Kosmetik

Waschnüsse in der Naturkosmetik

Waschaktive Substanzen in der Schale machen sie zu einem wertvollen Rohstoff für die Öko-Wäsche und zur Körper- und Haarpflege. Alles über die Nutzung und sozial gerechte Ernte.

Astrid Wahrenberg
Astrid Wahrenberg

Was können Waschnüsse?

Waschnüsse, die Früchte des Waschnussbaums, werden in der Naturkosmetik immer beliebter. Ihre Schalen enthalten sogenannte Saponine, die zusammen mit Wasser eine seifenartige Lösung ergeben. In Indien waschen die Menschen Haut, Haare und Kleidung seit Jahrhunderten mit dem Sud der Nüsse. Sie kennen sich deshalb mit den klebrigen Früchten des Seifenbaums gut aus, die sie im Herbst ernten und trocknen.

Sie sind eine ökologische Alternative zu konventionellem Waschmittel, umweltschonend und biologisch abbaubar. Besonders Allergiker profitieren davon, dass sie keinerlei chemische Stoffe enthalten. Auch für Naturkosmetik-Produkte für Haare und Körper kommen die Schalen der Waschnüsse zum Einsatz.

Tipps fürs Waschen mit Waschnüssen

  • Eine Handvoll Schalen in einem kleinen Säckchen mit in die Waschtrommel geben – geeignet für jede Wäsche, außer bei starken Flecken, weißer Wäsche (Waschnüsse können sie vergrauen) oder sehr hartem Wasser
  • Waschnüsse entfalten ihre Wirkung in der Wäsche, egal welche Temperatur ihr für den Waschgang nutzt
  • Bei 30°C-Waschgang könnt ihr sie wiederverwenden
  • Wer duftende Wäsche mag, hilft sich mit ein paar Tropfen natürlichem Bio-Öl
  • Die Reste kommen auf den Kompost oder in die Bio-Tonne

Wie nachhaltig sind Waschnüsse? Wie können sie sozial verantwortungsvoll geernet werden?

Diese Frage stellte sich auch der österreichische Unternehmer Silvio Perpmer, als er 2005 die nordindische Stadt Shimla besuchte: „Ich war auf der Suche nach einer Quelle für Waschnüsse.“ Damals stellte er noch ökologische Waschmittel und Reinigungsmittel her. 2008 gründete er dann die Naturkosmetik-Firma Eliah Sahil. Für die Marke ist Waschnuss-Pulver der Rohstoff für die nachhaltigen, wasserfreien Duschpulver und Pulvershampoos, deren Rezepturen Perpmer selbst entwickelt hat. Aus den Samen gewinnt das Unternehmen zudem ein hochwertiges Öl als Basis für ein Zahnpflege-Produkt.

Von Anfang an war für Perpmer klar, dass er die Waschnüsse nicht über Großhändler, sondern direkt von den Bauern kaufen wollte, und das unter fairen Bedingungen. „Die Nachfrage nach Waschnüssen explodierte Anfang der 2000er-Jahre. Das war ein richtiger Hype und mir war auch wichtig, dass die Umwelt dafür nicht zerstört wird und die Nüsse nicht aus Monokulturen kommen.“

Heimische Alternative: Waschen mit Sud aus Rosskastanien

Auch einen Versuch wert: Waschen mit Rosskastanien. Dafür müsst ihr die Kastanien im Herbst komplett durchtrocknen und pro Wäsche einen Sud ansetzen: Zerkleinert eine Handvoll Kastanien, füllt sie in ein Schraubglas und gießt das Ganze mit Wasser am besten über Nacht auf. Das Verhältnis sollte dabei ein Viertel Kastanien und drei Viertel Wasser sein. Der Schaum, der sich oben am Glas bildet, entsteht durch die waschaktiven Substanzen. Zum Waschen den Sud durch ein Sieb ins Fach für das Waschmittel gießen.

Achtung: Die Methode eignet sich, genau wie das Waschen mit Waschnüssen, nicht für weiße Wäsche.

Bio-zertifizierte Waschnüsse

Also klapperte er vor 17 Jahren die Gegend um die Kleinstadt Shimla ab. Perpmer fuhr mit dem Auto über Land und sprach dort, wo er Waschnuss-Bäume sah, die Menschen an, ob sie die Nüsse für ihn ernten würden. Nach und nach nahm seine Idee Gestalt an. Heute kauft Perpmer jedes Jahr fünf Container mit je rund 20 Tonnen Waschnusspulver und -schalen und hat zusammen mit seinem indischen Geschäftspartner Devender Gupta auch die Bio-Zertifizierung der Waschnüsse realisiert. Etwa alle fünf Jahre besucht er die Region, um persönliche Kontakte zu pflegen und Produktionsprobleme zu prüfen.

