Essen

Vegetarisch essen in der Schwangerschaft: So seid ihr gut versorgt

Fleischlos essen ist auch in der Schwangerschaft möglich. Entscheidend ist eine ausgewogene Ernährung mit wichtigen Nährstoffen. Wir sagen euch, welche das sind und wo sie drinstecken.

Fleischlos essen gehört für viele Frauen längst zum Alltag. Doch mit einem positiven Schwangerschaftstest kommen oft Unsicherheiten auf: Ist vegetarisch jetzt noch die richtige Wahl? Oder braucht das Baby doch Fisch, Fleisch und Co.? Ärztinnen und Ärzte geben häufig grünes Licht – vorausgesetzt, die Ernährung ist gut geplant. Galt vegetarisch essen mit Babybauch vor Jahren noch als unsicher, sieht die Wissenschaft es mittlerweile anders: „Eine ausgewogene vegetarische Ernährung mit Milchprodukten und Eiern kann grundsätzlich auch in der Schwangerschaft den Bedarf an den meisten Nährstoffen decken“, schreibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung. Sogar eine vegane Ernährungsweise, also das zusätzliche Ausklammern von Milchprodukten und Eiern, sei mit qualifizierter Ernährungsberatung und Nahrungsergänzungen möglich, urteilt die Ernährungsfachgesellschaft. Trotzdem bleiben Fragen: Was heißt ausgewogen essen? Welche Nährstoffe gelten als kritisch? Und wann sind Nahrungsergänzungen sinnvoll?

Welche Nährstoffe sind in der Schwangerschaft wichtig?

Seriöse Antworten darauf gibt das Netzwerk Gesund ins Leben, eine Informationsplattform unter dem Dach des Bundesernährungsministeriums: „Das Risiko für eine Unterversorgung mit Nährstoffen steigt mit jeder weggelassenen Lebensmittelgruppe“, betont Ökotrophologin Andrea Kornblum. Die Nährstoffdichte der Lebensmittel spielt in der Schwangerschaft eine besonders große Rolle. Das heißt: Das Essen sollte möglichst viele wertvolle Nährstoffe liefern – etwa hochwertiges Eiweiß, Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und gesunde Omega-3-Fettsäuren, insbesondere DHA – und dabei nicht unnötig viele Kalorien enthalten. Viel Zucker, stark verarbeitete Kohlenhydrate und zu viel Fett mit einem hohen Anteil gesättigter Fettsäuren sollten möglichst selten auf dem Speiseplan stehen.

Vegetarierinnen und Veganerinnen essen meist mehr Ballaststoffe als Mischköstlerinnen. Das kann Verstopfung vorbeugen. Pflanzliche Kost und Ballaststoffe fördern ein gesundes Darm- und Vaginalmikrobiom. Studien zeigen Vorteile für das Immunsystem von Mutter und Kind. 

Welche Lebensmittel liefern genug Eiweiß in der Schwangerschaft?

„Ausgewogen vegetarisch“ bedeutet demnach frisch und bunt: regelmäßig Vollkornprodukte, täglich drei Portionen Gemüse und zwei Portionen Obst, drei Portionen Milch und Milchprodukte, ein bis zwei Eier, drei- bis viermal pro Woche eine Portion Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen oder Erbsen sowie eine Handvoll Nüsse. „Der in der Schwangerschaft erhöhte Proteinbedarf kann in der Regel durch diesen Lebensmittelmix abgedeckt werden“, versichert Andrea Kornblum. Durch die Kombination pflanzlicher Eiweißlieferanten mit Ei und Milch lässt sich zudem eine hohe Proteinqualität erreichen. Apropos Qualität – gerade in der Schwangerschaft und bei pflanzenbetonter Ernährung lohnt es sich, auf Bio zu setzen.

Gemüse, Obst und Getreide aus Bio-Anbau haben teils eine höhere Nährstoffdichte. Sie wachsen kompakter und enthalten weniger Wasser. Im Vergleich zu konventionellen Produkten sind weniger Schadstoffe wie Nitrate oder Pestizide enthalten. Warum Pestizide in der Schwangerschaft problematisch sein können und wie sich die Belastung reduzieren lässt, haben wir euch in einem eigenen Artikel zusammengestellt.

Risiken minimieren

Eisen, Vitamin B12 und DHA: So bleibt ihr gut versorgt

„Auch Eisen ist ein potenziell kritischer Nährstoff bei schwangeren Vegetarierinnen“, so Kornblum. Regelmäßige Blutkontrollen von Serumferritin und Hämoglobin helfen einen Mangel rechtzeitig zu erkennen. Weitere kritische Nährstoffe bei vegetarischer Ernährung sind die Omega-3-Fettsäure DHA, Vitamin B12 und Zink, so das Netzwerk Gesund ins Leben. Alle relevanten Nährstoffe sollten gemeinsam mit der Frauenärztin, dem Frauenarzt oder einer Ernährungsberatung im Blick behalten werden. Je nach individueller Situation kann dann auch die eine oder andere Nahrungsergänzung sinnvoll oder notwendig sein. Folsäure etwa gehört zu den Vitaminen, die jede Schwangere – egal welche Ernährungsweise – am besten bereits vor, spätestens jedoch in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten ergänzen sollte.
Entspannt und mit Spaß, vollwertig, grün und abwechslungsreich essen, bildet die Basis und liefert einen zusätzlichen Pluspunkt: Die Chance, dass die von der werdenden Mutter ausgewählten Lebensmittel später auch Lieblinge beim Nachwuchs werden, steigt. 

