Gut gelackt ist halb gewonnen - Schrot und Korn

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Gut gelackt ist halb gewonnen

Hände mit gespreizten Fingern wedeln durch die Luft und das Badezimmer riecht nach BASF. Das Metallic-Blau passt gut zum neuen Kleid. Noch ein kurzer Blick in den Spiegel. Alles o.k.. Dann schnell hinaus an die frische Luft. Gibt´s denn keinen Nagellack, der angenehm duftet?

Die Inhaltsstoffe von Kosmetika werden nach der „INCI“ (International Nomenclature Cosmetic Ingredients) angegeben, der europaweit gültigen Deklarationsform. Die Sprache ist englisch, vermischt mit chemischen und botanischen Fachausdrücken. CI-Nummern kennzeichnen darin zum Beispiel die Farbstoffe.

egal ob Auto, Fensterrahmen oder Fingernagel. Ein Lack soll einfach zu verstreichen sein, nicht tropfen, schnell trocknen und die Farbpigmente sollen einen gleichmäßigen, harten Film bilden. Weil die technischen Anforderungen ähnlich sind, gleichen sich auch die Rezepturen: Ein herkömmlicher Nagellack hat mit einem Autolack mehr gemeinsam als mit einem Lippenstift. Eine typische Rezeptur sieht so aus: Hauptbestandteil ist das Lösungsmittel. Es soll möglichst schnell verdampfen, damit der Lack trocknet. Kunstharze und Polymere haben die Aufgabe, auf dem Nagel einen Film zu bilden. Acrylate machen ihn abriebfest, während Weichmacher die Lackschicht geschmeidig halten, damit sie nicht so leicht abbricht. Andere Chemikalien sorgen für die richtigen Fließeigenschaften oder die gleichmäßige Verteilung der Farbpigmente. Oft schützt auch ein UV-Filter den Lackfilm vor energiereichen Sonnenstrahlen.

Hautausschlag statt Lady-Look. Angesichts dieser Rezeptur erstaunt es nicht, dass Nagellacke unter anderem in zwei Untersuchungen von US-Hautärzten für ein Drittel aller Kosmetika-Unverträglichkeiten verantwortlich gemacht werden. Ausgelöste Allergien treten dabei meist nicht an den Händen, sondern im Gesicht auf, bevorzugt an den Augenlidern, wo die Haut besonders empfindlich ist. Denn unsere Hände und Finger berühren oft das Gesicht. Meist unbewusst, wenn wir den Kopf in die Hände stützen oder uns die Augen reiben. Wie stark allergisch oder anderweitig schädlich ein Nagellack wirkt, hängt wesentlich davon ab, welche Zutaten im Detail die Rezeptur bilden. Eine immer noch vorkommende „Lass-die-Finger-davon-Zutat“ ist das aromatische Lösungsmittel Toluol. Seine Dämpfe machen nicht nur müde und verwirrt, sondern können langfristig auch Nieren und Nervensystem schädigen. Fast schon eine Pickel-Garantie ist ein Kunstharz aus den Zutaten Toluolsulfonamid und Formaldehyd, das sich in der englischsprachigen INCI-Deklaration hinter der Bezeichnung „Tosylamide/Formaldehyde Resin“ verbirgt. Dieser Filmbildner gilt als Hauptursache für Nagellack-Allergien, weil er hochal-lergenes Formaldehyd freisetzt. Ein drittes Risiko in herkömmlichen Nagellacken sind Phtalate als Weichmacher, denn sie können Leber und Nieren schädigen.

Kaum Alternativen. Angesichts dieses Schadstoff-Cocktails stellt sich eine Frage: Warum gibt es eigentlich nur so wenig Naturkosmetikhersteller, die Nagellack im Programm haben? Wer eine Holzbank wetterfest lackieren will, findet schließlich ein großes Angebot an Naturfarben. Da dürfte es doch nicht unmöglich sein, einen Nagellack aus natürlichen Zutaten zu produzieren. Ist es auch nicht, vorausgesetzt, frau wartet einige Stunden, bis der Lack trocken ist. Ein schnell trocknender Bio-Nagellack in schillernden Farben dagegen ist ein Härtetest für Entwicklungslabors. Zwei Naturkosmetikhersteller haben das Problem gelöst.

Noch nicht ganz Naturprodukt. Sante Naturkosmetik orientiert sich an der gängigen Rezeptur und hat problematische Inhaltsstoffe ersetzt. Als Lösungsmittel dienen bei ihren Nagellacken Butyl- und Ethylacetat, die trotz des esterartigen Geruchs als unbedenklich gelten. Toluol, Formaldehyd und Phtalate kommen nicht vor, ebenso wird auf synthetische Duft- und Konservierungsstoffe verzichtet. Sowohl die filmbildenden Kunstharze als auch die Lösungsmittel und ein Teil der Farbstoffe stammen aus der Erdöl-Chemie. „Ein reines Naturkosmetik-Produkt sind diese Nagellacke mit Sicherheit nicht“, sagt Sante-Marketingleiterin Bettina Bockhorst. „Wir wollten eine Lücke im Sortiment schließen und unseren Kundinnen, unter denen sich viele Allergiker befinden, eine Alternative zu den herkömmlichen Rezepturen anbieten.“ Mit natürlichen Rohstoffen sei das, trotz erheblicher Forschungsanstrengungen, nicht zu machen gewesen. Das hätte Einschränkungen bei der Farbpalette und bei den Trocknungszeiten bedeutet. So jedoch ermöglichen die Mischungen verschiedener Mineralpigmente und organischer Farbstoffe ein Sortiment von 24 Tönen.

