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Babycremes

Babyhaut ist sehr empfindlich. Schließlich ist sie bis zu fünfmal dünner als die Haut von Erwachsenen und kann ihre Schutzfunktion noch nicht voll erfüllen. Umso wichtiger ist die Qualität der Produkte, die wir an diese Haut lassen.
01.04.2002
Babyhaut ist sehr empfindlich. Schließlich ist sie bis zu fünfmal dünner als die Haut von Erwachsenen und kann ihre Schutzfunktion noch nicht voll erfüllen. Umso wichtiger ist die Qualität der Produkte, die wir an diese Haut lassen.

Natürlich zart

Babyhaut ist sehr empfindlich. Schließlich ist sie bis zu fünfmal dünner als die Haut von Erwachsenen und kann ihre Schutzfunktion noch nicht voll erfüllen. Umso wichtiger ist die Qualität der Produkte, die wir an diese Haut lassen.

Für Babypflege gilt der Grundsatz „Weniger ist mehr“. Denn die Haut der Babys hat ihr Gleichgewicht noch nicht gefunden. Die Talg- und Schweißdrüsen arbeiten noch auf Sparflamme. Deshalb wird die Fettschicht nur langsam erneuert und auch die Temperaturregelung funktioniert noch nicht richtig. Tägliches Baden, bei dem die Fettschicht abgewaschen wird, bringt Babyhaut ebenso durcheinander wie dauerndes Eincremen, das den Talgdrüsen die Arbeit abnimmt. Dennoch sind Babycremes wichtig: als Pflege für wunde Haut und zum Schutz des Gesichts vor Wind und Wetter.

Pflege durch natürliche Fette. Zum Alltag auf dem Wickeltisch gehört ein wunder Po, denn dort wird die Haut besonders beansprucht. Das feuchtwarme Klima in wasserdichten Windeln ist ein guter Nährboden für Bakterien und weicht zudem die Haut auf. Als Reaktion auf diese Belastung wird die zarte Haut manchmal flammend rot. Eine Creme, die hier helfen soll, braucht zweierlei: eine verträgliche, die Haut pflegende Grundlage sowie Zutaten, die der Entzündung oder Reizung entgegenwirken. Die Produzenten von Naturkosmetik achten bei ihren Babycremes auf möglichst hautverträgliche, nicht irritierende Zutaten. Künstliche Fette auf Erdölbasis, die sich immer noch in zahlreichen konventionellen Produkten finden, kommen nicht in Tube und Tiegel. Denn sie bilden einen dichten Film auf der Haut, der den Feuchtigkeitsausgleich behindert. Basis der Naturkosmetik-Cremes sind natürliche Öle, Fette und Wachse, die möglichst aus ökologischem Anbau stammen. Gängige Grundlagen sind Palm-, Soja- oder Erdnussöl und deren Verarbeitungsprodukte. Als wertvoller und besonders hautpflegend gelten Mandel- und Jojobaöl sowie das feuchtigkeitshaltende Fett aus den Nüssen des Sheabutterbaumes. Die feste Sheabutter wird bei Körperwärme flüssig und wegen ihrer reizlindernden Wirkung oft bei allergischen Hauterkrankungen empfohlen. Auch Bienenwachs ist sehr gut hautverträglich und zudem antibakteriell wirksam. In einigen Cremes findet sich Wollwachs, auch Lanolin genannt. Dieses Fett wird von den Talgdrüsen der Schafe produziert, um die Wollfaser vor Nässe zu schützen und fällt beim Waschen der abgeschnittenen Wolle an. Babys Haut profitiert von der nicht-reizenden, pflegenden Wirkung. Das in älteren Veröffentlichungen öfter genannte allergische Potenzial von Lanolin hat sich in neueren Untersuchungen nicht bestätigt. Drastisch reduziert wurden auch die früher gemessenen Pestizidgehalte in konventionell gewonnenem Lanolin.

Vom Fett zur Creme. Die Öle oder Fette werden mit Wasser zu einer Emulsion vermischt. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten. Wird das Wasser mikroskopisch fein im Öl verteilt, entsteht eine Wasser-in-Öl-Emulsion. Sie lässt nach dem Einziehen

auf der Haut einen schützenden und dennoch atmungsaktiven Film zurück, der die Feuchtigkeit in den obersten Hautschichten hält. Gleichzeitig ist das Wasser in der Creme durch das umgebende Öl vor schneller Verdunstung geschützt. Damit sich Öl und Wasser gut miteinander vermischen, braucht man für eine geschmeidige Creme einen Emulgator. Im Unterschied zu den gehaltvolleren Cremes mit einem höheren Öl-Anteil, wo natürliche Wachse, wie Bienenwachs oder Wollwachs, ausreichen, werden bei den Öl-in-Wasser-Emulsionen meist fünf bis zehn Prozent künstlicher Emulgator zugemischt. Emulgatoren auf der Basis von Polyethylenglykol (PEG) werden bei Naturkosmetik nicht eingesetzt. Denn sie stehen im Verdacht, die Haut durchlässiger für Schadstoffe zu machen.