Vegane Ernährung in der Schwangerschaft: Was gilt es zu beachten?

Untersuchungen der sogenannten PREGGIE-Studie zeigen: Bei sorgfältig geplanter veganer Ernährung mit Supplementen kann die Versorgung mit manchen Nährstoffen – etwa Kalzium, Eisen oder DHA – teils sogar zuverlässiger sein als bei Mischkost. Ein möglicher Grund: Veganerinnen wählen ihre Lebensmittel oft bewusster und achten stärker auf Ergänzungen. Unverzichtbar sind Folsäure, Vitamin B12, DHA und Jod; je nach Bedarf auch Kalzium, Eisen, Vitamin D und eventuell Cholin.

Studienteilnehmerinnen gesucht

Omnivor, vegetarisch oder vegan – wer ist gut versorgt? Für eine aktuelle Studie werden Teilnehmerinnen gesucht. Mehr Infos: coplant-studie

Wichtige Nährstoffe in der Schwangerschaft: Hier stecken sie drin

Frau hält Schale mit Gemüse vor sich in den Händen, Küchensituation

Proteine
Fürs Wachstum essenziell. Proteinquellen kombinieren bringt deren Eiweißqualität nach oben: Linsen und Reis oder Amaranth, Kichererbsen und Couscous, Bohnen und Mandeln, Haferflocken und Joghurt.
Eisen 
Wird für die Bildung von Hämoglobin und den Sauerstofftransport benötigt. Gute Quellen sind Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide, Pseudogetreide, dunkelgrünes Blattgemüse, Trockenfrüchte. Die Kombi mit Vitamin- C-haltigem fördert die Eisenaufnahme; Kaffee, Tee, Milchprodukte hemmen sie.
Kalzium 
Knochen und Zähne bauen darauf. Milch, Joghurt und Käse liefern viel davon. Pflanzliche Kalziumquellen sind dunkelgrüne Blattgemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und Saaten sowie Getreide und Pseudogetreide.
Jod 
Unterstützt die Entwicklung von Gehirn und Nervensystem des Kindes. Fällt Seefisch weg, sind alternative Quellen wichtig, etwa jodiertes Speisesalz. Algen können schnell zu viel Jod liefern. Eine Nahrungsergänzung kann sinnvoll sein – in Absprache mit Ärztin oder Arzt.
DHA (Docosahexaensäure)
Ist wichtig für die Entwicklung von Gehirn und Augen. Der Körper kann sie nur begrenzt aus Alpha-Linolensäure bilden. Supplemente auf Algenöl-Basis sind eine vegetarische Quelle.
Cholin 
Spielt mit Folsäure (ergänzen!) eine Rolle beim Aufbau des Nervensystems. Quellen sind: Eier, Hülsenfrüchte, Sojaprodukte wie Tofu, Vollkornprodukte (Haferflocken und Weizenkeime), Nüsse, Saaten und Kohlsorten. 

Häufige Fragen zur Ernährung in der Schwangerschaft

Ist vegetarische Ernährung in der Schwangerschaft gesund?

Ja. Eine gut geplante vegetarische Ernährung kann den Bedarf an wichtigen Nährstoffen in der Schwangerschaft decken. Wichtig sind unter anderem ausreichend Eiweiß, Eisen, Vitamin B12, Jod, Kalzium und Omega-3-Fettsäuren.

Welche Nährstoffe sind bei vegetarischer Ernährung in der Schwangerschaft besonders wichtig?

Besonders wichtig sind Proteine, Eisen, Kalzium, Jod, DHA (Omega-3-Fettsäure), Vitamin B12, Zink und Folsäure. Einige dieser Nährstoffe sollten regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls ergänzt werden.

Brauchen Schwangere Nahrungsergänzungsmittel?

Folsäure wird allen Schwangeren empfohlen. Bei vegetarischer oder veganer Ernährung können zusätzlich Vitamin B12, DHA, Jod oder Eisen notwendig sein. Welche Präparate sinnvoll sind, sollte mit Ärztin, Arzt oder Ernährungsberatung besprochen werden.

Ist vegane Ernährung in der Schwangerschaft möglich?

Ja, eine vegane Ernährung ist in der Schwangerschaft möglich, wenn sie gut geplant wird und wichtige Nahrungsergänzungen eingesetzt werden. Unverzichtbar sind vor allem Vitamin B12, Folsäure, Jod und DHA.

Welche Vorteile hat pflanzliche Ernährung in der Schwangerschaft?

Eine pflanzenbetonte Ernährung liefert viele Ballaststoffe, unterstützt die Verdauung und fördert ein gesundes Darmmikrobiom. Studien zeigen außerdem positive Effekte auf das Immunsystem von Mutter und Kind.

Warum lohnt sich Bio in der Schwangerschaft?

Im Vergleich zu konventionellen Lebensmitteln enthalten Bio-Lebensmittel weniger Schadstoffe und Pestizide. Gerade Pestizide können sich negativ auf das Ungeborene auswirken.

Veröffentlicht am

Kommentare

Registrieren oder einloggen, um zu kommentieren.

Das könnte interessant sein

Unsere Empfehlung

Ähnliche Beiträge

vgwort pixel bild