Algen: nahrhafte Beauty-Experten - Schrot und Korn

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Algen: nahrhafte Beauty-Experten

Sie sind so vielfältig und formenreich wie das Leben selbst: Algen. Und sie gehören zu den derzeit spannendsten Forschungsobjekten, ihr Potenzial ist riesig. Gerade für Wellness und Schönheit haben sie viel zu bieten. // Jutta Krause

Achtung, Algenalarm! Grüne, glitschige Masse, die leicht modrig nach Meer riecht, sich in Badeseen oder am Ostseestrand ausbreitet und sich schwer von den Glaswänden des Aquariums waschen lässt – das mag eigentlich keiner. Trotz alledem werden Algen von manchem hoch geschätzt. Weshalb? Aus vielen Gründen, meinen Wissenschaftler und Experten, die den grünen bis braunen Wasserpflanzen bereits seit einigen Jahren größte Aufmerksamkeit schenken. Denn Algen sind Multitalente in Sachen Schönheit und Wohlbefinden.

Algen: überall zu Hause

Algen sind so vielseitig wie vielgestaltig: Sie gleiten als riesige Tange durchs Meer oder tummeln sich als mikroskopisch kleine Einzeller in Wasserpfützen. Man findet sie im ewigen Eis Grönlands ebenso wie in den sieben Weltmeeren, in Flüssen, Teichen und Tümpeln – ja sogar im Fell von Faultieren. Weder große Hitze noch Eiseskälte, noch Wassermangel, hohe Salzkonzentrationen, Temperaturschwankungen oder intensive Sonneneinstrahlung sind ein Problem für die Anpassungskünstler. Sie kompensieren diese Unbilden durch biochemische Mechanismen, die Forschung und Industrie geradezu in Euphorie versetzen.

Für das Klima leisten Algen eine wichtige Aufgabe. Eine Tonne Algen kann fast zwei Tonnen Kohlendioxid binden. Genau wie Landpflanzen wandeln sie das Treibhausgas bei der Photosynthese in Sauerstoff und Biomasse um, jedes zweite Sauerstoffatom auf dem blauen Planeten geht auf ihr Konto. Damit nicht genug: Auch für das Leben in den Meeren sind Algen unentbehrlich, sie stehen als Primärproduzenten an der Spitze der marinen Nahrungskette. Die Nährstoffe, die sie selbst zum Wachsen benötigen, ziehen sie mittels Osmose aus der Flüssigkeit, die sie umgibt. In einem Kilo getrockneter Algen befinden sich die Wirkstoffe von geschätzten 100 000 Litern Meerwasser. Ihre Nährstoffdichte ist erstaunlich. Sie sind reich an Mineralstoffen und Spurenelementen, enthalten hochwertiges pflanzliches Protein sowie zahlreiche Vitamine.

Natürliche Schutzfaktoren

Ganz allgemein zeichnen sich Algen dadurch aus, dass sie extrem viel Feuchtigkeit binden können. Pflegeprodukte mit Algenextrakten sind daher für trockene, sensible Haut geeignet. Weil der leicht saure pH-Wert der Algen dem unserer Haut ähnelt, nimmt sie die Extrakte gut auf und lässt sie bis in tiefe Schichten vordringen. Die Aminosäuren in den Algen regen die Proteinsynthese der Haut an und stimulieren so die Zellerneuerung. Als mineralstoffhaltigste Pflanzen überhaupt sind auch ihre remineralisierenden Eigenschaften von Bedeutung.

Die vielfältigen Überlebensstrategien von Algen macht sich die Kosmetikindustrie in den verschiedensten Beauty- und Wellnessprodukten zunutze. So können die Schutzmechanismen, mit denen sich Algen, die dicht unter der Wasseroberfläche wachsen, gegen übermäßige UV-Strahlung wappnen, auch die lichtbedingte Hautalterung reduzieren. In Asien, wo helle Haut noch immer dem gängigen Schönheitsideal entspricht, hat etwa das Carotinoid Astaxanthin längst seinen Siegeszug angetreten. Es wird von einer Süßwasser-Grünalge (Haematococcus pluvialis) produziert, die sich damit vor zu viel Sonne schützt, gilt als ausgesprochen wirkungsvolles Antioxidans und kann die Haut vor Umwelteinflüssen schützen. Wenn Grünalgen, die in flachen Salzwasserpfützen wachsen, Substanzen bilden, die sie bei Ebbe vor dem Austrocknen bewahren, kann dieser sogenannte Maritime Moisturizing Factor (MMF) auch trockener Haut auf die Sprünge helfen. Die Braunalge Laminaria Ochroleuca widersteht selbst heftiger Brandung, indem sie sich selbst strafft, dabei kann sie aber auch ganz flexibel sein. Diese Fähigkeit verdankt sie einem hohen Anteil an pflanzlichem Kollagen, das auch der menschlichen Haut Festigkeit verleiht. Das ebenfalls in ihr enthaltene Polysaccharid Alginsäure wiederum ermöglicht es ihr, viel Feuchtigkeit zu speichern. Das macht Laminaria zur begehrten Zutat in Kosmetik, die das Hautbild verbessern und erste Fältchen glätten soll.

