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Warenkunde Erfrischungsgetränke mit Kohlensäure

Es ist heiß. Der Schweiß rinnt in kleinen Bächen den Rücken hinunter, die Zunge klebt am Gaumen. Sprudelnde Durstlöscher sind im Sommer besonders gefragt.
01.07.2001

Es ist heiß. Der Schweiß rinnt in kleinen Bächen den Rücken hinunter, die Zunge klebt am Gaumen. Sprudelnde Durstlöscher sind im Sommer besonders gefragt. Auch die Bio-Branche bietet solche Erfrischungsgetränke an - von Cola bis Wellness-Drinks. Ihr Vorteil: Die Getränke enthalten nur natürliche Zutaten.

Fast 100 Liter alkoholfreie Erfrischungsgetränke, die meisten davon mit Wasser und Kohlensäure, trinkt der deutsche Durchschnittsbürger im Jahr. Ein Blick auf die Zutaten konventioneller Getränke lässt die Begeisterung allerdings schnell abkühlen. Wasser, Zucker, sowie Farb- und Geschmacksstoffe aus dem Labor sind die Regel, natürliche Zutaten eher die Ausnahme. Ein Fünftel der deutschen Zuckerproduktion geht in den Getränkemarkt. Das ist ebensoviel, wie die Süßwarenindustrie verbraucht.

Die Beliebtheit der süß-prickelnden Durstlöscher war für die Hersteller von Bio-Lebensmitteln eine Herausforderung. Sie haben Getränke aus rein natürlichen Zutaten entwickelt, die ohne Industriezucker auskommen. Weil die Bio-Brausen keine künstlichen Zusatzstoffe enthalten, werden sie als kohlensäurehaltige Erfrischungsgetränke und nicht als Limonade deklariert.

Wasser und Kohlensäure


Wasser ist mengenmäßig die wichtigste Zutat in Erfrischungsgetränken und Limos. Während bei konventionellen Billigprodukten Trinkwasser durchaus üblich ist, setzen die Bio-Hersteller natürliches Mineralwasser ein. Es enthält mehr Mineralstoffe und - wegen seiner Herkunft aus tiefen Quellen - weniger Schadstoffe wie zum Beispiel Nitrat. Die Bio-Betriebe haben eigene Brunnen oder arbeiten mit Mineralwasserquellen in räumlicher Nähe zusammen, um lange Transportwege zu vermeiden. Natürliches Mineralwasser enthält zwar Kohlensäure, allerdings reicht der Gehalt meist nicht für einen richtigen Zisch. Deshalb wird Kohlensäure zugesetzt.

Süß ohne Industriezucker


Bei konventionellen Durstlöschern steht meist der Zucker an der zweiten Stelle der Zutatenliste. Das Deutsche Lebensmittelbuch schreibt für Limonaden einen Mindestgehalt von sieben Prozent vor. Oft sind es mehr. Bei Cola liegt der Anteil zum Beispiel bei gut zehn Prozent. Die meisten Bio-Durstlöscher liegen unter oder bei sieben Prozent. Bei ihnen stammt der Zucker jedoch nicht aus der Fabrik sondern aus den eingesetzten Früchten. Nachgesüßt wird in einigen Fällen mit Agavensaft oder Honig. Rohrohrzucker als Zutat findet sich nur in einigen Wellness-Drinks mit Kombucha-Anteilen. Hier ist der Zucker als Nahrung für den Kombucha-Pilz nötig. Light- oder Diät-Varianten von "Bio-Limonaden" gibt es nicht. Bei diesen Produkten wird der Zucker durch Süßstoffe ersetzt, die für Öko-Lebensmittel prinzipiell tabu sind.

Aroma und Farbe


Wie der Zucker, so kommen auch Geschmack und Farbe bei den Bio-Produkten aus den eingesetzten Früchten. Das macht sie im Vergleich zu konventionellen Limonaden deutlich teurer. Der Fruchtsaftgehalt liegt bei den "Bio-Limonaden" je nach Produkt zwischen drei und zwölf Prozent, bei Wellness-Drinks sind es gut 20 und bei Schorlen 50 bis 60 Prozent. Oft mischen die Hersteller mehrere Säfte, die sich im Geschmack gegenseitig unterstützen. Soll es intensiv nach Orange schmecken, hilft auch ein Spritzer Orangenöl in Bio-Qualität. Ein besonderes Geschmackserlebnis sind "Bio-Limonaden" mit Auszügen von Holunderblüten. Die kleinen weißen Blüten des heilkräftigen Busches haben ein sehr eigenwilliges Aroma, das sowohl an Beeren als auch an Kräuter erinnert.

In konventioneller Limonade müssen keine natürlichen Zutaten enthalten sein. Für den Geschmack sorgen, so steht es ausdrücklich im Deutschen Lebensmittelbuch, Aromaextrakte oder so genannte natürliche Aromen. Die notwendige Säure stammt von chemisch hergestellten Zusätzen wie Zitronensäure. Das Ganze wird als Limonadengrundstoff deklariert. Werden in solche Limonaden Fruchtsäfte oder Fruchtsaftkonzentrate gegeben, dient dies vor allem der Verkaufsförderung. Drei Prozent Zitronen- oder Orangensaft genügen und aus dem künstlich aromatisierten Bizzelwasser wird eine "Limonade mit Fruchtsaftanteil". Bei Kernobst wie Äpfeln und Trauben muss der Saftanteil bei 15 Prozent liegen, bei allen anderen Früchten genügen fünf Prozent.

