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Kosmetik

Farbstoffe in Kosmetik: Darauf solltet ihr achten

Sind synthetische Farbstoffe gefährlich? Was sind die Alternativen und wie erkenne ich sie? Wir erklären es euch.

02.02.2021 vonLeo Frühschütz

Sind synthetische Farbstoffe gefährlich? Was sind die Alternativen und wie erkenne ich sie? Wir erklären es euch.

„Mami, ich will ein Tiger sein!“ Kinder schminken sich gerne, nicht nur zu Karneval. Doch immer wieder finden staatliche Untersuchungsämter in einzelnen Kinderschminken einen verbotenen Farbstoff. Doch auch manche der in der europäischen Kosmetikverordnung erlaubten 153 Farben sind nicht ohne.

Azo-Pigmente: Diese synthethische Farbstoffe sind Gift

Ein Drittel davon sind sogenannte Azo-Pigmente. Diese synthetischen Substanzen können sich unter bestimmten Bedingungen in ihre Bestandteile zersetzen, die aromatischen Amine. Diese wiederum können Allergien und im schlimmsten Fall sogar Krebs erzeugen. Zum Beispiel CI (= Colour Index) 18050. Der rote Farbstoff wurde 2007 für Lebensmittel verboten, weil er sich im Körper in krebserregendes Anilin umwandeln kann. In Kosmetik ist er weiterhin erlaubt. Bedenklich ist auch das gelbe Tartrazin (CI 19140). Es kann bei empfindlichen Menschen Ausschläge und Juckreiz auslösen, wenn es versehentlich in den Körper gelangt. Das kann schnell passieren, wenn Kinder mal einen Farbstift in den Mund stecken. Auch beim Lippenstift gelangen Farbstoffe durch das unbewusste Ablecken der Lippen in den Körper.

Was sind die Alternativen?

Wer seinen Kindern und sich selbst Azo- und andere synthetische Farbstoffe ersparen will, der kann mit zertifizierter Naturkosmetik schminken. Dort darf nur das färben, was die Welt von Natur aus bunt macht: Pflanzen, Mineralien und Erde. Pflanzen färben vor allem Haare, in anderen Naturkosmetika finden sich gelegentlich blaues Indigo und grünes Chlorophyll.

Vorsicht beim Haarefärben

Viele konventionelle Haarfärbemittel arbeiten mit Azo-Farbstoffen und anderen Zutaten, die als Kontaktallergene bekannt sind. Auf der Packung heißt es dann: „Erzeugnis kann eine allergische Reaktion hervorrufen.“ Wer sich eine juckende Kopfhaut ersparen will, kann Pflanzenfarben benutzen. Deren wichtigster Bestandteil ist ein Pulver aus den Blättern des Henna-Strauches, das die Haare rot-orange färbt. Um möglichst viele Farbtöne zu erzielen, mischen die Hersteller Henna mit anderen pulverisierten färbenden Pflanzen: Rote Bete und Krappwurzel sorgen für weitere Rot-Nuancen, Walnussschalen und Kaffee färben braun, Kurkuma gelb. Der blau-schwarze Indigo wird für dunkle bis schwarze Farbtöne benötigt. Graue Haare lassen sich damit gut abdecken. Was die Natur nicht kann, ist Haare aufzuhellen oder zu blondieren. Das funktioniert nur mit Chemie.

Mehr zum Thema „Natürlich Haare färben“

Mineralische Pigmente sind chemische Verbindungen von Zink, Chrom, Mangan oder Kupfer, die in Erzgesteinen vorkommen, etwa Manganviolett oder das grüne Chromoxid. Erdfarben bestehen aus vermahlener farbiger Erde. Für die gelben, braunen und roten Farbtöne wie Ocker und Umbra sind verschiedene Eisenoxide verantwortlich.

Von Natur aus enthalten frisch abgebautes Erz und Erden häufig auch unerwünschte Schwermetalle. Deshalb werden die mineralischen Pigmente für Naturkosmetik meist chemisch hergestellt und gereinigt. Diese naturidentischen Pigmente sind besonders rein, besser verträglich und färben zudem stärker. Für einen leichten Schimmer der Farben sorgt ein fein zerriebenes, glitzerndes Gestein, der Glimmer oder englisch „Mica“. Silberoxid im Lidschatten reflektiert das Licht und lässt so die Augen stärker strahlen.

Wie erkenne ich natürliche Farbpigmente?

Alle natürlichen Farbpigmente sind durch die Kosmetikverordnung zugelassen und tragen CI-Nummern: natürliche Farbstoffe solche zwischen 75000 und 75999, mineralische Pigmente zwischen 77000 und 77999. Bei Lidschatten und Lippenstiften sind auf jedem Produkt der Einfachheit halber sämtliche Pigmente aufgelistet, die innerhalb einer Serie zum Einsatz kommen. Die Nummer CI 77491 etwa steht für rotbraunes, CI 77449 für schwarzes Eisenoxid.

Für Veganer*innen ist knallroter Lippenstift tabu.

CI 75470 bezeichnet Karminrot. Veganerinnen stellen Lippenstifte und Rouge mit diesem Farbstoff ins Regal zurück. Denn Karmin wird aus getrockneten Cochenille-Läusen hergestellt, ist also eine tierische Zutat. Gedecktere Rottöne lassen sich auch ohne Karminrot mischen; natürliches Knallrot und Veganismus gehen nicht zusammen.

Wusstet ihr, dass wer gerne Lippenstift trägt, im Laufe seines Lebens mehr als drei Kilogramm davon isst? Da lohnt es, die Zutatenliste zu lesen! Was sie verrät, lest ihr bei uns.

Zum Artikel „Lippenstift: Bio küsst besser“

Die Palette der Natur hat noch weitere kleine Lücken. „Wenn man sich auf natürliche Pigmente beschränkt, ist es zum Beispiel unmöglich, ein helles Gelb oder fluoreszierende Farben zu erhalten“, erklärt Marie-Laure Bascoul, deren Unternehmen Namaki Naturkosmetikschminke für Kinder herstellt.

Auch bei Nagellack ist die natürliche Farbpalette beschränkt. „Eine großartige Farbenvielfalt und die Performance der Nagellacke sind uns jedoch sehr wichtig“, sagt Kia Lindroos, die mit Kia Charlotta vegane Nagellacke entwickelt hat. Bei ihr kommen deshalb – wie bei anderen Anbietern auch – einige synthetische Farbstoffe mit in den Lack. Der Anteil der Pigmente sei sehr gering und sie könnten – anders als bei Lippenstift – nicht in den Körper gelangen, erklärt Lindroos. Für den Lack verzichten die Hersteller auf zahlreiche problematische Inhaltsstoffe herkömmlicher Produkte, kommen aber nicht ohne chemische Zutaten aus. Daher gibt es für die meisten kein Naturkosmetik-Siegel. Bisher haben nur Logona und Provida eine zertifizierte Nagellackserie auf den Markt gebracht, mit etlichen dezenten Farben.

Ein Artikel aus dem Naturkosmetik-Magazin

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