Nach Ayurveda gebadet und gesalbt - Schrot und Korn

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Nach Ayurveda gebadet und gesalbt

Die alte indische Heilmethode verspricht ein langes Leben

Ayurveda - so heißt ein Bestandteil der historischen Schriften, in denen das jahrtausendealte Wissen der alten indischen Hochkultur überliefert ist. Ayurvedische Medizin gilt als eine der ältesten ganzheitlichen Methoden. Auch im modernen Indien wird sie praktiziert und genießt hohes Ansehen. Im Westen dagegen gibt es wenige qualifizierte Therapeuten.

Ein feines Rinnsal lauwarmen Kräuteröls ergießt sich oberhalb der Nasenwurzel auf die Stirn. Der bleistiftdünne Strahl pendelt langsam und stetig von der rechten zur linken Schläfe, um dann als warmes aber doch kühlendes Bächlein über Haaransatz, Ohren und Nacken in den hölzernen Trog zu fließen. Sheena schöpft mit einer halbierten Kokosnußschale das wertvolle Öl immer wieder zurück in den flachen Tontopf, der über dem Kopf des Behandelten schwebt.

Lakshmi, die zweite Helferin hält die Schale 30-60 Minuten in gleichmäßiger Schwingung über der Stirn. Über einen Docht am Boden des Gefäßes träufelt das heilende Öl. Die überdachte Veranda des alten indischen Landhauses ist angefüllt mit der feuchten Schwüle der Tropen. In der Stille ist nur das monotone Knirschen der Kokosschnüre zu hören, mit denen die Tonschale am Gebälk befestigt ist. Bald fühlt sich der Kopf leer und angenehm kühl an, so empfindet es der Patient aus Europa. Es scheint ihm, als schwebe er im zeitlosen Raum.

"Dhara" heißt diese Behandlungsmethode der ayurvedischen Medizin. Im Anschluß massieren zwei Behandler synchron beide Körperhälften von Kopf bis Fuß mit verschiedenen Ölen, in denen Kräuter aufgekocht wurden. Dann folgt eine Waschung mit Brei aus frischen grünen Bohnen und ein duftendes Kräuterbad. "Dhara" empfehlen die Ayurveda-Ärzte zwei Wochen lang jeden zweiten Tag bei Bluthochdruck, bei Erkrankungen der Harnorgane, geistiger Anspannung und Gedächtnisproblemen.

Ayurveda heißt: Das Wissen vom Leben

Ayurveda, ein Begriff aus der altindischen Hochsprache Sanskrit, bedeutet vollständiges Wissen ( Veda) vom Leben (Ayus). Schon vor 3500 Jahren wurden Texte zu Ayurveda in den Veden, den Schriften des Hinduismus, niedergeschrieben. Es handelt sich nicht um eine reine Medizinlehre. Ayurveda lehrt neben der Behandlung von Krankheiten auch, was ein gesunder Lebensstil sowohl körperlich als auch geistig-spirituell bedeutet, und wie man bei Einhaltung aller Regeln Langlebigkeit erzielen kann. Der Mensch gilt als Mikrokosmos und als Abbild des ihn umgebenden Makrokosmos.

Die drei Doshas (Grundkräfte) sind das Kernstück dieser Gesundheitslehre. Hergeleitet aus den fünf Elementen Feuer, Wasser, Luft , Erde und Äther bestimmen sie den Organismus. Diese drei Doshas heißen Vata, Pitta und Kapha. Vata (Luft/Äther) regelt Atmung, Bewegung, Nerventätigkeit und geistige Aktivität. Die Eigenschaften von Pitta (Feuer/Wasser) haben mit Verbrennungsvorgängen in unserem Körper zu tun. Pitta ist also für Verdauung, Stoffwechsel und Körperwärme zuständig. Seellisch-geistig ist Pitta mit Gefühlen und Intelligenz verbunden. Kapha (Erde/Wasser) sorgt für den Bau und die Widerstandskraft des Körpers. Dieser Lebensenergie wird das Immunsystem zugeordnet. Seelisch geistig steht Kapha für Ausgeglichenheit und unser Gedächtnis.

Krankheit bedeutet ein Ungleichgewicht der Kräfte

Der Anteil der drei Lebenskräfte ist bei jedem Mensch verschieden stark ausgeprägt. Je nachdem unterscheidet die ayurvedische Lehre zwischen Vata- Pitta- oder Kaphamenschen.

