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Ernährungsforschung

Hatte Hay doch Recht?

Hält die Hay‘sche Trennkost schlank und gesund? Die offizielle Ernährungslehre sagt nein. Inzwischen haben Forscherentdeckt: Kohlenhydrate und Eiweiß im dichten Kombipack sind das reinste Mastfutter. // Elke Achtner-Theiß

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Diätmethoden kommen und gehen, die Hay‘sche Trennkost hält sich seit Jahrzehnten, wie ABBA-Titel in den Charts. Mehr als 50 Bücher gibt es dazu auf dem deutschsprachigen Markt. Fast alles Rezeptbände, denn die Theorie dahinter mag simpel sein, die Praxis ist kompliziert. Laut Trennkost dürfen alle stark kohlenhydrathaltigen Lebensmittel (beispielsweise Kartoffeln, Brot, Nudeln und süßes Obst) grundsätzlich nicht mit eiweißreicher Nahrung (wie zum Beispiel Fleisch, Fisch und Ei) kombiniert werden. Vielmehr soll man sie zu verschiedenen Mahlzeiten mit wenigstens vierstündigem Abstand „getrennt“ voneinander essen - daher der Name.

Eine radikale Forderung, die nahezu alle bekannten Rezepte - ob Döner oder Coquille St. Jacques - vom Tisch wischt. Als Belohnung fürs mühsame Umlernen winken eine lebenslange Idealfigur und stabile Gesundheit. So versprach es jedenfalls Ahnvater Howard Hay (1866-1940), der sich mit dieser Methode selbst von Übergewicht und einer schweren Stoffwechselstörung befreit hatte. Kohlenhydrate und Eiweiß im dichten Kombipack, so glaubte der amerikanische Arzt, überforderten die Verdauung. Der Organismus übersäure, die Speisen blieben unverdaut, der Körper schwemme auf.

Mit seiner Theorie fand er zu Lebzeiten kaum Beachtung. Erst der deutsche Mediziner Dr. Ludwig Walb machte die Trennkost in den 60er Jahren publik und die Kochbuchautorin Ursula Summ sorgte bald für eine alltagstaugliche Umsetzung. Seither wächst die Fangemeinde langsam aber stetig, zumal seit sie so populäre und dauerhaft grazile Galionsfiguren wie Christine Kauffmann und Uschi Glas vorzuweisen hat. Der Erfolg hat der etabliertenErnährungswissenschaft indes nicht weiter zu denken gegeben, sie erklärte Hays Thesen von jeher als Unsinn.

Auch Susanne H. A. Holt und Janet C. Brand Miller, Forscherinnen der University of Sydney, dürften bis dato keinen Gedanken an Hay und seine Trennkost verschwendet haben. Im Rahmen einer Studie fahndeten sie zwar nach den Ursachen für das weltweit grassierende Übergewicht und den daraus resultierenden Stoffwechselerkrankungen, allerdings unter anderen Prämissen: Sie wollten die Insulin-

entwicklung nach verschiedenen Mahlzeiten näher betrachten. Denn Insulin, ein Hormon der Bauchspeicheldrüse, ist nach neuerer Erkenntnis ein wichtiger Faktor für unsere Zucker- und Fettspeicherung. Manchen Theoretikern gilt es sogar als das „Masthormon“ schlechthin, seit der Frühgeschichte der Menschheit darauf programmiert, unsere Futterverwertung zu optimieren. Leider völlig unabhängig von unserem tatsächlichen Bedarf.

Der halbe Weg ist Glyx

Bis dahin war die Insulinausschüttung nach bestimmten Mahlzeiten selten im Detail gemessen worden. Einfacher war es, sie zu errechnen, und zwar anhand des „glykämischen Index“ einzelner kohlenhydratreicher Lebensmittel, dem inzwischen berühmt-berüchtigten „Glyx“. Als gängiger Insulinindikator hat der Glyx - eigentlich eine Messlatte für den Blutzuckerspiegel - zwar seine Berechtigung, doch die Wissenschaft bedient er nur unvollständig. Das australische Team wollte es genauer wissen, es sozusagen von der Bauchspeicheldrüse direkt erfahren: Welche Kohlenhydrate fordern sie real am meisten heraus? Und wie viel Insulin schüttet sie aus, wenn man ihr - im Rahmen üblicher Mischkost -

Fett und Eiweiß dazu serviert?

Die Bauchspeicheldrüse hat geantwortet. Mit reichlich kryptischem Zahlenmaterial. Noch heute, fast sieben Jahre später, tut sich die Ernährungswissenschaft schwer, die Messergebnisse von Sidney zu verdauen. Zumal dem derzeitigen Herrschaftswissen gleich mehrere Beobachtungen sauer aufstoßen dürften. Das größte Rätsel aber gab die extreme Insulinkurve auf, die vier spezielle NahrungsmitteI auslösten, obwohl sie auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben: ein Fruchtjoghurt, ein mit Milchproteinen angereicherter Schokoriegel, einige Gelatinebonbons und ein Bohnengericht. Wie eine Rakete stieg die Insulinkurve jedesmal an, noch rascher, noch höher als bei Weißbrot. Warum? Wer sich mit Trennkost beschäftigt hat, der ahnt es: Sie alle enthalten sowohl Kohlenhydrate als auch Eiweiß satt.

