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Wer zahlt Homöopathie?

Homöopathie (© dpa/Martina Kalaba/CHROMORANGE)
Gesundheit kostet: Oft müssen Patienten Homöopathie aus eigener Tasche zahlen. (© dpa/Martina Kalaba/CHROMORANGE)

GESUNDHEIT Die Homöopathie ist ein beliebtes Naturheilverfahren. Doch zahlen die Kassen dafür? Ein Überblick von Anamnese bis Zuzahlung. // Sylvia Meise

Schnupfen, Nasennebenhöhlenentzündung, Mittelohrentzündung – seit über einem Jahr war der vierjährige Linus ständig verschleimt und wurde vom Kinderarzt immer wieder, auch antibiotisch, behandelt. Aber nichts änderte sich. Schließlich rieten Bekannte: Geht doch mal zum Homöopathen.

Genau solche hartnäckigen Infektanfälligkeiten sind oft der Grund, Homöopathie auszuprobieren. Nach einer Allensbach-Umfrage sind fast allen Deutschen Globuli-Kügelchen bekannt. Nach Praxiserfahrungen von Therapeuten sind die Vorstellungen über die Therapie selbst jedoch eher vage: irgendwas mit Natur, also sanft.

Tatsächlich ist Homöopathie nur eine der nicht-schulmedizinischen Naturheilverfahren, zu denen etwa auch Akupunktur oder Osteopathie gehört. Es gibt verschiedene Homöopathie-Richtungen. Die Kassen kooperieren jedoch nur mit „klassischen Homöopathen“, die jeweils nur ein Mittel nach dem „Ähnlichkeitsprinzip“ verabreichen, um die Selbstregulierungskräfte des Organismus zu aktivieren. Wer etwa unter Verschleimung leidet, bekommt ein Präparat, das je nach Dosis die Schleimhäute reizen kann.

Neben Infektanfälligkeit suchen aber auch Patienten mit Allergien, Burn-out-Symptomen oder Panikattacken Hilfe bei Homöopathen, nicht selten auf Empfehlung des Hausarztes. Schade, dass nur die Behandlung durch Ärzte, nicht aber die von – auch nachweislich gut qualifizierten – Heilpraktikern von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlt wird.

Auf Qualität achten

Die Methode ist umstritten, aber beliebt, nur deshalb zahlen viele Kassen sie als Sonderleistung. Die Behandlung beim Heilpraktiker zahlen sie bis auf Ausnahmen nicht. Denn: Der Beruf ist nicht geschützt. Zwar gibt es Qualitätssiegel der Homöopathie Stiftung (www.homoeopathie-zertifikat.de) oder der Qualitätskonferenz des BKHD (www.bkhd.de/qualifizierung.html), aber die Bezeichnung Heilpraktiker garantiert anders als bei Ärzten weder Basiswissen noch mehrjährige, praktische Erfahrung. Doch gibt es auch Ärzte, die sich Homöopathen nennen, obwohl sie weder eine gute homöopathische Ausbildung noch Praxiserfahrung vorweisen können. Man sollte grundsätzlich nach der Ausbildung fragen und, ob der oder die Behandelnde Mitglied in einem seriösen Berufsverband ist, wie dem Deutschen Zentralverein homöopathischer Ärzte DZhÄ oder dem Verband klassischer Homöopathen vkhd.

Viele Krankenkassen erstatten Homöopathie nur, wenn von ihnen ausgewählte Ärzte sie anwenden. Wesentlicher Kostenpunkt der Behandlung ist das Grundgespräch, die sogenannte Erstanamnese. Sie kann 40 Minuten bis zwei Stunden dauern und 80 bis 200 Euro kosten. Die darauffolgenden, oft rein telefonischen Beratungsgespräche sind kürzer, 15 bis 30 Minuten, und kosten 25 bis 35 Euro. Globuli werden sparsam verabreicht, die Kosten liegen bei verträglichen acht bis zwanzig Euro für eine Verschreibung.

