Kosmetik

Shampoo: Das kann Naturkosmetik

Wir nutzen Shampoo, um die Kopfhaut zu reinigen und den Haaren Duft und Fülle zu verleihen. Doch wie gut ist das für die Haare und ist Naturkosmetik besser?

Ein Mann mit Brille vor grauem Hintergrund
Leo Frühschütz

Manche tun es täglich, andere nur einmal in der Woche. Früher oder später greift jeder zum Haarshampoo, um die Kopfhaut zu reinigen und den Haaren Duft und Fülle zu verleihen. Das Angebot ist groß und lässt nur einen Wunsch offen: Mehr Sorgfalt bei der Auswahl der Tenside.

Ist Shampoo gut für die Haare?

Haarshampoos machen nicht nur die Haare sauber. Lediglich Haarfett, Schweißrückstände, Staub und Haarsprayreste entfernen, das würde auch eine Seife schaffen. Haarshampoos können mehr. Sie verleihen dem Haar Glanz und Fülle, machen es leichter kämmbar, und verhindern elektrostatische Aufladung. Ist das Haar fettig, darf es nicht so schnell nachfetten. Wird das Haar strapaziert, soll das Shampoo für Pflege sorgen und all das noch möglichst schonend.

Welche Inhaltsstoffe enthält Shampoo?

So lang wie die Liste der Aufgaben ist deshalb meist die Liste der Inhaltsstoffe.

Heilpflanzen und Kräuter in Shampoos

Bei Naturkosmetik erzielen einen Teil der erwünschten Wirkungen Heilpflanzen und Kräuter. Rosmarin und Brennnessel zum Beispiel stabilisieren die Talgproduktion der Kopfhaut und wirken so einem zu schnellen Nachfetten entgegen. Aloe Vera soll trockenem Haar die Feuchtigkeit bewahren. Ist die Kopfhaut empfindlich und anfällig für Reizungen, können Ringelblume, Kamille, Nachtkerzenöl und Teebaumöl lindernd wirken. Aufbauende Kräfte werden dem Ackerschachtelhalm zugeschrieben. In vielen Shampoos finden sich auch Mandel-, Jojoba- oder Olivenöl. Sie sollen die Haare nicht nur pflegen, sondern auch wieder leicht einfetten, nachdem die Tenside das alte Fett entfernt haben. Nur in wenigen Fällen gibt das Etikett an, dass die Kräuter oder Öle aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) stammen. Denn in vielen Fällen ist kbA-Ware nicht immer und in gleichbleibender Qualität verfügbar, so dass die Hersteller sich die Möglichkeit offen halten wollen, auch einmal konventionelle Rohstoffe einzusetzen, ohne das Etikett ändern zu müssen. Aus diesem Grund schreibt auch die Richtlinie für das Logo "Kontrollierte Naturkosmetik" nur in wenigen Fällen Bio-Anbau vor: Zum Beispiel für Rosmarin, Brennnessel und Olivenöl. Andere Pflanzen werden nicht angebaut, sondern stammen aus Wildsammlungen.

Chemie in Naturkosmetik-Shampoos

Wie ein Film um die Haare gelegt. Neben Pflanzenextrakten finden sich in den Haarshampoos auch Wirkstoffe, die zwar meist pflanzlichen Ursprungs sind, aber viele chemische Veränderungen hinter sich haben. Dazu gehören die pflanzlichen Proteine. Diese Eiweißbruchstücke bilden auf den Haaren einen Film, der die Kämmbarkeit verbessert und die Feuchtigkeit im Haar bindet. Besonders beliebt sind sie, weil sie die Hautverträglichkeit von aggressiven Tensiden erhöhen. Auch die Betaine legen sich wie ein Film um den Haarschaft. Sie glätten das Haar und geben ihm Glanz. Als gute Schaumbildner kommen sie oft in Tensidmischungen vor. Guarmehl kennen viele Verbraucher als Verdickungsmittel in Öko-Lebensmitteln. In Shampoos wird es deshalb oft als Guarmehl deklariert, kommt aber in einer chemisch stark veränderten Form vor. Das Hydroxypropylguartrimethylammoniumchlorid verbessert die Kämmbarkeit und verhindert das statische Aufladen der Haare. Weitere Wirkstoffe sind Biotin, das den Haarausfall bremsen und Provitamin B5 (Panthenol) das den Haaren zusätzlichen Glanz verleihen soll.

Wasser in Shampoos

Mit wenigen Ausnahmen (Biokosma, Provida, Dr. Hauschka) ist Wasser die wichtigste Zutat bei einem Shampoo. In der Regel liegt der Gehalt bei etwa 80 Prozent. Für die notwendige Konsistenz sorgen Emulgatoren und Gelbildner wie Lecithin, Xanthan, Sorbitan, Laurat oder Glykoldistearat. Der hohe Wasseranteil macht auch eine Konservierung nötig. Meistens erledigen das antibakteriell wirkende Öle und etwas Alkohol. Zucker- und Milchenzyme sowie Levulinsäure dienen ebenfalls der Haltbarmachung. Auf synthetische Konservierungsmittel wie Kaliumsorbat, Natriumformiat oder Natriumbenzoat greifen Alva, Eubiona und Föllinge zurück.