Zwar farblos, aber natürlich. Gewisse Einschränkungen nimmt die Firma Provida mit ihrem Bio-Nagellack bewusst in Kauf. Nach etwa vier Minuten ist der Lack oberflächentrocken. Zehn Minuten dauert es allerdings, bis der Lack völlig durchgetrocknet ist. Bisher gibt es ihn nur als farblosen Glanzlack, doch: „An farbigen Varianten arbeiten wir“, verrät Provida-Geschäftsführer Jerg Wohnhas. Dafür besteht der Provida Bio-Nagellack vollständig aus natürlichen Rohstoffen. Wichtigste Zutat ist Schellack. Der Name erinnert an die ersten Schallplatten oder an Möbelpolitur. Tatsächlich waren das früher zwei Anwendungsgebiete dieses Naturstoffes aus Indien, Thailand und China. Die Lackschildlaus sticht die Zweige bestimmter Bäume an, verdaut den austretenden Saft und scheidet ihn als eine harzige, sich verkrustende Masse wieder aus. Diese Masse kommt in gereinigter Form als Filmbildner und Festigerharz in verschiedensten Qualitäten in den Handel. Unser Wort Lack stammt übrigens vom indischen „lakh“. Das heißt Hunderttausend und ist ein Hinweis auf die vielen Läuse, die dieses Naturprodukt erzeugen. Schellack ist anders als synthetische Harze vollständig biologisch abbaubar, ungiftig und geruchlos. Er lässt sich in Alkohol lösen, trocknet schnell und ergibt einen sehr dünnen, aber harten Film, der nicht splittert. Um als Grundlage für einen Nagellack zu dienen, muss der ursprünglich orangefarbene Lack gebleicht und nochmals aufwendig gereinigt werden. Weil Schellack relativ dünnflüssig ist, geben nach Vanille riechendes Benzoeharz und Myrrhenöl ihm eine etwas festere Konsistenz. Gleichzeitig erhöhen diese beiden pflanzlichen Stoffe die Biegsamkeit des Lackes und seinen Glanz. Kampfer als weitere Zutat verbessert die Löslichkeit des Schellackes in Bio-Alkohol.

Accessoires. Zum Nagellack gehört auch ein Nagellackentferner. Vor allem bei farbigen Lacken sieht es hässlich aus, wenn er splittert und plötzlich nur noch zwei Drittel des Nagels lackiert sind. Dann muss die Farbe runter. In konventionellen Produkten übernimmt diese Aufgabe teilweise noch Aceton. Das Lösungsmittel gilt im Vergleich zu anderen als gering giftig, kann aber, in größeren Mengen eingeatmet, dennoch zu Schädigungen von Organen und zentralem Nervensystem führen. Vor allem aber trocknet das entfettende Aceton die Nägel stark aus und kann bei wiederholtem Kontakt zu Kontaktdermatitis, einem nichtallergischen Hautschaden, führen. Soweit das einschlägige Sicherheitsdatenblatt. Dass es auch anders geht, zeigen die Nagellackentferner von Sante und Provida, die beide auf der Basis von Bio-Alkohol arbeiten. Dazu kommen Orangen- oder Zitronenöl, die reich an Terpenen sind und als natürliche Lösungsmittel auch in Naturfarben eingesetzt werden. Leo Frühschütz


Ein Tipp:

Nagelhärter machen durch die enthaltenen Chemikalien die Nägel nicht nur hart, sondern auch brüchig. Alternativ kann man die Nägel härten, indem man warmes Mandel- oder Olivenöl in die Nagelhaut einzumassiert.


Nicht nur Lack allein

Gut aussehen ist nicht das einzige Motiv, das zwei Drittel aller Frauen zumindest gelegentlich zu Nagellack greifen lässt. Der Film auf den Nägeln soll diese auch vor Beanspruchungen schützen. Brüchige oder rissige Nägel sind ein weiterer Grund. Um all diesen Ansprüchen gerecht zu werden, bieten Kosmetik-Hersteller neben Nagellack aber auch andere Produkte an. Etwa Nagelhärter, die Fingernägel vor mechanischer Beanspruchung und Einreißen schützen sollen. Nagelschutz-Produkte kombinieren den Lack mit antibakteriell wirksamen Substanzen, die Pilzinfektionen oder Entzündungen des Nagelbettes verhindern sollen. Bei einer Nagel-Kur stehen pflegende Substanzen im Vordergrund, um den Nagel elastisch zu machen. Von Dr. Hauschka gibt es ein Nagelöl, mit pflegendem Neembaumöl. Provida bietet sogar eine komplette Serie mit Nagelpflege-Produkten an.


Schöne Nägel durch essen

Nägel, die leicht einreißen oder brechen, lassen sich nicht nur mit Kosmetika, sondern auch durch eine gezielte Ernährung stärken. Wirkstoffe, die sich positiv auf das Wachstum von Haaren und Nägeln auswirken, sind Biotin und Panthotensäure, die zu den B-Vitaminen zählen. Biotin ist zum Beispiel in Blumenkohl und Sojaprodukten reichlich vorhanden, Quellen für Pantothensäure sind Weizenkeime und Hülsenfrüchte. Auch Kieselsäure, reichlich in Hirse enthalten, gibt den Nägeln mehr Festigkeit und Elastizität. Ein Mangel an Eisen, Calcium oder Zink kann ebenfalls an den Nägeln zu Tage treten.

 

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