Aus der cosmia

Parabene und Sulfate im Check

Herkömmliche Kosmetik enthält oft Parabene und Sulfate. Warum es sinnvoll ist diese Stoffe zu meiden und welche Alternativen es gibt.

Viele Kosmetikprodukte punkten mit langer Haltbarkeit, andere schäumen besonders intensiv und hinterlassen anschließend ein perfektes Sauberkeitsgefühl. Verantwortlich für diese auf den ersten Blick positiven Eigenschaften sind oft Inhaltsstoffe wie Parabene und Sulfate. Doch diese Substanzen können auch negative Nebenwirkungen haben – für uns Menschen ebenso wie für die Umwelt.

Parabene – und warum sie umstritten sind

Tagein, tagaus mit dem Finger in den Cremetiegel: Das ist nicht besonders hygienisch. Denn in flüssigen oder cremigen, wasserhaltigen Kosmetika vermehren sich unerwünschte Mikroorganismen besonders rasch. Konservierungsstoffe wie Parabene schaffen Abhilfe: Sie verhindern das Wachstum von Pilzen und Bakterien. Auch in Lippenstiften, Deos und anderen Kosmetikprodukten kommen sie daher oft zum Einsatz und machen die Produkte länger haltbar. Doch obwohl Parabene schon seit fast einem Jahrhundert in der Kosmetik verwendet werden, sind sie nicht unbedenklich. Über die Haut gelangen sie in den Körper, reichern sich an und können hier ähnlich wie Hormone wirken. Studien deuten darauf hin, dass Parabene mit Östrogen vergleichbare Strukturen aufweisen und den Hormonhaushalt durcheinander bringen können. Sogar Unfruchtbarkeit oder ein erhöhtes Brustkrebsrisiko könnten die Folgen sein. Propyl- und Butylparabene können laut Untersuchungen außerdem das männliche Sexualhormon Androgen hemmen.

Person trägt Lippenstift auf

Lippenstift: Bitte ganz natürlich

Naturkosmetische Lippenstifte machen nicht nur schöne Lippen, sie pflegen und schützen auch.

Also schnell wieder abwaschen? Auch das ist keine gute Idee. Denn über das Abwasser landen die chemischen Stoffe in unseren Gewässern und bringen dort empfindliche Ökosysteme aus dem Gleichgewicht. Weil Parabene so umstritten sind, ist ihr Einsatz in der Kosmetik bereits seit 2014 reguliert. Während einige Parabene ganz verboten wurden, dürfen Butyl-, Propyl-, Methyl- und Ethylparaben nur noch in sehr geringer Konzentration verwendet werden. Das geht zertifizierten Naturkosmetik Herstellern jedoch nicht weit genug. Sie verzichten vollständig auf den Einsatz der Haltbarkeitschemikalien. Stattdessen verwenden sie natürliche Konservierungsmittel, wie Rosmarinextrakt, ätherische Öle, Vitamin E oder Alkohol,  um die Haltbarkeit ihrer Produkte zu gewährleisten. Wer komplett auf Konservierungsmittel verzichten möchte, kann zum Beispiel Pulverkosmetik ausprobieren, die erst kurz vor oder während der Anwendung mit Wasser vermischt wird.

Wie Sulfate schäumen – und die Haut belasten

Produkte wie Shampoo oder Zahnpasta erscheinen besonders effektiv, wenn sie kräftig schäumen. Dann lassen sie sich gut verteilen und ausspülen und hinterlassen ein frisches Sauberkeitsgefühl. Diese Wirkung verdanken die Produkte den Tensiden: waschaktiven Substanzen, die Fett und Schmutz lösen. Unter den Tensiden schießen vor allem Sulfate jedoch oft übers Ziel hinaus. Ihre Reinigungswirkung kann so stark sein, dass der natürliche Schutzmantel der Haut beschädigt wird. Die Haut trocknet dann schneller aus, wird schuppig und anfälliger für Umwelteinflüsse. Um das auszugleichen, steigert sie die Talgproduktion oder muss mit weiteren Kosmetika beruhigt und befeuchtet werden – ein Teufelskreis, der schwer zu durchbrechen ist. Irritationen und Allergien können die Folge sein. Besonders Sodium-Lauryl-Sulfat ist für seine austrocknenden Nebenwirkungen bekannt. In zertifizierter Naturkosmetik ist das Tensid daher verboten. Stattdessen kommen hier meist waschaktive Substanzen aus pflanzlichen Ölen oder auf Zucker- beziehungsweise Kokosbasis zum Einsatz. Diese sind nicht nur sanfter zur Haut, sondern auch besser biologisch abbaubar. Und was ist mit dem Schaum? Der wird meist überschätzt. Ein Produkt muss nicht schäumen, um effizient zu reinigen

Interview: "Es geht auch ohne"

Silvio Perpmer, Geschäftsführer von Eliah Sahil.