Der Heilpraktiker Thomas Jahrmarkt, der Linus behandelt hat, rät zur Zusatzversicherung nur für chronisch Kranke. Die Frankfurter Homöopathin Katharina Oppermann empfiehlt sie für Kinder, die parallel zum Kinderarzt auch zu ihr kommen. Leider sind die Versicherungsangebote sehr unübersichtlich. Eine einheitliche Regelung, wer was und wofür zahlt, gibt es nicht einmal unter den regionalen Ablegern der gesetzlichen Versicherer.

Die AOK Hessen etwa zahlt für homöopathische Erst- und Folgeanamnese bei einem Vertragsarzt (die Rechnung muss nach Gebührenordnung der Ärzte, GOÄ, Ziffer 30 oder 31 ausgewiesen sein) maximal 240 Euro pro Kalenderjahr für Behandlungen und Arzneimittel. Die Kosten werden vom Gesamtbudget für alternative Heilmethoden abgezogen. Die AOK Bayern dagegen zahlt: nichts.

Wer zahlt nun was?

Auch Vergleichsportale liefern nur grobe Orientierung. Sie beruhen auf Eigenangaben der Versicherungen und fokussieren auf die Beitragskosten. Sogar die Webseiten der Kassen selbst bleiben oft vage. Beispiel DAK: „Wenn Sie bei einem Vertragsarzt mit einer anerkannten Zusatzausbildung in der homöopathischen Medizin in Behandlung sind, können die Leistungen zu einem Teil einfach über Ihre DAK-Versichertenkarte abgerechnet werden.“ Auf Nachfrage erfährt man, dass die Erstanamnese mit 42, die Folgeanamnese mit 21 Euro bezuschusst wird.

Eine andere Variante sind Verträge, die Arzt und Patient miteinander abschließen und von der Versicherung  genehmigt werden müssen. Das soll verhindern, dass die Behandlung abgebrochen und bei einem anderen Arzt fortgeführt wird. Drei Beispiele, was diese Kassen nach Vertragsabschluss zahlen: die Betriebskrankenkasse BKK VBU übernimmt die Behandlungen komplett und Arzneien bis zu 100 Euro (Kinder 150 Euro) im Jahr. Die Techniker Krankenkasse zahlt Behandlungen für 24 Monate, dann folgt ein Ruhejahr und trägt Arzneimittel bis 100 Euro jährlich. Die Barmer übernimmt nur die Behandlungs-, nicht aber die Arzneimittelkosten.

Einige gesetzliche Kassen übernehmen gar keine Naturheilverfahren, darunter mindestens diese neun: AOK Sachsen-Anhalt, AOK Bayern, AOK Rheinland/Hamburg, BKK Vital, Debeka BKK, Salus BKK, Siemag BKK, BKK Metzinger und KKH.

Im Fall von Linus haben seine Eltern die Kosten noch nicht mal eingereicht. Es gab ein langes, ausführliches Gespräch. Dafür verlangte der Heilpraktiker 120 Euro. Drei Globuli bekam Linus direkt in der Praxis. Kurz danach, erzählt Thomas Jahrmarkt, „riefen mich die Eltern völlig verdutzt an, der Infektherd war verschwunden, der Junge gesund.“ Und dabei ist es bis heute geblieben. Seitdem hat der Junge nur noch ganz normale Erkältungen, die nicht behandelt werden müssen.

Was zahlt die Kasse?

Homöopathie gehört nicht zum Leistungskatalog gesetzlicher Krankenkassen, dennoch zahlen dafür knapp 80 der insgesamt 112 gesetzlichen Kassen zumindest teilweise. Bedingung: die Behandelnden müssen (Vertrags-)Ärzte sein - außer bei der regionalen IKK Südwest. Die Kostenübernahme erfolgt auch bei privaten Kassen selten zu 100 Prozent. Dazu gibt es Kostendeckelungen und Gesamtbudgets. Nach Behandlungen sind auch Sperren für das darauffolgende Jahr möglich. Abgerechnet wird via Chipkarte oder Einreichung von Privat(!)-Verordnungen und Quittungen. Da jede Kasse alles variiert: Prüfen und Nachfragen!