Mikroplastik im Waschmittel

Noch mehr Tipps für ökologisches Waschen lest ihr hier:

Waschmittel ohne Mikroplastik

Waschnuss-Ernte in Kooperativen

Für die Menschen in der Bergregion bedeutet die Waschnuss-Ernte ein willkommenes Zubrot – auch wenn sie nicht so arm sind wie viele Inder. Als Kleinbauern bewirtschaften sie Obstgärten, in den fruchtbaren Tälern bauen sie Weizen, Mais, Gemüse und Kräuter an. Viele haben es zu bescheidenem Wohlstand gebracht. Das Bildungsniveau gehört zu den höchsten in Indien. Für die Waschnuss-Ernte für Eliah Sahil haben sich Bauern und ethnische Stämme in verschiedenen Dörfern zu Kooperativen zusammengeschlossen.

Jedes Jahr von November bis Anfang Februar ziehen rund 140 Männer und Frauen mit Jutesäcken durch die ausgedehnten Wälder, in denen der Waschnuss-Baum wild und zahlreich wächst. Fast die Hälfte der Erntehelfer gehört zum indischen Kas­tensystem der Unberührbaren, die auch in dem wirtschaftlich gut entwickelten indischen Bundesstaat in der sozialen Hierarchie ganz unten stehen. Offiziell ist das Kastensystem zwar abgeschafft, aber im Alltag, vor allem in ländlichen Regionen, sind diese Menschen weiterhin stark benachteiligt. Mit dem Sammeln der Waschnüsse können sie gutes Geld verdienen, denn Eliah Sahil zahlt all seinen Erntehelfern Preise, die bis zu 50 Prozent über dem indischen Durchschnittspreis liegen.

Die Arbeit selbst ähnelt der Walnuss-Ernte: Die reifen Waschnüsse fallen zu Boden und werden von Hand aufgesammelt. Die vollen Jutesäcke bringt ein Fahrzeug ins Warenlager nach Shimla. Dort werden die kirschengroßen, hellbraunen Nüsse auf Planen ausgebreitet, an der Luft getrocknet und sortiert. Für die Weiterverarbeitung werden sie aufgeknackt. Die Schalen und der schwarze Samen landen auf getrennten Haufen. Aus einem Teil der Samen entsteht in einer nahe gelegenen Mühle das Öl, das in Österreich für die Zahnpflege-Produkte gebraucht wird. Was übrig bleibt, füttern die Bauern als hochwertige Ölquelle ans Vieh. Einen Teil des Samens streuen sie immer auch in den Wäldern aus. „So unterstützen wir die Vermehrung des Seifenbaums“, sagt Perpmer.

Ein Baum kann bis zu 100 Kilo Nüsse tragen. Einige Bauern haben daher inzwischen ein oder zwei Waschnuss-Bäume im privaten Garten angepflanzt. Das erspart ihnen die zwei- bis dreistündigen Fußmärsche zur Ernte in den Wäldern. Die saponinhaltigen Schalen werden in einer Mühle in Rajastan zu Pulver vermahlen. So bleibt auch dieser Arbeitsschritt und damit die Wert­schöp­fung in Indien. Für Perpmer macht das nur Sinn: „Mit Eliah Sahil möchten wir verbindend wirken zwischen verschiedenen Kulturen und Religionen, wir verstehen uns als eine große Familie.“

Über Eliah Sahil

Das österreichische Unternehmen stellt ausschließlich bio-zertifizierte, vegane Naturkosmetik her. Etliche Produkte gibts in wasserfreier Pulverform. Mit seinem plastikfreien Verpackungskonzept präsentiert sich Eliah Sahil als Zero-Waste-Marke. Darüber hinaus fördert Firmengründer Silvio Perpmer soziale und nachhaltige Projekte. Ein Teil der Erlöse aus dem Produktverkauf fließt beispielsweise in Umweltschutz-Maßnahmen für Insekten. Gemeinsam mit der Kinderrechtsorganisation Plan International unterstützt Eliah Sahil ein Ernährungsprojekt für Kinder in Peru.

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