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Wie öko sind Jeans aus Bio-Baumwolle?

Ob high waist, straight oder skinny: Sie ist die beliebteste Hose der Welt und zugleich eine der größten textilen Umweltsünden. Geht Jeans auch umweltfreundlich?

27.07.2020 vonSvenja Klassert

Ob high waist, straight oder skinny: Sie ist die beliebteste Hose der Welt und zugleich eine der größten textilen Umweltsünden. Geht Jeans auch umweltfreundlich?

Einst Arbeitsbekleidung für Farmer oder Eisenbahnleute in Nordamerika, war die Jeans ein strapazierfähiges und ziemlich nachhaltiges Kleidungsstück. Gut 160 Jahre nach ihrer Erfindung ist sie das Gegenteil: ein Massen- und Wegwerfprodukt, dessen Herstellung Menschen ausbeutet und die Umwelt zerstört.

Sechs Milliarden Jeans werden jährlich produziert. Der größte Teil in China, Bangladesch und anderen asiatischen Ländern, in denen der Schutz von Arbeitern und Umwelt oft vernachlässigt wird. Ein großes Problem sind die Farben und Chemikalien, die dem Kleidungsstück sein charakteristisches Aussehen geben. An allen Stellen der Produktion können die Arbeiter damit in Kontakt kommen, sowohl über die Haut als auch über die Atemwege. Danach gelangen die Gifte oft noch immer ungefiltert über das Abwasser in die Natur. „In China sagt man, die Modefarben der Saison erkennt man an den Farben der Flüsse,“ kommentiert Viola Wohlgemut, Chemie-Kampaignerin bei Greenpeace. Auch der Wasserverbrauch ist bei vielen Herstellern enorm: je nach Anbaugebiet und -art bis zu mehrere Tausend Liter pro Hose. Aber es geht auch anders.

Wo kommt die Bio-Baumwolle her?

Ein Vorreiter in Sachen Öko-Mode ist Reinhard Maas. Seine Jeans lässt er in der Türkei herstellen. In der Stadt Izmir und im Umkreis von 150 Kilometern finden alle Produktionsschritte statt. „Dort wird die Bio-Baumwolle angebaut, das Garn gesponnen, das Denim gewebt und schließlich werden daraus die Hosen genäht. Die Produktion wird stetig kontrolliert, eine Mitarbeiterin wohnt sogar vor Ort und besucht die Produktionsstätten fast täglich“, erzählt Reinhard Maas. Auch die Einkäufer seien immer wieder vor Ort und er komme zweimal im Jahr persönlich vorbei.

Grüne Marken: Diese Hersteller produzieren Öko-Jeans

Wie wassersparend werden Bio-Jeans hergestellt?

Nach dem Nähen müssen die Jeans zur „Veredelung“. So nennt man den Vorgang, durch den die Jeans ihr finales Aussehen erhalten, zum Beispiel eine verwaschene Optik. Das funktioniert bei der Firma Maas nach eigenen Angaben wassersparend und chemiefrei: mechanisch, mit Laser oder Ozon. Laut Maas’ Hersteller in der Türkei wird beim mechanischen Waschen mit Steinen pro Maschinenladung mit 100 Hosen nur ein Achtel Liter Wasser pro Jeans verbraucht. Konventionell produzierte Jeans hingegen müssen meist mehrmals gewaschen werden, um die Gerüche der Chemikalien loszuwerden und um die Grenzwerte für Schadstoffe einzuhalten.