Es gibt auch Shampoos, die deutlich weniger Wasser enthalten: Feste Shampoos oder Haarseifen. Lest hier, ob sie gut sind:

So gut ist Haarseife

Tenside in Shampoos

Wegen aggressiver Tenside "eingeschränkt empfehlenswert". Ein haariges Thema für die Naturkosmetik-Branche sind die Tenside, also die eigentlichen waschaktiven Substanzen in den Shampoos. Beim letzten Shampoo-Vergleich der Zeitschrift Öko-Test im Juni 2001 bekamen die drei teilnehmenden Bioladen-Shampoos nur ein "eingeschränkt empfehlenswert". Bei Lavera und Logona führte das aggressive Tensid Ammoniumlaurylsulfat zur Abwertung, bei Weleda war es zwei PEG-Derivate. Diese so genannten ethoxilierten Tenside können die Haut durchlässiger für Schadstoffe machen. PEG-Derivate finden sich auch in den Produkten von Biokosma, Eubiona und Föllinge. Der dänische Hersteller Urtekram setzt in seinen Shampoos das ebenfalls aggressive Natriumlaurylsulfat ein. In der deutschen Deklaration werden diese kritischen Tenside meist verschwiegen. In der internationalen und für alle Kosmetika vorgeschriebenen englischsprachigen INCI-Deklaration sind PEG-Derivate an der Silbe "eth" zu erkennen, etwa im Sodiumlaurethsulfat. Begründet wird der Einsatz von Laurylsulfat und Tensiden auf PEG-Basis mit den guten technischen Eigenschaften. So argumentiert zum Beispiel Martina Reinecke von Lavera: "Wir setzen im Volumenshampoo einen Gesamttensidgehalt von 10 % ein. Der Gehalt an Ammoniumlaurylsulfat in dieser Mischung beträgt ein Drittel. Drei weitere Tenside aus Kokosöl und Zucker mildern die Wirkung des Ammoniumlaurylsulfats. In der Gesamtheit ergibt sich so ein Optimum an Milde, Waschintensität und Wirkung. Ein Shampoo, das nur aus verschiedenen Zuckertensiden besteht, würde unserer Meinung nach keinesfalls den gewünschten Pflege- und Wascheffekt erzielen."

Hautverträgliche Zuckertenside. Zuckertenside sind waschaktive Substanzen, die nur aus pflanzlichen Rohstoffen (Getreidestärke und Kokosfett) durch mehrere chemische Syntheseschritte hergestellt werden und als besonders hautverträglich gelten. Vier dieser Zuckertenside sind auch nach den Richtlinien für "kontrollierte Naturkosmetik" zugelassen. Da es sich dabei um neuere und teuere Substanzen handelt, sind es oft die seit langem auf dem Markt eingeführten Shampoos, in deren Rezepturen sich die kritisch bewerteten und billigeren Tenside finden. Hautverträglicher aber nicht gerade natürlich sind Tenside, die sich in einigen Naturkosmetik-Haarshampoos finden und ganz oder teilweise auf Erdölbasis beruhen. Dazu gehören Sarcosinate, Olefine und Succinate. Klarheit schafft auch hier in vielen Fällen nur der Blick auf die INCI-Deklaration. Michael Diedrich von CMD Naturkosmetik hat inzwischen angekündigt, die Olefine in seinen Shampoos möglichst schnell zu ersetzen.

Alternative: Wasch-Erde

Wer auf Tenside im Haar ganz verzichten will, hat zwei Möglichkeiten. Dr. Hauschka bietet ein Shampoo auf Seifenbasis, das sich naturgemäß vor allem für weiches Wasser eignet. Eine ganz andere Reinigungsmethode ist die Verwendung von Lava-Erde. Dieses feingemahlene tonhaltige Mineral wird in Marokko abgebaut und dort seit Jahrhunderten als Rhassoul oder Ghassoul zum Waschen von Haaren und Körper verwendet. Fett und Verunreinigungen werden von den Körnchen fest gebunden und mit ihnen abgewaschen. Angeboten wird die Wasch-Erde pur oder mit Wasser und Duftstoffen vermischt von Alva, Logona, Sanoll und Tautropfen. Bei der Umstellung von herkömmlichen Shampoos auf Wascherde kann es in einigen Fällen zu raschem Nachfetten, struppigen Haaren und vermehrter Schuppenbildung kommen, warnt Tautropfen. Diese Effekte würden jedoch nach einiger Zeit verschwinden, wenn sich Haar und Kopfhaut auf die Reinigung ohne Tenside eingestellt hätten.

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