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„Rohkost-Tage – ein unglaublich gutes Gefühl“

Im Frühling leiden viele Menschen unter der so genannten „Frühjahrsmüdigkeit“. Spielt winterbedingter Nährstoffmangel dabei eine Rolle? Interview mit Dr. Claus Leitzmann, emeritierter Professor für Ernährungswissenschaften.
01.03.2003 vonSabine Kumm
Im Frühling leiden viele Menschen unter der so genannten „Frühjahrsmüdigkeit“. Spielt winterbedingter Nährstoffmangel dabei eine Rolle? Interview mit Dr. Claus Leitzmann, emeritierter Professor für Ernährungswissenschaften.

Schrot&Korn: Im Frühling leiden viele Menschen unter der so genannten „Frühjahrsmüdigkeit“. Spielt winterbedingter Nährstoffmangel dabei eine Rolle?

Claus Leitzmann: Hier zu Lande können wir inzwischen das ganze Jahr über frisches Obst und Gemüse kaufen. Bei einer ausgewogenen Ernährung sind wir normalerweise auch im Winter mit allen Nährstoffen gut versorgt. Nur essen wir in dieser Zeit oft reichlicher als uns gut tut. Und haben dann im Frühjahr an den Folgen zu tragen. Eine wesentlich größere Rolle spielt die hormonelle Umstellung des Körpers auf das Frühjahr. Ich denke da vor allem an das „Schlafhormon“ Melatonin, das an den länger werdenden Tagen nicht mehr in der gewohnten Menge produziert wird. Wir können nicht mehr so viel schlafen und sind leichter erschöpft. Hinzu kommt, dass uns bei einem untrainierten Herz-Kreislaufsystem häufig der Blutdruck zu schaffen macht, wenn sich die Gefäße bei höheren Temperaturen weiten. Mit einer Entschlackung des Körpers können wir da gegensteuern.

Schrot&Korn: Was verstehen Sie unter „Entschlacken“?

Claus Leitzmann: Vor allem über den Winter haben wir in unserem Fett- und Bindegewebe Stoffe eingelagert, die unseren Körper belasten. Dazu gehören zum Beispiel Stoffwechselprodukte aus tierischen Lebensmitteln, wie Fleisch, Wurst, Käse und Eier, die im Organismus sauer wirken.Entschlackung bedeutet: Entwässerung, Entsäuerung, Enteiweißung und Entgiftung. Und das alles führt am Ende zu einer Entlastung des Organismus.

Schrot&Korn: Was können wir tun, um frühlingsfit zu werden?

Claus Leitzmann: Wir sollten unsere Ernährung ernster nehmen als sonst. Es empfiehlt sich, über einen begrenzten Zeitraum von einigen Wochen hauptsächlich Obst oder Gemüse zu sich zu nehmen, roh oder milchsauer vergoren und bevorzugt aus biologischem Anbau, weil diese Produkte weniger belastet sind. Wem das zu viel ist, der kann ab und zu einen Rohkosttag oder eine Rohkostmahlzeit einlegen. Dabei ist es ökologisch und sozial vernünftig, beim Einkauf auf regionale und saisonale Produkte zu achten. Feldsalat bietet sich an, die verschiedenen Kohlarten, Möhren, Lauch und Sellerie, und natürlich Äpfel und Birnen.

Schrot&Korn: Wie sieht es mit Getränken aus?

Claus Leitzmann: Viel trinken ist jetzt besonders wichtig – vor allem Wasser, verdünnte Obst- und Gemüsesäfte oder entschlackende Kräutertees. Das tut dem Blutdruck gut und schwemmt Giftstoffe aus. Tierische Produkte gehören in dieser Zeit nur am Rande auf unseren Speiseplan. Wer sich außerdem möglichst viel an der frischen Luft bewegt, unterstützt seine hormonelle Umstellung und trainiert Herz- und Kreislauf, die sich so besser auf die Wetteränderungen einstellen können.

Schrot&Korn: Wie sieht Ihr persönlicher Speiseplan in dieser Zeit aus?

Claus Leitzmann: Meine Frau und ich fasten im Frühjahr etwa für eine Woche. Danach essen wir einige Wochen lang morgens nur frisches Obst, zum Beispiel Äpfel, Birnen und Südfrüchte. Mittags gibt es Gemüse-Rohkost aus nicht zu vielen verschiedenen Sorten. Abends dann wieder Obst, häufig Trockenobst und Nüsse, in denen wichtige Mineralstoffe, Fettsäuren und Zink enthalten sind. Schon nach kurzer Zeit fühle ich mich leichter, die Hose wird weiter, ich kann klarer denken, muss nicht mehr so viel schlafen. Das ist immer wieder ein unglaublich gutes Gefühl.

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