Links:
Verbandsseiten homöopathischer Ärzte bzw. Heilpraktiker: www.welt-der-homoeopathie.de; www.vkhd.de
Bundesverband Arzneimittel-Hersteller e.V. (BAH): www.homoeopathie-entdecken.de
Stiftung Warentest: www.test.de/Krankenkassenvergleich-1801418-0/ (zahlungspflichtig)
Vergleichsportal: www.krankenkasseninfo.de

Auf Nummer Sicher

Es gibt zahlreiche private Heilpraktiker-Zusatzversicherungen, oft als Angebotsmix für Naturheilverfahren, Brillen und Zahnersatz. Nach einer Studie der Stiftung Warentest ist keine in allen drei Bereichen gleich gut. Unbedingt also die Details checken und mit der vorhandenen Krankenversicherung abgleichen. Bei manchen steigen die Kosten rapide mit zunehmendem Alter der Versicherten und/oder haben Wartefristen bis zur Inanspruchnahme – andere sind besonders kostengünstig für Kinder. MED Komfort Start-U (Axa), Bayerische Beamtenkasse/UKV NaturPRIVAT und uni-medA-Premium (Universa) sind gute Angebote für den Schwerpunkt Homöopathie.

Links
Stiftung Warentest: https://www.test.de/Heilpraktiker-Brille-Zahnersatz-Fuer-wen-lohnt-sich-eine-Zusatzversicherung-5165383-5168175/vergleich/?sort=bewertungDerHeilpraktikerleistungen (kostenpflichtig)
Das Portal: https://www.heilpraktikerzusatz-versicherung.de

Mehr zum Thema:

www.gesetzlichekrankenkassen.de
Das Portal vergleicht die Leistungen gesetzlicher Krankenkassen

www.versicherung-vergleiche.de/zusatzversicherung-heilpraktiker/index.php
Die Tarife und Leistungen von Zusatzversicherungen für Naturheilverfahren im Vergleich

 

Wiesenauer, Markus;  MaxiQuickfinder  Homöopathie: Der schnellste Weg zum richtigen MittelWiesenauer, Markus; MaxiQuickfinder Homöopathie:
Der schnellste Weg zum richtigen Mittel.
GU 2015, 312 Seiten, 24,99 €

Erschienen in Ausgabe 12/2017

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Elisabeth Lehner

Sie erwähnen die TK positiv. Ich habe meine langjährige Mitgliedschaft bei der TK gekündigt, weil sie die Kosten für homöopathische Behandlungen im 3. Jahr nicht mehr übernimmt, d.h. ihre Leistungen in der letzten Zeit gekürzt hat so wie andere große Kassen auch.

Seit mehr als 22 Jahren betreibe ich eine Heilpraktikerpraxis mit dem Schwerpunkt Homöopathie in Berlin. Seit mehr als 10 Jahren bin ich von der SHZ anerkannt zertifizierte Homöopathin. Generell werden nachwievor heilpraktische Leistungen von Gesetzlichen Krankenkassen nicht erstattet. Ich empfehle meinen Patienten eine Zusatzversicherung über einen Versicherungsmakler abzuschließen.

Dass die Folgetermine "oft rein telefonischen Beratungsgespräche" sind und 15-30 Minuten dauern und gerade mal 25-35 Euro kosten sollen, hat mich doch in großes Erstaunen versetzt. Welcher niedergelassene Hausarzt telefoniert mit seinen Patienten, um zu überprüfen ob die verordneten Medikamente anschlagen? Solche Falschaussagen sind es doch, die die klassische Homöopathie bei Gegnern immer wieder in Verruf bringt. Der Folgetermin nach der Erstanamnese ist für den Homöopathen sehr wichtig, um zu überprüfen, ob der Fall nach den Regeln der klassischen Homöopathie richtig läuft. Dieser Termin sollte 4-6 Wochen nach der ersten Mitteleinnahme stattfinden.

Gerade in der klassischen Homöopathie arbeitet man immer mit der Gesamtheit der Symptome und behandelt seine Patienten mit chronischen Erkrankungen meist über Jahre. Sicherlich gibt es im akuten Krankheitsfall meist die Möglichekeit seinen Homöopathen telefonisch zu konsultieren (da der chronische Fall aufgenommen ist) und dies sind dann meist Beratungen von 10-20 Minuten.