politische Strategie zur sozial-ökologischen Transformation der Lebensmittelversorgung. Wir fordern eine Transparenzpflicht für Unternehmen und die Einpreisung der externalisierten Kosten, sodass nachhaltiges Unternehmertum nicht nur erkennbar, sondern das neue Normal wird.“

Julius Palm, Director Sustainability & Innovation von Followfood

Klimapolitik : „... nicht mehr reden: machen!“

„Ich fordere von der neuen Bundesregierung, dass sie genauso effizient und sorgfältig mit der Klimapolitik umgeht, wie sie es im Großen und Ganzen mit den Corona-Maßnahmen getan hat. Jetzt nicht mehr debattieren, ob Klimapolitik nötig ist, sondern machen! Die Bundesregierung muss Expertinnen und Experten zuhören und einen Blick auf Gesamt-Deutschland werfen. Raus aus dem politischen Berlin. Rein in die unterschiedlichen Lebensrealitäten.“

Louisa Dellert, Influencerin

Öko-Landbau: „Bio-Mehrwert für die Gesellschaft“

„Für die Zukunft des Öko-Landbaus ist es entscheidend, dass wir „Bio“ klar positionieren. Der Mehrwert, den Bio für unsere Gesellschaft hat, muss klar kommunizierbar sein und für Verbraucher nachvollziehbar bleiben. Als Naturkostfachhändler ist uns daher eine eindeutige Kennzeichnung neuartiger Gentechnik-Verfahren und eine Bio-Tierhaltung als Leitstandard wichtig.“

Michael Sendl, Bio-Markt Verbund

Fairer Handel: „Standards entlang der Lieferkette“

„Lieferketten reichen heutzutage über den gesamten Globus. Doch es profitieren nicht alle Akteure davon. Trotz des Lieferkettengesetzes gibt es weiteren Handlungsbedarf, um Arbeits- und Sozialstandards in Ländern des globalen Südens zu verbessern. Hier steht die neue Bundesregierung in der Pflicht. Viele Unternehmen aus der Bio-Branche, darunter auch Lebensbaum, gehen bereits mit gutem Beispiel voran und zeigen, dass nachhaltiges Handeln entlang der Lieferkette möglich ist.“

Hans-Ulrich Schatz, Lebensbaum Geschäftsführer

Öko-Landbau: „Eine mutige Politik ist nötig“

„In der Zeitenwende braucht es eine mutige Politik für den Umbau. Denn Klima- und Artenkrise, ernährungsbedingte Krankheiten und sterbende Höfe drängen sehr. Hier ein bisschen Tierwohl, da ein freiwilliger Nutri­score: Das ist nur Kosmetik – und die reicht nicht. Es braucht gute Bedingungen für die, die ökologisch und klimafreundlich wirtschaften und konsumieren: mit konsistenter Politik für nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung vom Acker bis zum Teller.“

Felix Prinz zu Löwenstein, BÖLW-Vorsitzender

Gemeinwohl: „Klare, nachhaltige Richtung“

„Es muss ein Struktur- und Wertewandel eingeleitet werden, bei dem alle Aspekte der Nachhaltigkeit integraler Bestandteil sind. Allein eine postfossile Kreislaufwirtschaft wird die Übernutzung der Ressourcen stoppen. Öffentliche Investitionen und Subventionen müssen eine klare, nachhaltige Richtung haben. Dabei sind Bund, Länder und Kommunen selbst richtungsweisende Marktakteure. Regionale, am Gemeinwohl orientierte Wirtschaftsmodelle müssen gefördert werden.“

Kerstin Stromberg, Geschäftsführerin Sodasan Wasch- und Reinigungsmittel GmbH

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