Die Typisierung ist wichtig für die Beurteilung eines Symptoms oder einer Krankheit. Neben der Klassifizierung des Doshatyps beurteilt der Ayurvedadoktor mit einer speziellen Pulsdiagnose, in welchem Zustand sich die Lebenskräfte befinden und wie ihr Verhältnis untereinander ist. Die klassischen Untersuchungsmethoden Fragen, Hören, Sehen, Riechen und Tasten gehören selbstverständlich zu seinem Repertoire. Heute ergänzen aber auch in Indien die apparativen Methoden der westlichen Medizin die Diagnosefindung, zum Beispiel das EKG, der Ultraschall und die Blutuntersuchungen. Sind alle drei Doshas funktionstüchtig, gilt der Mensch als gesund. Immer ist eine Störung oder ein Ungleichgewicht die Ursache der Krankheit.
Nach Vorstellung von Ayurveda führt dieses Ungleichgewicht der Kräfte zu Ablagerungen von "Ama", Gift- und Schlackenstoffen im Körper. Um diese aus dem Organismus auszuleiten und die Doshas wieder in die richtige Balance zu bringen, wenden die Ayurvedaärzte verschiedene Reinigungsverfahren an. Das "Panchakarma" ist eine regelrechte Reinigungskur. Dabei wird das "Ama" durch Fasten, Schwitzen, Bad und Massage, oft auch durch Erbrechen, oder Abführen eliminiert. Zum Entschlacken gehört auch das über den Tag verteilte, schluckweise Trinken von lauwarmem Wasser mit Kräuterabkochungen. Jedes gute Restaurant in Indien serviert übrigens dieses Wasser kostenlos seinen Gästen. Die verschiedensten Kräuterbäder und Ölmassagen sind die weitaus angenehmsten Behandlungsmethoden des Ayurveda. Nach jahrhundertealten Rezepturen werden Kräuter und Arzneien in Sesamöl, Butterfett, Buttermilch oder Reis gekocht. Damit werden dann die Salbungen des ganzen Körpers oft von mehreren Behandlern verabreicht. Zum Behandlungskonzept gehören Yoga und auf den jeweiligen Doshatyp ausgerichtete Ernährung. Die ayurvedischen Arzneimittel bestehen aus zahlreichen Heilpflanzen verschiedenster Zubereitung, Mineralien und Metallen. Ihre Herstellung ist meist langwierig und arbeitsintensiv. Im Interesse westlicher Rheumatiker steht im Moment ein Präparat aus dem Weihrauchstrauch. Seine anti-entzündliche Wirkung soll dem Cortison ähnlich sein. Doch Ayurveda will mit seinem Wissen vom Leben nicht nur Krankheiten behandeln. In seinen "Lebensregeln" zur Erhaltung der Gesundheit lehrt es vor allem krankhaften Störungen vorzubeugen.

Dabei spielen auch meditative Elemente eine Rolle. Ein gesunder Mensch soll zwei Stunden vor Sonnenaufgang aufstehen, Blase und Darm entleeren und den Tag mit Meditieren und Yogaübungen beginnen. Mit einem biegsamen Streifen aus Holz oder Metall soll er jeden Morgen den Belag von der Zunge schaben. Für viele Inder ist das so selbstverständlich wie für uns das tägliche Zähneputzen, und manch einer wundert sich, warum wir das nicht tun. Massagen mit Öl, Salben oder Pulvern runden die Körperpflege ab. Sie verhindern nach ayurvedischer Vorstellung das Altern und verlängern das Leben.

Nicht alle Therapeutensind qualifiziert

Im Westen hat sich Ayurveda vornehmlich in Form von "Maharishi Ayur-Veda" verbreitet. Die Bewegung um Maharishi Mahesh Yogi, einst Guru der Beatles, hat in Europa und Deutschland einige Zentren und Sanatorien. Einige niedergelassene Ärzte und Heilpraktiker haben diese Disziplin in ihr Programm aufgenommen.

Es gibt aber auch andere Anbieter. Leider mangelt es häufig an Qualifikation. In westlichen Ländern kann sich nämlich jeder Laie die Bezeichnung "Ayurveda-Therapeut" schon nach Besuch eines Wochen- oder Wochenendkurses anheften. Ein vierwöchiges Studium am Florida Vedic College in den USA schließt man sogar mit der Bezeichnung "Doktor des Ayurveda" ab. In Indien dagegen muß ein Ayurveda-Arzt üblicherweise vier bis fünf Jahre praktisch und theoretisch an einem College büffeln und dann an einer Universität sein Examen ablegen. Die Durchfallquote ist wegen der strengen Maßstäbe relativ hoch. Danach muß er ein Jahr in einem Ayurvedahospital arbeiten. Dennoch gibt es auch in Indien schon wenig qualifizierte und auch unseriöse Heiler, denn die Bezeichnung Ayurveda ist nicht geschützt.

