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Hier heilt die Erde

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Anfang des 20. Jahrhunderts: therapeutische Schlammbäder im Jungborn, dem damals größten Naturheilzentrum Europas © PR-Material

GESUNDHEIT Bereits vor 100 Jahren erkannte Adolf Just die medizinischen und kosmetischen Eigenschaften von Heilerde. Heute entwickelt Urenkelin Ariane Kaestner seine Ideen und das Unternehmen weiter. Astrid Wahrenberg

Pudrig und fein fühlt sich die Erde an, trocken rieselt sie wie Mehl durch die Finger. Mit Wasser angerührt wird sie ein Matschiges. Die positive Wirkung von Erde hatte Adolf Just (1859-1936) am eigenen Leib erlebt. Ärzte hatten ihm eine Nervenkrankheit diagnostiziert, konnten aber nicht helfen. Linderung fand Just in der Natur: Er zog in eine Hütte im Wald, schlief auf dem Boden, machte Nacktwanderungen und fühlte sich gesünder. Über das seltsame Verhalten schüttelten viele den Kopf, andere inspirierte er mit seiner freigeistigen Naturverehrung.

Anfang des 20. Jahrhunderts eröffnete Just in seiner Heimat im Harz das damals größte Naturheilzentrum Europas, den Jungborn, mit Platz für 250 Menschen. Es kamen unter anderem Schauspieler, Philosophen, Dichter und Denker, darunter Rudolf Steiner und Franz Kafka. Sogar Mahatma Gandhi schickte Abgesandte. Es gab gymnastische Übungen und Sonnenbaden im Garten. Nackt. Schlammbäder und Lehm-
umschläge gehörten zur Therapie. Und die Küche servierte vegetarische (Roh-)Kost aus eigenem Bio-Anbau.

1908 legte Just die Leitung des Sanatoriums in die Hände seines Bruders, um sich ganz dem Studium heilender Erden zu widmen. Nahe seiner Heimatstadt Blankenburg stieß er auf eine Lössqualität mit einer besonderen Zusammensetzung an Mineralien und Spurenelementen, die er Luvos Heil-
erde nannte. Das Unternehmen war gegründet. Der Zweite Weltkrieg und die Umwandlung in einen volkseigenen Betrieb der DDR hätten fast das Ende für Luvos bedeutet. Doch Justs Schwiegersohn Otto Köhler setzte sich 1950 in den Westen ab, holte die Familie nach und gründete die Firma im Taunus neu.

Löss gibt es überall auf der Welt, „aber die medizinische Qualität, die wir brauchen, gleicht der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen“, sagt Ariane Kaestner, heutige Geschäftsführerin der Firma und Urenkelin des Gründers. Morgens in Gummistiefeln im Matsch, mittags im Businessdress im Büro ist für die 48-Jährige Alltag. Denn Luvos baut „schon immer“ selbst Löss ab. „Nur so haben wir die Kontrolle über alle Arbeitsschritte und können die hohe Qualität garantieren“, sagt Kaestner. In der Luvos Lössgrube bewegen Radlader und Bagger die Erdmassen.

Kein Abbau im Naturschutzgebiet

Als Mitglied im Bergbauverband sitzt Kaestner regelmäßig mit Unternehmern an einem Tisch, die Ziegel, Fliesen oder Waschbecken herstellen. Es geht um Bergrecht, Genehmigungsverfahren oder Amphibienschutzprogramme. „Mit unseren Abbaumengen sind wir ein eher kleines Licht“, sagt die Geschäftsfrau. Doch die Gesetze für den Abbau von Bodenschätzen gelten. Am Anfang steht die Suche nach dem geeigneten Rohstoff. In die engere Auswahl kommen nur Gebiete, die bereits erschlossen sind. Ist ein passendes Areal gefunden, schließen sich chemische und mineralogische Untersuchungen an. Besitzt der Löss die medizinische Eigenschaft der Säurebindung? Kann er schädliche Stoffe aufnehmen? Ist er frei von unerwünschten Rückständen? Geologen erstellen mit Probebohrungen bis in zehn Meter Tiefe eine unterirdische Landkarte, die zeigt, wo die Lössvorkommen liegen. Erst wenn eine Abbaugenehmigung vom Bergamt vorliegt, darf der Bagger ran.

Löss, aus dem Heilerde hergestellt wird, besteht aus Mineralstaub. Die Zusammensetzung variiert: Hauptbestandteile sind Mineralien wie Quarz, Kalkspat, Dreischichttonminerale, Feldspat und Dolomit. Während der Eiszeit zermalmten Gletscher mitgeführtes Gestein und hinterließen ein feines Gesteinsmehl, das von starken Winden aufgewirbelt und über größere Strecken transportiert wurde, bevor es sich in mächtigen Schichten ablagerte. 

Heilerde bindet Säuren

Trocknen, mahlen, sieben – an den Verarbeitungsschritten hat sich bis heute nichts geändert: Früher trocknete der Löss in der Sonne, heute kommt er in einen 20 Meter langen Heiztunnel und wird auf 130 Grad erhitzt, „das tötet mögliche Keime ab“, sagt Kaestner. Anschließend wird gemahlen, mit Hilfe von Ultraschall fein gesiebt und unter Arzneimittelbedingungen abgefüllt.

Als Kaestner vor zwölf Jahren die Geschäftsführung übernahm, erahnte sie das Potenzial, das in Heilerde steckt. Sie initiierte zahlreiche Studien an Kliniken und Forschungseinrichtungen. Diese belegen die wichtigste Eigenschaft der Heilerde: Säure binden. Innerlich wirkt Heilerde so gegen Durchfall, beruhigt den Darm, bindet Cholesterin und entgiftet. Heute ist Luvos-Heilerde nach eigenen Angaben das einzige Arzneimittel mit dem Wirkstoff Heilerde, das gegen Sodbrennen und säurebedingte Magenbeschwerden zugelassen ist. Äußerlich hilft sie bei Akne, Muskel- und Gelenkbeschwerden und Entzündungen. Außerdem soll Heilerde als mineralischer Katalysator wirken, der freie Radikale abbaut und den Körper vor oxidativem Stress bewahrt.

Neueste Forschungen zeigen, dass auch Histamin-ausgelöste Lebensmittelunverträglichkeiten gebessert werden können. Die Geschichte der Heilerde wird also weitergeschrieben. 

Ariane Kaestner

Name: Heilerde-Gesellschaft Luvos Just (Der Name Luvos leitet sich von „Diluvium“ ab, der früheren Bezeichnung für die letzte Eiszeit.)
Gegründet: 1918 in Blankenburg (Harz)
Sitz: Friedrichsdorf bei Frankfurt; Mitarbeiter: 27
Produkte: Heilerde-Pulver verschiedener Feinheitsgrade zur innerlichen und äußerlichen Verwendung, Heilerde in Kapseln und als Granulat, Bio-Nahrungsergänzung, Naturkosmetik-Cremes, -Fluids und Masken, medizinische Hautpflege für Neurodermitishaut.
Homepage: www.luvos.de

Adolf Just, der Begründer von Luvos, studierte die heilenden Erden.
Trocknen, mahlen, sieben – Löss wird zu Heilerde verarbeitet.
Von Anfang bis heute: Bei Luvos  wird der Löss selbst abgebaut.
Erschienen in Ausgabe 05/2018

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