Leben

Fashion Revolution: Mode neu denken

Die weltweite Initiative Fashion Revolution will die Modeindustrie verändern. Warum dabei ausgerechnet Bibliotheken eine wichtige Rolle spielen.

Wer an die Zukunft unserer Kleidung denkt, hat vermutlich Laufstege, Designer:innen oder Onlineshops vor Augen. Carina Bischof denkt an Bibliotheken.
Dort, zwischen Bücherregalen und Lesetischen, entstehen neuerdings Kleidertausch-Ecken und Nähwerkstätten. Orte, an denen Menschen lernen, ihre Kleidung länger zu nutzen. Carina Bischof ist selbst Modedesignerin, hat nachhaltige Modemessen mit aufgebaut, einen eigenen Laden geführt und Upcycling-Netzwerke organisiert. Als die globale Bewegung Fashion Revolution nach dem Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch 2013 entstand, passte ihre Botschaft perfekt zu dem, was die Berlinerin ohnehin umtrieb: Mode darf nicht auf Kosten von Menschen und Umwelt entstehen. 

#WhoMadeMyClothes

Die Gründerinnen der globalen Bewegung wollten die oft unsichtbaren Folgen des Modekonsums sichtbar machen. Sie starteten als digitale Bewegung mit dem Hashtag #WhoMadeMyClothes. Die Idee war ebenso simpel wie wirkungsvoll: Kleidung auf links drehen, das Etikett fotografieren und die Marke öffentlich fragen, wer das Kleidungsstück hergestellt hat. Plötzlich mussten Unternehmen Antworten liefern. „Diese einfache Frage hat bei vielen Labels etwas ausgelöst“, sagt Carina Bischof. Transparenz wurde zum Thema. 

Ein T-Shirt für 2 Euro: Kaufst du?

Inzwischen geht es nicht nur um Kritik an der Modeindustrie. Fashion Revolution Germany setzt vor allem auf Aufklärung, Austausch und konkrete Alternativen. Besonders erfolgreich war der „2-Euro-T-Shirt-Automat“ auf dem Berliner Alexanderplatz. Passant:innen konnten ein T-Shirt für zwei Euro kaufen – nachdem ein Video zeigte, unter welchen Bedingungen solche Billigware produziert wird. Mehr als neun Millionen Menschen sahen die Aktion online.

Doch die eigentliche Stärke der Initiative liegt in Begegnungen. „Wir wollen zeigen, dass Mode auch anders funktionieren kann“, sagt Bischof. „Secondhand, tauschen oder reparieren sind keine Einschränkung, sondern neue Möglichkeiten, Mode zu erleben.“ Statt immer neue Kleidung zu kaufen, rückt die Initiative das in den Mittelpunkt, was bereits vorhanden ist. „Wenn wir heute aufhören würden, Kleidung herzustellen, hätten wir trotzdem noch genug für die nächsten sechs Generationen“, sagt die Modedesignerin.

„Tauschen oder Reparieren sind neue Möglichkeiten, Mode zu erleben“.

Carina Bischof

Auch politisch will Fashion Revolution stärker mitreden. Ob Herstellerverantwortung, Greenwashing oder neue EU-Regeln für Textilien: Die Stimme der Verbraucher:innen soll gehört werden. Auch hier sind persönliche Gespräche am fruchtbarsten. Besonders viel Hoffnung setzt Carina Bischof auf die junge Generation. Wer früh versteht, welche Folgen Konsum hat, trifft später bewusstere Entscheidungen, findet sie. Und freut sich, dass bei Veranstaltungen immer wieder Jugendliche wie selbstverständlich reparieren und upcyceln. Im EU-Projekt „make-a-thek“ verbinden die neuen Makerspaces handwerkliches Wissen, Kreativität und Nachhaltigkeit in Bibliotheken. Manchmal beginnt Veränderung eben nicht auf dem Laufsteg, sondern zwischen Bücherregalen.

Fashion Revolution Germany Logo

Fashion Revolution setzt sich für faire Arbeitsbedingungen, transparente Lieferketten und  umweltgerechte Produktion in der Modebranche ein. In Deutschland gibt es in rund 30 Städten Kleidertauschpartys und Workshops. Außerdem bietet die Initiative eine leihbare Miniausstellung und Unterrichtsmaterialien an. fashionrevolutiongermany.de

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