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Edelsteintherapie

Edelsteine können allenfalls dann die erhofften Heilwirkungen entfalten, wenn sie echt und unbehandelt sind. Die Realität sieht jedoch anders aus. Die wachsende Nachfrage rief auch die Fälscher auf den Plan, fast 80 Prozent aller verkauften Sorten sind inzwischen von Manipulationen betroffen.
01.07.1999
Edelsteine können allenfalls dann die erhofften Heilwirkungen entfalten, wenn sie echt und unbehandelt sind. Die Realität sieht jedoch anders aus. Die wachsende Nachfrage rief auch die Fälscher auf den Plan, fast 80 Prozent aller verkauften Sorten sind inzwischen von Manipulationen betroffen.

Die hohe Kunst der Fälschung

Bestrahlung von Steinen ist immer noch ein Tabu-Thema

Edelsteine können allenfalls dann die erhofften Heilwirkungen entfalten, wenn sie echt und unbehandelt sind. Die Realität sieht jedoch anders aus. Die wachsende Nachfrage rief auch die Fälscher auf den Plan, fast 80 Prozent aller verkauften Sorten sind inzwischen von Manipulationen betroffen. Während der Mineralienhandel die verkaufshemmenden Tatsachen lieber verschweigt, hat der Steinheilkunde e.V. schon vor zwei Jahren den Diplom-Mineralogen und Gemmologen (Edelsteinkundler) Bernhard Bruder beauftragt, eine Aufklärungsbroschüre zu verfassen. Die Schrift mit dem Titel "Es ist nicht alles Gold, was glänzt" stieß in der Branche auf wenig Gegenliebe, umso mehr aber beim kritischen Verbraucher. Auch um diesen zu unterstützen, gründete Bruder das unabhängige Institut für Edelsteinprüfung (EPI), das fachmännische Analysen zu erschwinglichen Preisen anbietet. In seinem neuen Buch über "Geschönte Steine" hat Bruder den gegenwärtigen Wissensstand für jedermann verständlich zusammengefaßt.

Die Fälschungstechniken wurden mittlerweile soweit perfektioniert, daß sie mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind. Auch Imitationen, so Bruder, "können wunderschön sein". Um Risse zu verbergen, werden Edelsteine mit Tier-, Pflanzen- oder auch Maschinenöl eingerieben. Dies ist ebensowenig deklarationspflichtig wie das Paraffinieren (Wachsen), das den Oberflächenglanz undurchsichtiger Steine verbessern soll. Imprägnierungen mit Kunstharz zur Stabilisierung brüchiger Steine sind dagegen anzeigepflichtig. Dies gilt auch für Rekonstruktionen, das neue Zusammenfügen täuschend echt aussehender Steine aus pulverisiertem Abfallmaterial oder Schleifstaub. Beim transparenten Bernstein sind Rekonstruktionen (Handelsname: "Echt Bernstein") sehr verbreitet.

Auch das Färben ist gang und gäbe, etwa beim Achat, den man in Farblösung kocht und so komplett durchfärbt. Hitzebehandlungen ("Brennen") lassen sich mikroskopisch nachweisen. Ein "Tabu-Thema" (Bruder) ist die Bestrahlung mit Gamma-, Röntgen oder UV-Strahlen, die in einigen Mineralien starke Farbveränderungen bewirkt. Offiziell zugegeben wird nur die Bestrahlung des Blautopas, der nach Neutronenbeschuß eine radioaktive Reststrahlung aufweist. Auf die meisten anderen Steine trifft dies zum Glück nicht zu.

Manipulierte Steine sind rein stofflich gesehen immerhin noch "echt". Doch auch synthetische Edelsteine kommen immer mehr in Mode und gleichen dem natürlichen Vorbild fast aufs Haar. Selbst typische Einschlußbilder kann man künstlich nachahmen. Imitationen aus Keramik oder festen chemischen Verbindungen sind für Fachleute schon leichter zu identifizieren. Beim Blick durchs Mikroskop entpuppt sich der vermeintliche Smaragd schnell als grün gefärbtes Glas.

Während früher nur teure Edelsteine gefälscht wurden, sind heute auch Billigangebote wie Splitterketten oder Donut-Anhänger von Manipulationen betroffen. Michelle Zeuner-Mayer, Mitglied des Steinheilkunde e.V., sieht als Beschäftigte in einem Naturkostladen im Thema "Echtheit" eine besondere Herausforderung. Etwa jeder dritte Bioladen verdient sich nach Zeuner-Mayers Recherchen mit dem Randsortiment Edelsteine ein kleines Zubrot. Zeuner-Mayer rät, Anbieter und Zwischenhändler mit kritischen Fragen zu konfrontieren und auf der gesetzlichen Deklarationspflicht zu beharren. Am besten lasse man sich schriftlich bestätigen, daß der erworbene Stein erstens echt sei und zweitens unbehandelt.

Hans Krautstein

Literatur zum Thema

  • Bernhard Bruder: Geschönte Steine, Neue Erde Verlag, Saarbrücken 1998, 109 Seiten, DM 28,-.
  • Michael Gienger: Die Steinheilkunde, Neue Erde Verlag, Saarbrücken 1995, 416 Seiten, DM 39,80.
  • Dietmar Krämer: Esoterische Therapien 1, Ansata Verlag, Bern 1995, 321 Seiten, DM 46,-.
  • Barbara Newerla: Sterne und Steine, Osterholz Verlag, Ludwigsburg 1995, 172 Seiten, DM 29,80.

Adressen

  • Cairn Elen, Lebensschule und Steinheilkunde-Netzwerk, Unterreithen 15, 87642 Halblech, Telefon//Fax 08368-93131.
  • Institut für Edelsteinprüfung (EPI), Riesenwaldstraße 6, 77797 Ohlsbach, Telefon 07803-600808, Fax 600809.
  • Steinheilkunde e.V., Geschäftsstelle, Ludwig-Thoma-Straße 26, 82178 Puchheim, Telefon/Fax 089-89027111.

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