Die Deutsche Gesellschaft für Ayurveda, empfiehlt allen Interessierten, sich an niedergelassene Ärzte oder Heilpraktiker mit ayurvedischer Zusatzausbildung zu wenden. Oder an eines der Maharishi-Ayurveda Gesundheitszentren (Sehen Sie dazu bitte den untenstehenden Kasten) Wichtig zu wissen: Die Kosten für ayurvedische Therapien werden von den gesetzlichen und Krankenkassen allgemein nicht übernommen.

Margret Brehm

 


Kontaktadresse:

 

    • Deutsche Gesellschaft für Ayurveda
      Wildbadstr. 201
      56841 Traben-Trarbach
      Tel. 06541- 5817
      Die Gesellschaft versendet gegen frankierten Rückumschlag (DM 2,20) eine Liste von rund 60 niedergelassenen Ärzten und Heilpraktikern in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die nach dem Ayurveda arbeiten, außerdem Informationen über die Maharishi-Ayurveda Gesundheitszentren sowie eine Bücherliste

 


Literatur

 

    • Ayurveda - Wesen und Methodik
      Prof. Subhash Ranade
      K.F. Haug Verlag DM 78.--
    • Ayurveda
      GU Ratgeber Gesundheit
      DM 19.80
    • Ayurveda für jeden Tag
      Schrott,Ernst Dr.med.
      Mosaik Verlag München 1994
    • Die köstliche Küche des Ayurveda
      Schrott Ernst,Dr.med.
      Mosaik Verlag München 1995

 


Konstitutionstypen des Ayurveda

 

Nach dem Verständnis der ayurvedischen Lehre prägen die drei Doshas oder Lebensenergien unsere Persönlichkeit. Sie heißen Vata, Pitta und Kapha.

Die Doshas bestimmen sowohl die psychischen als auch die physischen Eigenschaften eines Menschen. Jeder Mensch verfügt über alle drei Doshas. Es gibt aber bei jedem Menschen eine tendenzielle Vorherrschaft eines, manchmal auch zweier Doshas. Diese können gleichzeitig, oder jeweils zu einer verschiedenen Jahreszeit dominieren.

Diese Konstitution erklärt Stärken und Schwächen eines Menschen und somit eventuelle Anfälligkeit für Krankheiten. Ziel für jeden ist es, unter Berücksichtigung seiner persönlichen Grundmischung der Kräfte, in einem Gleichgewicht der Doshas zu leben.

Vata entstammt dem Element Luft. Dieses Dosha steht für Bewegung. Menschen mit Vata-Natur sind wendig im Denken, handeln rasch, können Kälte schlecht ertragen und besitzen einen eher zarten Körperbau. Sie neigen zu "Stress-Persönlichkeiten".

Pitta aus dem Element Feuer steht für wärmesteuernde, enzymatische Abläufe. Menschen mit Pitta-Dominanz können Hitze schlecht ertragen, haben meist einen guten Appetit, eine gute Verdauung und einen leichten Schlaf.

Kapha entstammt den beiden Elementen Erde und Wasser. Menschen mit Kapha- Dominanz sind erdverhaftet, ruhig und beständig. Sie geraten nicht so leicht aus dem Gleichgewicht. Ihr Körperbau ist stabil. Sie zeichnen sich durch eine langsame, aber regelmäßige Verdauung aus. Ihre Auffassungsgabe ist ebenfalls eher langsam, dafür verfügen sie in der Regel über ein sehr gutes Gedächtnis.

Die hier beschriebenen Merkmale der einzelnen ayurvedischen Konstitutionstypen stellen nur eine kleine Auswahl von Eigenschaften dar, die die Persönlichkeit eines Menschen ausmachen. Die gesamte Bandbreite charakteristischer Eigenschaften eines Individuums stellt der geschulte ayurvedische Arzt in einer aufwendigen Analyse fest. Erst dann wird der Mensch einem ayurvedischen Konstitutionstyp zugeordnet.

 

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