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Essen

Trennkost nach Pape // Interview

Das Thema Insulin-Trennkost wirft in unserem Internetforum viele Fragen auf. Antworten gibt ihr Erfinder: Dr. Detlef Pape.
31.10.2007

„Trennkost ist für alle - ausgenommen Models“

Das Thema Insulin-Trennkost wirft in unserem Internetforum viele Fragen auf. Antworten gibt ihr Erfinder: Dr. Detlef Pape.

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Dr. Detlef Pape ist Internist in Essen und hat zusammen mit Kollegen die Insulin-Trennkost entwickelt.

Viele Diabetiker sind verunsichert, wenn sie von Insulin-Trennkost lesen. Ihr Arzt schreibt bestimmte BE-Werte zu den Mahlzeiten vor, warnt vor langen Esspausen.

Die Insulin-Trennkost ist für Diabetiker ideal. Viele können ihre Medikamenteneinnahme nach einiger Zeit reduzieren, manche sogar ganz damit aufhören. Allerdings widerspricht die Insulin-Trennkost in vielen Punkten überkommenen Therapien und eine Umstellung ohne ärztliche Begleitung ist riskant. Ich rate dazu, mit dem Hausarzt oder Internisten über die Insulin-Trennkost zu sprechen und erst nach reiflicher Planung und bei fachlicher Begleitung damit zu beginnen. Leichter haben es intensiviert geschulte Diabetiker, die sich mit Selbstmessungen gut steuern können.

Und wenn der Arzt die Umstellung ablehnt?

Bei einem guten Arzt-Patienten-Verhältnis die medizinische Behandlung weiterführen. Für die Ernährungsumstellung nach einem anderen Arzt suchen. Wir können Adressen von geschulten Medizinern anbieten. Allerdings sind es bisher erst wenige.

Auch übergewichtige Schwangere fragen sich, ob es ihrem Kind schaden kann, wenn sie über fünf Stunden nichts essen.

Ich kann versichern, dass drei Mahlzeiten am Tag auch für Schwangere genug sind. Nahezu alle Kulturen haben sich zu allen Epochen mit drei Mahlzeiten am Tag begnügt. Die These von den fünf oder mehr Mahlzeiten, die notwendig seien, um einen Leistungsabfall zu vermeiden, ist eine Erfindung der 6oer-Jahre des letzten Jahrhunderts und entbehrt jedes wissenschaftlichen Belegs.

Im Zusammenhang mit den fünfstündigen Esspausen fällt oft das Stichwort Unterzuckerung.

Eine Unterzuckerung kann bei Diabetikern entstehen, wenn Medikamente nicht richtig an die Ernährung angepasst sind. Oder bei Leistungssportlern, die sich schinden, ohne zu essen. Oder bei richtigem Hunger, wie wir ihn heute in unseren Breiten nicht mehr kennen. Die Insulin-Trennkost lässt die typische Achterbahn von hohen und niedrigen Blutzuckerwerten gar nicht erst entstehen. Wenn bei einer Ernährungsumstellung anfangs vorzeitig ein übermächtiger Appetit aufkommt, kann man sich mit etwas Eiweißhaltigem, also zum Beispiel einem Ei, ein bis zwei Scheiben Käse oder Aufschnitt, behelfen. Oft hilft eine klare Bouillon.

Ist die Insulin-Trennkost auch für Kinder geeignet?

Ich empfehle sie bei übergewichtigen Kindern ab dem 6. Lebensjahr. Allerdings brauchen Schulkinder zusätzlich eine zweite Kohlenhydratmahlzeit am Morgen, eine Pausenverpflegung aus zwei Scheiben Brot mit etwas Butter oder einem eiweißarmen Aufstrich, dazu vielleicht ein Stück Obst und, wenn es verlangt wird, eine kleine Süßigkeit. Süßigkeiten sollte es zum Mittagessen dann das letzte Mal am Tag geben, sozusagen als Nachtisch, nicht zwischendurch und vor allem nicht abends. Wenn Eltern sich daran gewöhnen, abends Salat oder Gemüse mit etwas Ei, Fisch oder Fleisch zu essen, werden die Kinder es auch tun. Man muss allerdings abwarten, ob ein Kind die Trennkost akzeptiert, und sollte nichts erzwingen. Wenn Kinder nicht chronisch falsch ernährt werden, wächst sich das Problem ja zum Glück meist von allein aus.

Manche Leser, vor allem weibliche, sind enttäuscht. Sie haben zwar einen gesunden Body-Mass-Index um die 22 erreicht, klagen aber darüber, dass sie nicht weiter abnehmen. Sie finden sich immer noch zu dick.

Die Insulin-Trennkost baut Übergewicht ab. Sie ist auch geeignet, sich ein gesundes Normalgewicht zu bewahren, sodass man sie als generelle Ernährungsweise lebenslang beibehalten kann. Sie ist aber nicht geeignet, um die Figur eines zeitgenössischen Models zu erzielen. Dafür ist keine vernünftige Ernährungsweise geeignet. Die meisten Frauen müssten dazu über einen längeren Zeitraum regelrecht hungern.

Manche Besucher unseres Forums sehen Widersprüche in Ihrer Theorie. Zum Beispiel, dass Sie die durchaus eiweißhaltige Sojamilch im Morgenkaffee zulassen …

Pflanzliches Eiweiß hat – kombiniert mit Kohlenhydraten – nicht die gleiche Insulinwirkung wie tierisches. Geringe Mengen davon sind auch morgens tolerabel – wenn man seinen Kaffee oder Tee nun mal nicht „schwarz“ mag.

Oder dass Sie in Ihren Rezepten Balsamico-Essig am Abendsalat zulassen, obwohl er fast zur Hälfte konzentrierten Most enthält …

In solch geringen Mengen sind Kohlenhydrate auch zur Eiweißmahlzeit erlaubt. Davon wird kein Insulinschub provoziert.

Vor allem vollwertig orientierte Verbraucher stört, dass Sie synthetisch gesüßte Getränke zwischendurch erlauben. Schließlich kursiert die These, synthetische Süßstoffe würden dick machen.

Besser ist natürlich, nur Wasser, Kaffee oder Tee zu trinken. Aber manche Menschen kommen damit nicht zurecht und trinken infolgedessen zu wenig. Was die These von den dick machenden Süßstoffen angeht: Die modernen Varianten sind nachweislich nicht insulinrelevant und widersprechen daher auch der Insulin-Trennkost nicht. Dennoch sollte man solche Getränke nicht gegen Hungergefühle einsetzen. Über die Sensorik wird unser Verdauungssystem auf Kohlenhydrate vorbereitet, die es dann einklagt. Synthetisch gesüßte Getränke trinkt man besser nur, wenn man bei der Mahlzeit zuvor Kohlenhydrate gegessen hat. ela

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