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Leben

Die Zecken kommen

Die Welt wird wärmer und davon profitieren Zecken. Wir erklären, wie ihr euch vor den Blutsaugern schützen könnt.

17.07.2020 vonAstrid Wahrenberg

Sie überstehen eine Maschinenwäsche bei 40 Grad, drei Wochen unter Wasser und Jahre ohne Nahrung – Zecken sind hart im Nehmen. Wenn es kalt wird, verkriechen sich die kleinen Plagegeister in eine Laubschicht oder ein Mäusenest. Steigen die Temperaturen an mehreren Tagen in Folge auf über sieben Grad Celsius, krabbeln sie aus ihrem Versteck und legen sich wieder auf die Lauer. Das beobachten Wissenschaftler inzwischen mitten im kalendarischen Winter, etwa an milden Dezembertagen, von denen es im Jahr 2019 etliche gab. „Der Klimawandel hat die Zecke in Deutschland zu einem quasi ganzjährig aktiven Tier gemacht“, sagte die Parasitologin Professor Dr. Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim schon im Jahr 2016 auf einem Kongress zum Thema Zecken.

Hierzulande haben wir es meist mit dem gemeinen Holzbock zu tun. Seine Beute erkennt das Spinnentier anhand von Wärme, Geruch und ausgeatmetem Kohlendioxid. Im geeigneten Moment lässt sich die Zecke von Grashalmen oder Büschen abstreifen und sticht zu. Weil Zecken den Menschen mit krankmachenden Bakterien und Viren infizieren können, sind sie ein Problem für Mensch und Tier.

Risikogebiete für Meningoenzephalitis und Borreliose

Zu den möglichen Erkrankungen zählen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Borreliose. Gegen die von Viren ausgelöste FSME empfiehlt die Ständige Impfkommission allen, die in Risikogebieten leben oder dort hinreisen, eine Schutzimpfung. Risikogebiete befinden sich vor allem in Süddeutschland, die nördlichste FSME-Risikoregion ist das Emsland.

2018 erhielt das Robert-Koch-Institut 583 FSME-Krankheitsmeldungen, rund 20 Prozent mehr als 2017. Typisch sind grippeähnliche Symptome. Klingen sie ab, kommt es bei manchen Patienten erneut zu Beschwerden und im schlimmsten Fall zu einer Entzündung des Gehirns, der Hirnhäute oder des Rückenmarks. Die meisten FSME-Infektionen verlaufen jedoch ohne sichtbare oder mit milden Symptomen.

Etwas größer ist die Gefahr, sich mit Borreliose zu infizieren. Schätzungsweise 30 Prozent der Zecken in Deutschland tragen diesen Erreger. Allerdings entwickeln nur 1,4 Prozent der Betroffenen nach dem Zeckenstich Beschwerden. Typisch ist die sogenannte Wanderröte, eine ringförmige Rötung um den Zeckenstich. Frühzeitig mit Antibiotika behandelt, heilt die Borreliose meist gut aus.

Tropenzecke überwintert in Deutschland

Von der globalen Erderwärmung profitieren nicht nur unsere heimischen Zecken, sondern auch neue Arten, wie die aus Südeuropa und Asien stammende Hyalomma-Zecke. Sie kommt mit Zugvögeln nach Deutschland und soll 2019 aufgrund günstiger klimatischer Bedingungen erstmals hier überwintert haben. Diese Zecke mit auffällig gebänderten Beinen ist etwa dreimal so groß wie der heimische Holzbock. Sie kann sehen und jagt aktiv. Sie verfolgt große Säugetiere wie Pferde, Schafe, Rinder und auch Menschen hunderte Meter weit. Sie kann unter anderem Fleckfieber übertragen, das sich mit Hautausschlag, Kopf- und Gelenkschmerzen bemerkbar macht und das mit Antibiotika behandelt werden muss.

Wer Zecken aus dem Weg gehen möchte, meidet Waldränder, Unterholz, hohes Gras und Büsche. Eine gute Prophylaxe ist lange Kleidung sowie geschlossene Schuhe und die Socken über die Hosenbeine zu ziehen. Repellents – zu Deutsch Vergrämungsmittel – setzen auf eine Abwehr der Blutsauger mittels Duft. In den Sprays und Lotionen kommt häufig der Wirkstoff DEET (Diethyltoluamid) zum Einsatz. Er kann Haut und Augen reizen und Krampfanfälle auslösen. Andere Zeckenabwehrmittel enthalten den chemisch-synthetischen Stoff Icaridin. Er gilt als besser verträglich, kann aber für Überempfindlichkeitsreaktionen und Nasenbluten verantwortlich sein.

Akribisch nach Zecken absuchen

In Produkten aus dem Bio-Laden sind diese Substanzen tabu. Die Hersteller setzen oft auf einen Duft-Wirkstoff aus den Blättern des Zitronen-Eukalyptusbaums oder einen Mix ätherischer Öle. Ein beliebtes Hausmittel ist Kokosöl, womit die bloße Haut eingerieben wird. Den Duft der darin enthaltenen Laurinsäure mögen Zecken nicht. Gute Erfahrungen machen manche auch mit Schwarzkümmelöl. Wissenschaftliche Studien dazu gibt es nicht. Grundsätzlich gilt für alle Repellents: Einen 100 Prozent verlässlichen Schutz gibt es nicht.

Daher ist es wichtig, sich nach dem Aufenthalt in Wald und Flur immer akribisch abzusuchen. Mit etwas Glück krabbelt die Zecke noch auf der Haut. Hat sie sich festgesetzt, zählt der Faktor Zeit: Zwar wird das FSME-Virus sofort übertragen, das Infektionsrisiko für Borrelien steigt jedoch erst nach zwölf Stunden.

Geeignete Hilfsmittel, um Zecken zu entfernen, gibt es in jedem Drogeriegeschäft.

Zecken richtig entfernen

  • Nicht herausdrehen, kein Öl, Klebstoff oder Nagellackentferner auf die Zecke träufeln. Das bringt nichts und erhöht die Gefahr der Übertragung von Krankheitserregern.
  • Geeignete Hilfsmittel sind Zeckenzange und Zeckenpinzette. Die Zecke damit so hautnah wie möglich erfassen und senkrecht herausziehen.
  • So funktioniert es mit der Zeckenkarte: Die V-förmige Aussparung unter die Zecke führen. Die Karte nach vorne und oben führen, um die Zecke herauszuziehen.
  • Die Einstichstelle für ein paar Tage beobachten. Tritt eine sich ausweitende Rötung auf oder grippeähnliche Symptome, den Arzt aufsuchen.

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