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Pro & Kontra: Braucht Bio-Landwirtschaft Tierhaltung?

Die Debatte, ob Bio-Landwirtschaft auch Tierhaltung braucht, wird zuweilen hitzig geführt – wir haben Vertreter beider Positionen nach ihren Argumenten gefragt.

Redaktion

Ja, Bio-Landwirtschaft braucht Tierhaltung ...

Alexander Gerber

Alexander Gerber ist Vorstand des Demeter e.V. und Vize-Präsident der IFOAM-EU-Gruppe.

... denn erst mit Tierhaltung wird der ökologische Betrieb in sich tragfähig. Bei Demeter ist sie deshalb verpflichtend. Demeter-Bauern bekommen so die passende Menge Mist, den sie mit den Biodynamischen Präparaten in wertvollen Dünger verwandeln, der das Land nachhaltig fruchtbar macht. Auf diesen fruchtbaren Böden wächst bestes Futter für die Tiere des Hofes. Sie liefern aber nicht allein Milch, Eier oder Fleisch, sondern ermöglichen mit ihrem aufbereiteten Dung den Anbau pflanzlicher Genüsse und erhöhen deren Qualität.

Die Kuh hat es dem Menschen ermöglicht, sesshaft zu werden. Weil sie auf demselben Standort grasen kann ohne krank zu werden. Weil sie mit ihrem Mist den Humus in den Boden bringt, Voraussetzung für „cultura“ – Ackerbau.

Geben wir den Tieren die Würde zurück.

Heute wissen wir: Ökologische Milchviehbetriebe sind die klimafreundlichsten, weil sie mit dem Kuhdung die Humusgehalte im Boden steigern und damit CO2 binden. Nebenbei verwandelt die Kuh für den Menschen unverdauliches Gras in bestes Fett und Eiweiß. Ein wesentlicher Beitrag zur Welternährung.

Es kommt nicht auf das ob, sondern auf das wie an. Die industrielle Tierhaltung und Schlachtung sind einer Gesellschaft wie der unseren nicht würdig.

Das Tier ist dem Menschen gänzlich anvertraut. Das verpflichtet. Geben wir dem Tier die Würde zurück.

Nein, Bio-Landwirtschaft braucht keine Tierhaltung ...

Daniel Mettke

Daniel Mettke ist Dipl.-Ing. für ökologische Landwirtschaft und Berater für bio-veganen Anbau.

... natürlich nicht. Und das ist auch keine Neuigkeit. Die schweizerische Bio-Pionierin Mina Hofstetter betrieb und propagierte bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts vegetarischen Bio-Landbau. Auch Kurt Kretschmann, der Nestor der ostdeutschen Umweltschutzbewegung, betrieb einen pflanzlich biologischen Mulchgarten. Einer der bekanntesten bio-veganen Betriebe, der Gärtnerhof Bienenbüttel, wirtschaftet seit über 35 Jahren auf trockenem Heideboden sehr erfolgreich ohne tierische Düngemittel.

Aber auch in Süddeutschland gibt es Betriebe, die mit pflanzlicher Mulch- oder Kompostwirtschaft im Ackerbau Beispiel und Inspiration für einen anderen, schonenden Umgang mit dem Boden darstellen.

Bio-Veganer Anbau denkt auch in Kreisläufen.

Sowohl bei Demeter, Bioland und Naturland sind Betriebe zu finden, die entweder viehlos oder bio-vegan wirtschaften. Ein nach bio-veganem Ideal wirtschaftender österreichischer Betrieb in der Nähe von Wien, der Zwiebeln, Kartoffeln und einiges anderes produziert, kann mit guter Qualität und akzeptablen Erträgen aufwarten. Dank ausgewogener Fruchtfolge auch nicht zulasten der Bodenstruktur.

Bio-veganer Anbau denkt auch in Kreisläufen, nur zweifelt er an der zwingenden Notwendigkeit der Nutztierkomponente. Er trägt damit den Verbrauchern Rechnung, die auf den Konsum tierischer Produkte verzichten wollen, ohne den ökologischen Landbaugedanken infrage zu stellen.

Mehr zu veganer Landwirtschaft:

Vegane Landwirtschaft: Ohne Mist?
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