Neu: die Insulin-Trennkost

Damit nicht genug! Die Tests von Sydney zeigten auch, dass die Insulinkurve bei der offiziellerseits viel gescholtenen, von Hay dagegen empfohlenen Kombination von Kohlenhydraten und Fetten nur verhalten ansteigt. Croissants zum Beispiel provozierten weniger Insulin als Brötchen pur, Pommes frites weniger als gekochte Kartoffeln. Die Union von Eiweiß und Fett (wie in Käse, Ei und Fleisch) ließ die Bauchspeicheldrüse dafür erwartungsgemäß kalt. Hatte Hay also Recht? - „Das nicht gerade“, sagt Ernährungsmediziner Dr. Detlef Pape aus Essen, der die Studie aufmerksam analysiert und die Diskussion darüber seit Jahren verfolgt. Hays Erklärungsansatz, die Übersäuerung, sei wissenschaftlich nicht haltbar. „Doch immerhin: Hay hat manches richtig beobachtet“, stellt er fest. Für die Behandlung seiner übergewichtigen und diabeteskranken Patienten hat Pape schon vor Jahren Konsequenzen gezogen und eine nach seiner Einschätzung genauso wirksame, aber weniger strikte „Insulin-Trennkost“ entwickelt, die nur beim Frühstück und beim Abendessen Beschränkungen vorsieht.

Die Studie von Sydney macht plausibel, wieso es Trennköstlern besser gelingt, ihr Gewicht zu reduzieren und zu halten. Und sie lässt ahnen, weshalb eine fettreduzierte, kohlenhydratbetonte, eiweißangereicherte Nahrung nirgendwo zur Gewichtsabnahme, sondern im Gegenteil zu noch mehr Fettleibigkeit geführt hat. Die offiziellen Ernährungsempfehlungen allerdings schweigen sich aus. Auch dafür hat Pape eine einleuchtende Erklärung: „Unter den Talaren - der Muff von tausend Jahren!“

All you can eat!

In den 30er Jahren entwickelte Howard Hay eine eigenwillige Variante der Vollwert-Ernährung. Er empfahl, kohlenhydrat- und eiweißreiche Lebensmittel nicht zu kombinieren. Beides könne aber, zusammen mit viel Gemüse und naturbelassenen Ölen, serviert werden - und zwar in unbeschränkter Menge.

Zum Weiterlesen:

Ähnliche Themen behandeln die Schrot&Korn-Beiträge „Ist schlank sein Glyxsache?“ und „Der Streit um die wahren Dickmacher“. Rufen Sie die Artikel unter www.schrot-und-korn.de ab.

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Bekendorf
Die fettreduzierte Trennkost hat sich in unserer Familie als einzig dauerhafte Möglichkeit zur Gewichtsreduzierung und Erhaltung bewährt.Nur, weil sie keiner wiss. Untersuchung bisher wert war, oder nicht ins Bild passte, ist sie doch wirksam. Eine Umkehr zu machbarer Ernährung und besserer Anwendbarkeit ist eher angezeigt.
Patzer
ist gut geschrieben und auch für Laien zuverstehen
Magdalena Winzig
Sehr interessanter Artikel, könnte aber noch ausführlicher sein!

Auf jeden Fall: Danke!
Ursula Summ
Hay hatte Recht und war seiner Zeit weit voraus. Immer mehr Menschen erkennen dies und ernähren sich grob nach den Regeln der Trennkost. Man muss ja nicht mit Ess - Scheuklappen durch die Welt laufen, aber ein gut durchdachtes System wirkt wahre Wunder, was Gesundheit und Figur betrifft. Herzlichst, Ursula Summ
Karin Kettler
Echt interessanter Artikel, ich würde nur gern noch mehr darüber lesen. Auch ist der Stil sehr nett geschrieben und gut verständlich!
Girouard
Die Kost habe ich auf Grund von Übersäurung vor vielen Jahren gemacht. Sie hat tatsächlich zur Gewichtsabnahme und zum besseren Wohlbefinden geführt. Ich überlege, ob ich sie nicht wieder aufgreifen sollte. Danke für den Artikel.



Mit freundlichem Gruß

Virginia Girouard
Missi
Guter Einstiegsartikel in die Trennkost.

Bin selber schon seit Jahren damit sehr zufrieden.
Norbert
Ein echt guter Bericht,der aufzeigt,daß bis dato kein einziger Mensch "die" richtige Ernährung er(ge)funden hat!

LOGI,bzw. Low-Carb(Eiweißmahlzeit)-oder Low-Fat(überw.Kohlenhydrate) finden sich in der Trennkost wieder....

Also könnte HAY doch

(bedingt) recht haben.

MfG N.Landgraf
Tino
sehr informativ