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Kosmetik

Einkauf: Lippenstifte

Der erste Lippenstift war ein teurer Flop, der alles färbte, womit er in Berührung kam. Erst die Erfindung der Drehhülse und die schmollmundigen Stummfilm-Diven verhalfen ihm zum Erfolg.

31.10.2007 vonJutta Krause


Der graue November ist die Zeit für gesellige und gesellschaftliche Aktivitäten. Da ist ein schön geschminkter Mund ein echter Hingucker. Er belebt das Gesicht, betont die Augen, hebt die Ausstrahlung und verleiht damit dem gepflegten Aussehen den letzten Schliff. Die Naturkosmetik bietet Lippenstifte in einer umfangreichen Farbpalette von hellem Rosé bis zu kräftigem Rot, die sich mit dem Angebot konventioneller Hersteller durchaus messen kann. Während Letztere meist mit synthetischen Farben arbeiten, die bedenkliche Stoffe wie den potentziell krebsauslösenden Farbbaustein Anilin enthalten können, kommen in Bio-Lippenstiften nur natürliche Farbpigmente zum Einsatz. Meist sind es mineralische Farbträger wie Eisenoxid, rotes Hämatit oder Titandioxid, die für den passenden Ton gemischt werden, doch findet auch der aus Koschenilleläusen gewonnene Farbstoff Karmin Verwendung. Wer Rohstoffe vom toten Tier komplett vermeiden will, findet bei einigen Naturkosmetikherstellern auch Stifte ohne Karmin (siehe Tabelle), muss aber auf leuchtend rote Farben verzichten.

Pflege statt Labello-Effekt

Neben der Farbe bestehen Lippenstifte aus Ölen und Wachsen in verschiedenen Anteilen. Sie haben die Aufgabe, dem Stift die richtige Konsistenz zu geben und die empfindliche Lippenhaut zu schützen. Hier sind die Unterschiede zwischen bio und konventionell besonders groß. Während die Naturkosmetik auf hochwertige und pflegende natürliche Zutaten setzt, enthalten herkömmliche Lippenstifte überwiegend aus Erdölprodukten hergestellte Öle und Wachse. Statt Bienenwachs kommt Paraffin, statt Rizinus- und Jojobaöl kommen Silikonöle zum Einsatz. Sie sorgen für Glanz und Lippenhaftung, können sich aber in Leber und Lymphknoten anreichern. Auch bei der Pflege sind Paraffin und Vaseline wenig hilfreich. Statt den Fett- und Feuchtigkeitshaushalt der Lippen zu unterstützen, trocknen sie sie oft noch zusätzlich aus, und jedes zusätzliche Auftragen des vermeintlich pflegenden Stiftes verstärkt diesen Effekt zusätzlich.

Pflegende Öle für weiche Lippen

Die Zutatenliste der Bio-Lippenstifte präsentiert sich verheißungsvoller: Den Hauptbestandteil bildet Rizinusöl, das für seine heilenden und pflegenden Eigenschaften bei trockener und angegriffener Haut bekannt ist. Zusätzlich verwöhnen Mandel- und Jojobaöl, Sheabutter und Passionsblumenöl die zarte Haut der Lippen. Diesen pflegenden Substanzen verleihen Carnauba- und Bienenwachs Festigkeit und Stabilität und bewahren die Lippen vor Feuchtigkeitsverlust. Das pflegewirksame Candelillawachs sorgt zudem auf natürliche Weise für Glanz und gute Hauthaftung und erzeugt ein angenehmes Hautgefühl. Für die zarte Duftnote greifen Naturkosmetikhersteller zu ätherischen Ölen anstatt zu synthetischen Duftstoffen.

Cremig oder farbfest

Das Mischungsverhältnis zwischen Öl und Wachs bestimmt nicht nur die Konsistenz des Stiftes, sondern auch seinen Halt auf den Lippen. Je mehr Ölanteile ein Stift enthält, desto kürzer bleibt die Farbe haften. Enthält er dagegen mehr Wachse und Pigmente, hält er länger auf den Lippen. Jeder Hersteller hütet seine ganz eigene Rezeptur, jeder Stift hat deshalb andere Eigenschaften. So sind die Lippenstifte von Logona nicht ganz so cremig im Auftrag, haften dafür aber gut, während bei Lavera ein hoher Ölanteil

für cremige Pflege und schimmernden Glanz sorgt. Sante und Dr. Hauschka liegen dazwischen. Für die zusätzliche Pflege empfindlicher Lippen enthalten Dr. Hauschka-Stifte Auszüge aus Hagebutte, Karotte, Wundklee und Rosenblüte.

Kussmund

Rot geschminkte Lippen wirken wie ein Signal, das man(n) nur schwer ignorieren kann. Doch wenn moderne Frauen mit Lippenstift ihren Typ betonen, hat das mit Männern oft nur am Rande zu tun. Dafür umso mehr mit weiblicher Lebenslust und selbstbewusster Pflege.

Kussecht?

Frauen, die sich täglich die Lippen schminken, „verzehren“ im Lauf eines Jahres einen ganzen Lippenstift. Sie tun also gut daran, Naturkosmetik zu verwenden. Auch wenn sie dabei auf einen kussechten Lippenstift mit „Long Lasting Effekt“ verzichten müssen. Denn der lackartige Film, der die Farbe auf den Lippen hält, ist nur mit viel Chemie zu haben. Hier gilt die Devise: Lieber ein echter Kuss als ein kussechter Stift.

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