Kava-Kava: Umstrittenes Verbot - Schrot und Korn

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Kava-Kava: Umstrittenes Verbot

Präparate mit dem pflanzlichen Wirkstoff Kava-Kava sind seit Juni verboten. Das hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte entschieden. Der Grund: Es gebe den Verdacht, dass Kava-Kava Leberschäden hervorrufe. Bis zu 2,5 m hoch wird die Kava-Kava-Pflanze. Die psychoaktiven Substanzen finden sich jedoch nur in der Wurzel.

Wie das BfArM ausdrücklich betont, sind homöopathische Mittel, bei denen die eingesetzte Menge von Kava-Kava sehr gering ist, von dem Verbot nicht betroffen. Kava-Kava – auch Rauschpfeffer genannt – ist eine Südseepflanze, die den auch synthetisch herstellbaren Wirkstoff Kavain enthält und seit Jahrzehnten zur Beruhigung bei Angst- und Erregungszuständen eingesetzt wird.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) begründet seinen Vorstoß mit zahlreichen Berichten über die leberschädigende Wirkung von Kavain, darunter zwei Todesfällen und mehrere Lebertransplantationen. Diesem Risiko stünde keine hinreichend belegte therapeutische Wirksamkeit gegenüber, behauptet das BfArM.

Schlampige Recherche? Naturheilkundlich orientierte Ärzte sehen das anders. Volker Schmiedel zum Beispiel, Chefarzt an der naturheilkundlich ausgerichteten Habichtswald-Klinik in Kassel wirft dem BfArM schlampige Recherche vor. Er verwies im Fachmagazin Naturarzt auf zahlreiche Studien, die eine Wirksamkeit von Kava-Kava belegen. Auch die Ärztezeitung listet solche Untersuchungen auf und verweist darauf, dass die gesammelten Erkenntnisse über Kava-Kava bereits 1990 im Rahmen einer Monographie veröffentlicht wurden.

Strittig ist neben der Wirkung von Kava-Kava auch das tatsächliche Risiko. In zahlreichen der vom BfArM aufgelisteten Fällen hatten die Patienten andere möglicherweise leberschädigende Medikamente eingenommen. Bei einem Todesfall, für den das Bundesinstitut Kava-Kava verantwortlich macht, lag laut Ärztezeitung bereits vor Einnahme des Medikaments eine Leberzirrhose durch Alkoholmissbrauch vor. Volker Schmiedel kam bei seinen Recherchen auf ganze vier Fälle, in denen Kava-Kava die einzige Ursache für eine Leberschädigung zu sein scheint. In drei dieser Fällen habe eine eindeutige Überdosierung durch die Patienten vorgelegen.

Risikoarme Alternativen? Im BfArM verweist man auf die Risiko-Nutzen-Abwägung. Denn ein Medikament darf Nebenwirkungen haben, wenn der medizinische Nutzen dies rechtfertigt. Für die Behandlung von Angst- und Spannungszuständen gibt es nach Ansicht der Behörde risikoärmere Arzneien.

Dieser Standpunkt ist jedoch umstritten. Theo Dingermann, Präsident der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft, plädierte in der Ärztezeitung dafür, Kava-Kava auf dem Markt zu belassen, da viele Patienten pflanzliche Mittel bevorzugten. Zudem seien bei leichten Angststörungen die chemischen Alternativen nicht angemessen. Ohne Kava-Kava müssten die Patienten auf starke synthetische Beruhigungsmittel wie Valium und Diazepam zurückgreifen. Diese machen nach kurzer Zeit abhängig und können in Einzelfällen ebenfalls zu Leberschäden führen. Chefarzt Volker Schmiedel rechnet damit, dass das Risiko für die Leber bei diesen Mitteln etwa zehn bis zwanzig Mal höher ist als bei Kava-Kava.

Laut einer Pressemitteilung des BfArM liegen mehr als 40 Berichte über meist schwere Leberschäden durch Kava-Kava vor. Dabei sei auch zu berücksichtigen, dass die Mittel bisher nicht verschreibungspflichtig seien. Möglicherweise könnte die Lösung für das Problem also auch darin bestehen, die Präparate unter Rezeptpflicht zu stellen. Zudem könnte auf den Beipackzetteln deutlicher auf das mögliche Risiko für die Leber hingewiesen werden.

Leo Frühschütz

 

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