Silvio Perpmer, Geschäftsführer von Eliah Sahil.

Die Marke Eliah Sahil steht für naturbelassene Bio-Kosmetik, die Haut, Haare und Umwelt gleichermaßen schont. Geschäftsführer Silvio Perpmer erklärt, wie seine Produkte ohne Parabene, Sulfate und Co. auskommen.

Eure Produkte enthalten keine Konservierungsstoffe. Verderben sie deshalb schneller?
Pilze und Keime brauchen Wasser, um zu gedeihen. Unsere Pulverkosmetik kommt erst bei der Anwendung im Bad oder unter der Dusche mit Wasser in Kontakt. Anders als viele andere Pulverkosmetika werden unsere Produkte nicht auf Vorrat gemischt, sondern für jede Anwendung bedarfsgerecht dosiert. So können wir auf Konservierungsstoffe wie Parabene komplett verzichten, ohne bei der Produktsicherheit Abstriche zu machen. Lediglich der Duft der Pulver kann mit der Zeit etwas nachlassen, wenn man sie über mehrere Jahre lagert.

Woraus bestehen die Pulver denn?
Unsere Pulver bestehen ausschließlich aus natürlichen und naturbelassenen Inhaltsstoffen. Die Basis bilden Heilerde sowie fein zerriebene Kräuter und Blüten aus biologischem Anbau, die wir im Produktionsprozess mit Wasserdampf sterilisieren. Statt chemisch hergestellten, hautreizenden Tensiden setzen wir zur Reinigung auf natürliche, pflanzliche Saponine. Die sind zum Beispiel in Waschnuss-Schalen enthalten. Saponine wirken wie Tenside: Sie machen Fett- und Schmutzpartikel in Wasser löslich. Allerdings sind sie sanfter und damit besser verträglich.

Wir sind daran gewöhnt, dass Reinigungsprodukte schäumen. Wie ist das bei euren Pulvern?
Fluffige Schaumberge wie bei herkömmlicher Kosmetik darf man bei unseren Pulvern nicht erwarten. Zwar schäumen auch die darin enthaltenen Saponine, allerdings weniger intensiv als Tenside. Beim Haarewaschen mit unseren Pulvern entsteht in der Regel erst beim zweiten Waschgang ein sanfter Schaum. Doch dieser belastet weder unser Gewissen noch unseren Körper oder die Umwelt.

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Fragen und Antworten zum Thema Parabene & Sulfate

Was sind Parabene und warum werden sie verwendet?

Parabene sind synthetische Konservierungsstoffe in Kosmetika, die das Wachstum von Pilzen und Bakterien verhindern. Sie verlängern dadurch die Haltbarkeit von Cremes, Deos oder Shampoos.

Wie wirken sich Parabene auf Gesundheit und Hormone aus?

Propyl- und Butylparaben ähneln Östrogen und stehen im Verdacht, hormonell zu wirken, Unfruchtbarkeit oder Brustkrebsrisiken zu erhöhen. Die Datenlage ist aber noch nicht eindeutig.

Wofür stehen Sulfate in Kosmetik und wo finden sie sich?

Sulfate wie Sodium Lauryl Sulfat (SLS) sind Tenside, die stark schäumen und Fett sowie Schmutz effektiv lösen. Sie stecken häufig in Shampoos, Duschgelen und Zahnpasta.

Welche Schäden können Sulfate auf Haut und Haare verursachen?

Zu starke Reinigung durch Sulfate kann den natürlichen Hautschutzmantel zerstören, Kopfhaut und Haare austrocknen und Irritationen verursachen – insbesondere bei sensibler oder gefärbter Haut.

Welche natürlichen Alternativen gibt es zu Parabenen und Sulfaten?

Naturkosmetik nutzt z. B. Rosmarinextrakt, Vitamin E oder ätherische Öle als Konservierungsstoff‑Alternativen und Zucker‑ oder Kokostenside statt Sulfate – sanfter zur Haut und biologisch abbaubar.

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