Auch beim Bio-Baumwollanbau geht es für Maas-Jeans wassersparend zu, sagt Elisabeth Müller-Lumbsch aus der Qualitätssicherung auf Nachfrage. Es werde kein extra Wasser verbraucht, der Regen reiche den Pflanzen – dafür werde nur einmal im Jahr geerntet, auf den konventionell mit Düngern und Pestiziden bewirtschafteten Feldern hingegen dreimal

Andere Naturmode-Hersteller achten ebenfalls auf den Wasserverbrauch. Armedangels erklärt, bei der Produktion seines Denims 40 Prozent Wasser einzusparen. Auch hier werde die Baumwolle chemiefrei angebaut und veredelt. Die Fertigung fände in Tunesien statt. Die Modemarke Bleed produziert ihre Bio-Jeans an verschiedenen Orten: ein Modell kommt aus Tunesien, eins aus Portugal und neuerdings eins aus Deutschland, so Bleed. Der Stoff werde in einer Weberei vor Ort gefertigt, genäht werde im Emsland. Zu kaufen gibt es die Hose laut Bleed nur direkt am Firmensitz im fränkischen Helmbrechts. Zu Zeiten des boomenden Online-Handels wolle man damit ein Zeichen setzen, „zurück zur Regionalität“ und Aufmerksamkeit für den Einzelhandel schaffen.

Was heißt eigentlich GOTS-zertifiziert?

Die drei vorgestellten Unternehmen Armedangels, Bleed und Maas sind GOTS-zertifiziert. Der Global Organic Textile Standard (GOTS) definiert umwelttechnische Anforderungen und Sozialkriterien entlang der gesamten textilen Produktionskette, also von der Gewinnung der Fasern bis hin zur Fertigung der Produkte. Ziel ist es, die nachhaltige Herstellung von Textilien zu gewährleisten, dadurch die Umwelt zu schonen, Arbeiter vor Ausbeutung zu schützen und den Verbrauchern Produktsicherheit zu bieten. Die Sozialkriterien beinhalten beispielsweise das Verbot von Kinderarbeit und geregelte Arbeitszeiten. Die Umweltstandards fordern unter anderem die Reinigung der Abwässer sämtlicher Nassveredelungsbetriebe durch eine funktionelle interne oder externe Kläranlage, bevor sie in die Natur geleitet werden. Formaldehyde, Pestizide, Weichmacher und andere schädliche Chemikalien sind verboten. Alle Standards werden regelmäßig von unabhängigen, speziell akkreditierten Instituten überprüft.

Wie pflege ich Öko-Jeans richtig?

Zertifizierte Jeans zu kaufen ist ein erster guter Schritt. Wer auf Nachhaltigkeit Wert legt, sollte sich aber auch darum kümmern, dass sie lange halten. Gerade für Jeans gibt es da einige gute Tipps: Die Hosen möglichst selten und niemals mit Weichspüler waschen oder maschinell trocknen. Das schont Stoff und Umwelt. Viele Experten empfehlen sogar, Jeans überhaupt nicht zu waschen und sie stattdessen zur Geruchsneutralisierung ins Gefrierfach zu legen. Das funktioniere aber nur bei Modellen ohne Elasthan. Außerdem sollten Jeans immer auf links gewaschen und die Reißverschlüsse davor geschlossen werden. Das schont den Reißverschluss und verhindert, dass andere Teile in der Maschine beschädigt werden. So hält die Bio-Jeans richtig lange – und was lange hält, spart Ressourcen und ist gut für die Umwelt.

Öko-Jeans-Tipps: So geht es noch nachhaltiger

  • Bewusst kaufen: Das klingt einfacher als es ist – mindestens zweimal überlegen, ob man die neue Jeans wirklich braucht, ob sie richtig sitzt und ob sie zur restlichen Garderobe passt.
  • Secondhand kaufen: Wer keinen Laden in der Nähe hat, kann sich im Familien- und Freundeskreis umhören. Auch auf Flohmärkten und Online-Plattformen wie Kleiderkreisel sind Glücksfunde möglich.
  • Selbst reparieren: Ob Riss am Knie oder ein kaputter Reißverschluss – im Internet findet sich für alles eine Anleitung oder man holt sich Rat bei einem Repair Café.
  • Reparieren lassen: Manche Schneidereien sind auf Jeans spezialisiert, wie „Jeans-Doktor“ Tajana Gali aus Waiblingen. Sie flickt Hosen, die andere längst aufgegeben hätten so gut, dass sie täglich mehrere Päckchen aus ganz Deutschland erhält.

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