Heilkräfte der Natur. Was die wundheilende Wirkung angeht, ist Calendula, die satt orange blühende Ringelblume, für die meisten Hersteller die Pflanze der Wahl. Ihre entgiftende und heilende Wirkung lobte schon Hildegard von Bingen. Chemiker haben in den Blüten eine Reihe von Stoffen gefunden, die Bakterien und Pilze hemmen. Als besonders wirkungsvolles Verfahren um die Inhaltsstoffe zu gewinnen, gilt die Mazeration. Dabei werden die Blüten mehrere Wochen in Öl eingelegt und in geschlossenen Glasbehältern der Sonne ausgesetzt. Auch andere Arzneipflanzen mit heilender, antibakterieller oder hautberuhigender Wirkung finden sich in Babycremes, etwa Extrakte aus Kamille, Schafgarbe oder Johanniskraut. Das zur Sonnenwende gelb blühende Johanniskraut hilft nicht nur bei Depressionen, sondern sein rotes ätherisches Öl wird schon seit dem Altertum eingesetzt, um Verbrennungen, Schürfwunden und andere Verletzungen der Haut zu heilen. Süßholzwurzel, Sanddornöl und Teebaum-öl gehören ebenfalls zu den Bestandteilen einzelner Rezepturen. Ein mineralischer Wirkstoff gegen Bakterien, der sich in einigen Cremes findet, ist Zinkoxid.

Dem Verzehr von Nachtkerzenöl in Kapseln wird wegen des hohen Gehalts an Gamma-Linolensäure eine lindernde Wirkung bei Neurodermitis nachgesagt. Ob das Öl in kleinen Mengen in Cremes ebenfalls hilft, ist offen.

Zum Schutz der Haut. In Babycremes, die nicht der Pflege empfindlicher oder wunder Haut, sondern mehr dem Schutz des Gesichts vor Wind und Wetter dienen, spielen die Heilkräuter keine so große Rolle. Diese Cremes sind meist etwas fetter. Um zu verhindern, dass sich in einem einmal geöffneten Creme-Tiegel Bakterien breit machen, muss die Creme haltbar gemacht werden. Auf chemisch-synthetische Konservierungsmittel, wie sie in konventionellen Produkten üblich sind, verzichtet die Naturkosmetik. Sie greift zu antibakteriell wirkenden ätherischen Ölen und verwendet Vitamin C, E oder Levulinsäure als Oxidationsschutz. Auch Enzyme, zum Beispiel Glucose-Oxidase, binden freien Sauerstoff und dienen so der Haltbarmachung.

Eine Sache der Einstellung. Ob eine Babycreme mit fünf oder sechs Zutaten auskommt oder die Rezeptur 25 einzelne Substanzen enthält, hängt von der Philosophie des Herstellers ab. Manche setzen auf einzelne Öle und Wirkstoffe, andere komponieren ein Produkt aus vielen Zutaten mit ähnlicher Wirkung. Ebenfalls eine Frage der Einstellung ist es, ob stark verarbeitete Substanzen eingesetzt werden, deren Ursprung zwar pflanzlich ist, die aber zahlreiche chemische Umwandlungen hinter sich haben. Manche Hersteller kommen auch mit wenigen weitgehend naturbelassenen Zutaten aus.

Unterschiede gibt es zudem beim Einsatz von Zutaten aus ökologischem Anbau. Das Label „kontrollierte Naturkosmetik“ des Bundesverbandes Deutscher Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren und Körperpflegemittel (BDIH), das die meisten Baby-Cremes tragen, schreibt für einige Zutaten Bio-Qualität verpflichtend vor. Dazu gehören Ringelblume, Kamille sowie Oliven-, Sesam-, Soja- und Sonnenblumenöl.

Leo Frühschütz


Hilfe für die kranke Haut

Nicht jeder juckende Ausschlag muss gleich eine Neurodermitis sein. Auch Nahrungsmittel, die der Organismus nicht verträgt oder nicht gewohnt ist, können zu Pickeln und anderen allergischen Erscheinungen führen. Da genügt es manchmal schon, wenn die stillende Mutter ein Glas Orangensaft trinkt und die Babyhaut darauf sauer reagiert. Den Besuch bei einem Arzt oder Heilpraktiker bei anhaltenden Beschwerden kann auch eine Naturkosmetik-Creme nicht ersetzen. Sie lindert nur die Symptome.

Bei Hauterkrankungen ist der Verzicht auf Duft- und andere möglicherweise die Haut reizende Stoffe, etwa Alkohol, besonders wichtig. Auch natürliche ätherische Öle können da ein Problem sein. Viele Naturkost-Hersteller verzichten deshalb völlig darauf, Babycremes zu parfümieren. Die Creme sollte nicht zu dick und zu oft aufgetragen werden, sonst hindert die Fettschicht die Haut am Atmen. Bei trockener, schuppiger Haut sind stark fetthaltige Produkte günstiger. Leichte Cremes eignen sich eher bei Rötung, frisch aufgetretener Entzündung und Juckreiz. Aus der Deklaration ist der Wasseranteil einer Creme allerdings nicht erkennbar.

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