Weil so ein bisschen Orangensaft die Limo nicht leuchtend gelb macht, greifen konventionelle Hersteller in den Farbstoff-Kasten. Das Lebensmittelbuch erlaubt Carotin und Riboflavin, um mehr Orangensaft vorzutäuschen. Soll das Getränk golden nach Apfelsaft aussehen oder gar dunkelbraun wie Cola, dann wird Zuckerkulör zugegeben. Hergestellt wird dieser natürlich klingende Farbstoff indem Industriezucker mit starken Laugen erhitzt und mit starken Säuren wieder abgekühlt wird. Für Bio-Cola kommt Zuckerkulör nicht in Frage. Die Hersteller setzen stattdessen natürliches Karamel ein, das entsteht wenn Zucker ohne Zusätze langsam erhitzt wird. Ist Koffein enthalten, stammt das aus südamerikanischen Guarana-Samen oder aus Kaffeebohnen. Um dem typischen Cola-Geschmack nahezukommen greifen die Anbieter zu natürlichen Aromen oder zu Aromaextrakten aus bestimmten Gewürzen.

Fruchtsaftgetränke und Schorlen


Neben den Limonaden mit und ohne Fruchtsaft kennt das Lebensmittelbuch noch Fruchtsaftgetränke. Bei ihnen ist der Fruchtanteil höher. Bei Kernobst und Trauben liegt er bei mindestens 30 Prozent, bei Zitrusfrüchten bei sechs und bei allen anderen Früchten bei zehn Prozent. Weil das nicht unbedingt einen vollmundigen Fruchtgeschmack ergibt, dürfen auch Fruchtsaftgetränke aromatisiert werden, allerdings muss der Aromastoff aus den jeweiligen Früchten stammen. Andere Geschmacksstoffe sind nur zur Abrundung zugelassen. Der Gehalt an Zucker ist nicht begrenzt. Wird die Frucht explizit genannt, zum Beispiel Apfelsaftgetränk, müssen die Fruchtsaftgehalte doppelt so hoch sein. Aromastoffe werden in diesem Fall nicht eingesetzt. Zu den Fruchtsaftgetränken gehören auch die fertig gemischten Schorlen, die sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. Hier haben die Bio-Hersteller in den letzten Jahren ein breites Angebot entwickelt. Neben Apfelsaft-Schorle gibt es auch Mischungen mit Beeren- oder Kirschsäften. Kennzeichnend für die Qualität sind, neben dem natürlichen Mineralwasser, die eingesetzten naturtrüben und frisch gepressten Säfte. Sie werden im Gegensatz zu konventionellen Produkten nicht mit Schwefel konserviert oder mit Dimethyldicarbonat keimfrei gemacht. Notwendig ist jedoch eine Pasteurisierung. Fruchtsaftkonzentrate kommen ebenso wenig in die Bio-Schorle wie Aromen, mit denen viele konventionelle Schorle-Abfüller ihre Mixturen aufpeppen. Dabei werden oft nicht einmal die Standards des Lebensmittelbuches eingehalten wie die Zeitschrift Test bei einer Untersuchung von Apfel-Schorlen feststellen musste. Zehn von 25 herkömmlichen Schorlen bekamen ein "mangelhaft", ganze zwei ein "gut".

Sportlergetränke und Wellness-Drink


Ein boomender Markt bei den Erfrischungsgetränken sind Sportlergetränke und Wellness-Drinks. Diese Entwicklung hat auch vor dem Bio-Markt nicht Halt gemacht. Inzwischen gibt es eine Reihe von Wellness-Getränken auf Mineralwasserbasis, die einen gesundheitlichen Zusatznutzen versprechen. Dieser kommt ausschließlich von natürlichen Zutaten. Die Auswahl ist groß: Grüner Tee, Spirulina-Algen, Aloe-Vera, ayurvedische Kräuter - ja sogar fermentiertes Getreide findet sich in solchen Drinks. Häufig wird auch der Teepilz Kombucha eingesetzt und der von diesem fermentierte Tee mit Mineralwasser gemischt. Zusätze von Mineralstoffen oder Vitaminen, wie sie in konventionellen Produkten üblich sind, gibt es nicht. Die Vitamine in den Früchten und der Mineralgehalt des eingesetzten Wassers sind auch für Freizeitsportler ausreichend.

Cola schadet Knochen


Jugendliche, die viel konventionelle Cola und andere koffeinhaltige Erfrischungsgetränke wie Energy-Drinks zu sich nehmen, riskieren Knochenbrüche und können im schlimmsten Fall an Knochenschwund (Osteoporose) erkranken. Schuld daran ist die Phosphorsäure, die für konventionelle koffeinhaltige Getränke bis zu einem Gehalt von 700 Milligramm je Liter zugelassen ist. Der Phosphor verdrängt das Calcium aus den Knochen und macht sie so anfälliger. Eine Studie der Harvard Medical School zeigte, das Teenager mit hohem Softdrink-Konsum sich drei mal häufiger Knochen brechen als Alterskollegen, die keine Cola mögen. Waren die Jugendlichen sportlich aktiv, stieg das Risiko auf das Fünffache. Gefährlich sind große Mengen Cola und Limo auch für die Zähne. Die Zitronensäure in diesen Durstlöscher greift die Zahnsubstanz an und kann vor allem bei Kindern zu neuartigen Zahnschäden, den so genannten "Erosionsschäden" führen.

Limo selbst gemacht


In jedem vierten deutschen Haushalt steht inzwischen ein Wassersprudler. Dieses Gerät peppt Leitungswasser auf, indem es Kohlensäure zugibt. Wer diesen hausgemachten Sprudel mit einem Saftkonzentrat versetzt, hat seine eigene "Limonade". Solche Konzentrate gibt es in mehreren Geschmacksrichtungen auch in Bio-Qualität.

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