Experten für jedes Alter

Auch für die junge, unreine Haut gibt es Spezialisten. Zahlreiche Algenextrakte regulieren die Talgproduktion, beruhigen die irritierte Haut und regen die Wundheilung an. Die entwässernde und entschlackende Wirkung von Algen wird bei Algenwickeln oder Packungen genutzt. Nicht umsonst gelten diese als die Figur straffende Schlankmacher und Geheimwaffe gegen Cellulite. Zudem gelten diese Behandlungen – ebenso wie ein Bad mit Algenzusätzen – als entgiftend. Nicht zuletzt zeigt es die Thalasso-Therapie: Ein Bad zwischen Algen oder eine Packung mit Algenexrakten ist eine wahrlich entspannende Wohltat für Haut, Körper und Seele.

Überzeugende Algenvielfalt

Packungen und Bäder
Algen und Thalasso gehören untrennbar zusammen: Denn ein wesentliches Element der Thalasso-Therapie ist die äußerliche Anwendung von Algen und Meeresschlick. Mehr unter www.cosmia.de (Stichwort „Thalasso“)

Für Schönheit von innen
Algen, z.B. die Sorten Kombu, Wakame, Nori, können aufgrund ihres hohen Gehalts an Aminosäuren, essenziellen Fettsäuren und Mineralstoffen sowie Vitaminen eine wahre Bereicherung des Speiseplans sein. Auch geschmacklich warten sie mit Überraschendem auf. Mehr unter schrotundkorn.de/algen

Das zusätzliche Plus
Nährstoffreiche Mikroalgen, zum Beispiel die Süßwasseralgen Chlorella und Spirulina, sind beliebte Grundlage für Nahrungsergänzungen. Besonders im Fokus stehen dabei Vitamin B12 sowie Omega-3-Fettsäuren. Hierzu siehe Interview.

Interview: „ Frische Algen können einen Beitrag zur Vitamin B12-Versorgung leisten“

Prof. Dr. Gerhard Jahreis
Prof. Dr. Gerhard Jahreis, Ernährungswissenschaftler an der
Universität Jena, erforscht seit Jahren begeistert das Gesundheitspozential von Algen.

Algen avancieren mehr und mehr zur beliebten Rezept-Zutat, auch in der westlichen Küche. Welchen Beitrag können Algen zur Nährstoffversorgung leisten?

Algen haben einen hohen Proteinanteil und enthalten in der Regel alle essenziellen Aminosäuren. Dazu kommen Vitamine, ein sehr breites Mineralstoffspektrum und ein hoher Ballaststoffgehalt. Bei den Fettsäuren muss man unterscheiden zwischen Makro- und Mikroalgen. Während Makroalgen eher geringe Mengen der wichtigen Omega-3-Fettsäuren enthalten, haben wir in Mikroalgen das drin, was wir wirklich brauchen, nämlich viel an Omega-3-Fettsäuren, speziell auch große Mengen an DHA (Docosahexaensäure), der Fettsäure, die der Mensch nicht aus pflanzlichen Omega-3-Vorstufen herstellen kann.

Wie sieht es mit dem vor allem für Veganer wichtigen Vitamin B12 aus? Es ist umstritten, ob Algen bioverfügbares, das heißt für den Körper verwertbares B12 enthalten ...

Neue Studien zeigen, dass Algen einen deutlichen Beitrag zur Versorgung mit Vitamin B12 leisten können. Vor allem in frischen Algen ist der Anteil an bioverfügbarem B12 unter den Corrinoiden deutlich über 50 Prozent, durch die Verarbeitung geht er leider deutlich zurück.

Welche Algen sind für die Ernährung besonders empfehlenswert?

Meine Empfehlung sind Norialgen, weil sie vielseitig verwendet werden können und deshalb einen wichtigen Beitrag zur Ernährung leisten. Sie können lecker zubereitet werden – etwa bei Sushi. Nori ist die beste Quelle für Vitamin B12 und hat zudem noch einen hohen Gehalt an Eisen und an Omega-3-Fettsäuren.

