Haarpflege historisch - Schrot und Korn

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Haarpflege historisch

Lausig alte Zeiten

Shampoos und Conditioner sind neuere Erfindungen. In frühen Kulturen mußten die Menschen mit Wasser, Pottasche zurechtkommen. Bestenfalls Seifenlauge stand zur Reinigung zur Verfügung. Dennoch wurde mit der Haartracht auch früher ein mächtiger Aufwand getrieben. Denn mit dem, was man hatte, war man - und besonders frau - selten zufrieden.

Für die feinen, meist schwarzhaarigen, Damen im alten Rom war die teilweise Eroberung Germaniens eine wundervolle Gelegenheit, die Haarfarbe zu wechseln. Hatten bis dahin die griechischen Haussklavinnen ihren launischen Herrinnen die Haare nach griechischem Vorbild mit dem Brenneisen und Lockenwicklern zu kleinen Locken gedreht, so kamen nun die hell - und rotblonden, langen Haare der versklavten Germaninnen in Mode. Am Haaransatz kurz abgeschnitten und zu Perücken verarbeitet, wurden die hellen Haare zu einem begehrten Handelsobjekt. Der römische Dichter Ovid schrieb vor 2 000 Jahren:

Germanisch blonde Farbe ziert noch die ergrauten Haare, und diese falsche Farbe wird viel schöner als die wahre. Auch wird die Frau mit einem Schopf gekauften Haares gehen und für die eignen Locken sich Ersatz um Geld erstehen.

Ein gutes Geschäft wurde auch ein Färbemittel, daß aus den gelb-roten Sinterpartikelchen der Heißwasserquellen von Aquae Mattiacae ( Wiesbaden ) gewonnen wurde.

Die Germaninnen selbst trugen ihr Haar immer lang und legten großen Wert auf einen akkuraten Mittelscheitel. Während der Hausarbeit wurden die Haare im Nacken zu einem Knoten gebunden. Manche Dunkelblonde bleichte ihr Haar mit einer Beize aus saurer Milch, Buttersäure und Kalklauge. Andere puderten die Haare mit feiner gereinigter Asche. Gegen Ungeziefer und Fremdkörper verwendeten die Germanen seit jeher Kämme aus Knochen, Bronze oder Holz.

Mit dem Christentum kam es für die verheirateten Frauen aus der Mode, ihr Haar offen zu tragen; es wurde Brauch, das Haupt mit Schleier, Haube oder Hut zu bedecken. Auch das Gebände wurde im Mittelalter üblich. Diese Binden, die über Stirn und Wangen gebunden wurden, sind heute noch bei manchen Nonnenorden Vorschrift.

Als die Frauen anfingen ihr Haar zu bedecken, begannen die Männer, es lang zu tragen. Langes Haar war das Privileg des freien Mannes. Oft gewaschen, gekämmt und zu Locken gebrannt, stolzierte auch der niedere Adel daher und achtete darauf, daß die Leibeigenen immer kurzgeschnittene Frisuren trugen. Aus dieser Zeit hat sich in Bayern bis heute der abwertende Ausdruck "G'scherter" erhalten.

Im Mittelalter war, wie der gesamte Tagesablauf, auch die Haarpflege den Regeln der Planetenläufe unterworfen. Galt sie in den Monaten von Juli bis November als schädlich und konnte angeblich schwere Schäden wie Schwachsinn, Schlaganfall oder gar Tod verursachen, so hielt man den Mai für einen hervorragenden Monat zum Pflegen und Schneiden. Auch wurde empfohlen, die Haare bei einem bestimmten Mondstand zu schneiden, damit sie schöner nachwachsen. Seitdem der Mensch herausgefunden hat, daß die Haare nicht aus der Spitze wachsen - wie die Pflanzen -, sondern sich aus den Wurzeln erneuern, ist es ihm egal, wie der Mond beim Haarschnitt steht.

Ein besonderes Kapitel der Haarpflege vergangener Zeiten sind die Frisuren der Damen im Rokoko. Das Legen und Arrangieren der gewaltigen Konstruktionen nahm die meiste Zeit des Tages in Anspruch. Waschen und Baden war nicht angesagt. Wasser kam zwei oder dreimal im Jahr an den Körper, der unvermeidliche Gestank wurde mit Unmengen von Duftwässerchen zugeschüttet. Die Hochfrisuren wurden mit Reismehl gepudert und im Inneren der gewaltigen Aufbauten feierten Flöhe und Läuse fröhliche Erntedankfeste. Kratzen war in der Öffentlichkeit unschicklich. Zuhause jedoch kamen die langen Kopf- und Rückenkratzer aus geschnitztem Elfenbein zum Einsatz.

Im Volksglauben war man der Ansicht, die Jagd nach dem Ungeziefer freitags besser zu unterlassen, sonst kämen für eine geknackte Laus, neun andere zugeflogen. Das Bürgertum konnte in der Apotheke Terpentin gegen die Flöhe kaufen. Auf dem Lande hatte jede alte Kräuterfrau ihr eigenes Rezept und Wässerchen, das helfen sollte. Aber nicht nur gegen Flöhe und Läuse gab es genauso viele wirksame wie unwirksame Mittelchen. Gegen Kahlköpfigkeit sollte man sich zum Beispiel die Glatze regelmäßig mit frisch geschnittener Zwiebel einreiben, und gegen zu starken Haarwuchs sollte Salbei mit rotem Essig vermischt helfen.

Aber auch bewährte Hausrezepte stammen aus dieser Zeit. Wer sich nicht stundenlang in die heiße Sonne setzen wollte, um sein Haar zu bleichen, der wusch es oft mit Kamille - auch heute ein Tip für Blondinen. Für Schönes glänzendes Haar nahm man Klettenwurzelsud, Rosenwasser, Brennesselsaft, Seifenkraut, Eigelb oder Essig. Als guter Haarfestiger galt Bier.

Das Ungeziefer lies sich davon freilich durch die Jahrhunderte nicht vertreiben. Kurze Haare setzten sich alsdann bei den Männern durch. Und Ungeziefer war vor allem der Grund dafür, daß die englischen und amerikanischen Krankenschwestern und Helferinnen im ersten Weltkrieg ihre Haare abschnitten und nach dem Krieg aus praktischen Erwägungen und Bequemlichkeit diese Frisur beibehielten. So wurde, nachdem die Damen über Jahrtausende das Haar lang trugen, seit den "goldenen Zwanzigern" auch die Kurzhaarfrisur für Frauen modern.

Michael Erilis


siehe auch: Haarpflege mit Köpfchen

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