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Vollwerternährung

Es ist paradox: Vollwert-Empfehlungen stehen mittlerweile sogar in konventionellen Ernährungsratgebern. Trotzdem halten sich hartnäckige Vorurteile. Wir haben den Vollwert-„Papst“ Professor Claus Leitzmann um Aufklärung gebeten
31.08.2005
Es ist paradox: Vollwert-Empfehlungen stehen mittlerweile sogar in konventionellen Ernährungsratgebern. Trotzdem halten sich hartnäckige Vorurteile. Wir haben den Vollwert-„Papst“ Professor Claus Leitzmann um Aufklärung gebeten

Irrtümer über gesundes Essen

Es ist paradox: Vollwert-Empfehlungen stehen mittlerweile sogar in konventionellen Ernährungsratgebern. Trotzdem halten sich hartnäckige Vorurteile. Wir haben den Vollwert-„Papst“ Professor Claus Leitzmann um Aufklärung gebeten. // Peter Gutting

„Vollwertkost verursacht Blähungen.“

Das stimmt nur bei plötzlicher, überhasteter Umstellung. Ursache für Bekömmlichkeitsprobleme ist der erhöhte Anteil an Ballaststoffen. Sie bringen die Verdauung in Schwung, senken den Cholesterin-spiegel und beugen Darmkrebs vor. Nehmen Sie sich Zeit (eventuell mehrere Monate) für kleine Schritte. Zuerst nach und nach mehr Obst und Gemüse auf den Tisch bringen. Danach kleine Mengen Vollkornbrot, Vollkornnudeln oder Vollreis. So wird der zuvor unterforderte Darm nicht überfordert.

„Am wichtigsten ist der Frischkornbrei.“

Falsch. Unerhitztes Getreide im Müsli kann der letzte Schritt einer Umstellung sein, muss aber nicht. Vorteil ist der Erhalt sämtlicher Nährstoffe und sekundärer Pflanzenstoffe aus dem ganzen Korn. Gut eingeweicht oder frisch in der Flockenpresse gequetscht ist das Getreide in der Regel verträglich. Wer aber durch rohes Getreide Beschwerden bekommt, sollte es aus seinem Speiseplan streichen. Ein vollwertiges Frühstück kann auch aus Vollkorntoast, Butter, Käse und Früchten bestehen.

„Vollwert-Empfehlungen sind für alle gleich.“

Das ist ein großes Missverständnis. Jeder sollte die allgemeinen Empfehlungen an seine ganz individuellen Vorlieben und Bedürfnisse anpassen. Der eine bevorzugt zum Beispiel einen hohen Anteil Frischkost, der andere liebt Gemüse in gekochter Form. Ganz bewusst sagt die Vollwert-Lehre zum Beispiel nicht „esst mehr Äpfel“, sondern „esst mehr Obst und Gemüse“. Somit kann jeder durch Probieren und Experimentieren das herausfinden, was ihm am besten schmeckt und bekommt.

„Vollwertig kochen braucht viel Zeit."

Kommt auf die Planung an. In 30 Minuten lässt sich so manches frische, vollwertige Mahl auf den Tisch bringen. Mit einer guten Reibe ist Frischkost schnell fertig, Dressing hält sich für einige Tage im Kühlschrank. Wer nicht schnippeln will, greift zu Gemüse-Sticks und Dip. Selbst Getreide und Hülsenfrüchte sind kein Tabu für die schnelle Küche: über Nacht einweichen, morgens kurz aufkochen und quellen lassen. So vorbereitet, lässt sich daraus rasch ein schmackhaftes Mittag- oder Abendessen bereiten.

„Von der Normalkost ist das weit weg.“

Verkehrt. Fast jedes Gericht der konventionellen Küche lässt sich vollwertig zubereiten, von der Pizza bis zur chinesischen Reispfanne. Es empfiehlt sich, nicht unbedingt mit bisher ganz unbekannten Zutaten wie Tofu anzufangen, sondern erst einmal das Vertraute leicht zu verändern. Dazu werden keine speziellen Kochkenntnisse benötigt. Durch schonende Zubereitung und geschicktes Würzen kommt der Eigengeschmack hochwertiger Lebensmittel zur Geltung - ein Anreiz für Genießer.

„Für Mann und Kinder ist das nichts.“

Kommt auf das Geschick an. Ungünstig sind Ankündigungen nach dem Motto „ab morgen wird alles anders“. Sie wecken unbegründete Ängste vor Verzicht. Wer ein schonender hergestelltes, gesünderes Öl verwendet, muss das nicht an die große Glocke hängen. Sinnvoller ist behutsames Vorgehen. Erst am Ende sollte die schrittweise Reduktion des Fleischkonsums stehen. Es ist ein großer Erfolg, wenn nur noch zwei Mal pro Woche Fleisch auf den Tisch kommt. Dafür darf sich die Familie ruhig Zeit geben.

Kernpunkte der Vollwert-Ernährung nach Professor Claus Leitzmann

1. Genussvoll und bekömmlich

2. Überwiegend pflanzlich

3. Bevorzugt gering verarbeitet

4. Ökologisch erzeugt

5. Regional und saisonal

6. Umweltverträglich verpackt

7. Fair gehandelt

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