Weil Nori gerade bei diesen drei „Problemnährstoffen“ punktet, gebührt dieser Alge ein fester Platz in der veganen Ernährung. Auch für ältere Menschen, die alle drei Nährstoffe in höherem Maße brauchen, ist Nori besonders zu empfehlen.

Was muss man beim Algenverzehr beachten? Gibt es Risiken – kann etwa der hohe Jodgehalt problematisch sein?

Wer zur Schilddrüsenüberfunktion neigt, sollte bei Algen sehr vorsichtig sein. Fünf Gramm Laminaria können zum Beispiel bis zu 6 Milligramm Jod enthalten, das entspricht dem 30fachen der Zufuhrempfehlung!

Makroalgen aus ungünstigen Gebieten können auch mit Schadstoffen und Schwermetallen belastet sein. Man sollte deshalb auf kontrollierte Qualität achten.

Bücher und Links

Oberbeil, Klaus; Coudert, PatrickOberbeil, Klaus; Coudert, Patrick: Warum Fische nie dick werden,
Systemed Verlag 2014, 180 Seiten, 19,90 Euro

 

Liebke, Frank

Liebke, Frank: Algen Apotheke,
Remerc & Lheiw Verlagskontor, 1. Auflage 2010, 120 Seiten, 14,90 Euro

 

www.weltderalgen.wordpress.com
Dieser spannend gestaltete Blog des Algenexperten Jörg Ullmann enthält viel Lesenswertes zum Thema. Neben Porträts verschiedener Algen findet man Geschichten, Fakten und Rezepte, die Lust darauf machen, das ein oder andere selbst auszuprobieren.

www.algen.biz
Algen im Tank und in der Kosmetik, Porträts verschiedener Algen  und News zum Thema geben hier einen Einblick in die Algenwelt. Auch das Thema Algen in der Ernährung kommt nicht zu kurz.

www.thalasso-verband.de
Ausführliche Infos über Algen und ihre Anwendung für Schönheit und Wellness sowie Adressen für Thalassotherapie. Der Verband Deutscher Thalasso-Zentren e.V. klärt auf und informiert umfassend über die Möglichkeiten einer Therapie mit Algen und Co.

www.planet-wissen.de/natur_technik/pflanzen/algen
Ansprechend gestaltete Seite des WDR mit Infos zu Vielfalt und Nutzen von Algen samt Videos, Rezepten und Features zu Themen wie Biosprit aus Algen.

Algen auf dem Teller

Algen können aufgrund ihres hohen Gehalts an Aminosäuren, essenziellen Fettsäuren und Mineralstoffen sowie Vitaminen eine wahre Bereicherung des Speiseplans sein.

Weltweit stehen rund 500 Algenarten auf dem Speiseplan. Hier eine Auswahl der Bekanntesten:

Nori
Zu Blättern gepresst kennt man sie von Sushi. Ihr Geschmack ist süßlich, ihr Jodgehalt gering. Man kann sie auch mit den Fingern zerkrümelt als Gewürz über Fischgerichte, Gemüsesuppen oder Salat streuen.

Kombu
Ihre großen, langen Blätter eignen sich zum Kochen, Sautieren oder Frittieren. Sie schmecken intensiv nach Fisch und dienen als Basis für Dashi-Brühe. Kombu enthält besonders viele Mineralstoffe und hat einen sehr hohen Jodgehalt.

Hijiki
Gelten in Japan als Delikatesse. Sie sind fest, schmecken intensiv nach Meer und leicht nach Anis und eignen sich für Suppen, Tofu oder Gemüsegerichte.

Wakame
Findet man meist in Misosuppe. Ihr kräftiger Meergeschmack und die knackige Konsistenz passen gut zu Fisch. Zerstoßen ergibt Wakame ein feines Gewürz. Ihr Geheimnis liegt im hohen Glutaminsäuregehalt.

Meersalat
Wird frisch oder schonend getrocknet als Rohkost verzehrt. Die Grünalge erinnert an Spinat, hat einen angenehm milden, leicht süßlichen Geschmack und wird in Asien gern als Salat zubereitet.

Autorin: Jutta Krause

Erschienen in Ausgabe 10/2014

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Bettina

Danke für den aufschlussreichen Artikel der einen schönen Überblick liefert. Es gibt leider so viele kontroverse Meinungen zu diesem Thema, obwohl die Vorzüge ja eigentlich offensichtlich und unstrittig sind... Wer genaueres zum Thema Chlorella und Spirulina wissen möchte findet z.B. hier reichlich Infos http://www.chlorella-spirulina.info