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Preistreiber Energiekrise

Welche Rolle spielen fossile Brennstoffe und warum ist der ökologische Landbau resilienter? Wir erklären, was der Iran-Krieg mit Lebensmittelpreisen zu tun hat.

Warum sorgt der Krieg im Iran für eine weltweite Energiekrise?

Während des Iran-Kriegs wurde die Straße von Hormus mehrfach für die Schifffahrt gesperrt. Das hatte weitreichende Folgen für die Weltwirtschaft, denn täglich passieren 14,9 Millionen Barrel Erdöl (159 Liter je Barrel) die Meeresenge. Dies entspricht etwa 20 Prozent des täglichen weltweiten Mineralölverbrauchs. Bei Flüssiggas (LNG) entspricht die Menge etwa 2,5 Prozent des weltweiten Verbrauchs. Die Verknappung dieser Rohstoffe hat die Preise quasi über Nacht in die Höhe getrieben. Im März kostete ein Barrel Erdöl zwischenzeitlich 112 US-Dollar im Vergleich zu 67 US-Dollar im Februar. Auch der Preis für Flüssiggas ist nach Kriegsbeginn um rund 50 Prozent nach oben geschnellt, Anfang März auf über 60 Euro pro Megawattstunde, der Einheit, in der LNG gehandelt wird. Zwar bezieht Deutschland kaum Flüssiggas aus der Region, der Krieg sorgt aber für globale Engpässe. Da die Preise für fossile Rohstoffe an der Börse gehandelt werden, steigen diese, sobald die Produktion zurückgefahren oder die Lieferung ausgesetzt wird.

Welche Folgen hat die Energiekrise auf die Landwirtschaft?

Die Verknappung von fossilen Brennstoffen hat vielfache Auswirkungen, auch auf die Landwirtschaft. Besonders folgenreich ist die Entwicklung für Landwirt:innen, die konventionell wirtschaften. Denn sie hängen stark an fossiler Energie. Da sie häufig größere und schwerere Maschinen benutzen, schlägt der gestiegene Dieselpreis sofort zu Buche. Eine zusätzliche Belastung ergibt sich bei Düngemitteln. Denn konventionelle Landwirtschaftsbetriebe setzen neben Tierdung auch synthetischen Stickstoffdünger ein, für dessen Herstellung Erdgas benötigt wird. Wenn also die Gaspreise steigen, steigen direkt auch die Düngerpreise. Diese haben sich zuletzt teilweise mehr als verdoppelt. Das schlägt durch: auf Getreidepreise, auf Tierfutter und am Ende auf die Preise an der Ladentheke.

Ist der Öko-Landbau unabhängiger?

Bio-Betriebe zeigen seit Jahren, dass es anders geht. Sie verzichten auf synthetischen Stickstoffdünger und setzen stattdessen auf natürliche Prozesse. Leguminosen wie Klee oder Bohnen binden Stickstoff aus der Luft – ganz ohne fossile Energie. Auf diese Weise können Bio-Bäuerinnen und -Bauern einen Großteil ihrer Äcker mit Nährstoffen versorgen. Ein konkreter Effekt: Wenn Düngerpreise explodieren, trifft das Bio-Betriebe deutlich weniger. Ihre Kosten bleiben stabiler und damit auch die Lebensmittelpreise.

Was sind wahre Preise?

Schwein wird von grünem Luftballon getragen

Die Preise im Laden spiegeln selten den „wahren Preis“ der Lebensmittel wider. In der Wissenschaft beschäftigen sich schon länger Forschende damit, die Disziplin nennt sich True cost accounting. Untersucht wird, welche Kosten jenseits der eigentlichen Wertschöpfungskette bei der Produktion von Lebensmitteln entstehen, etwa durch Umwelt- oder Gesundheitsschäden. Erst durch diese Berechnung wird sichtbar, was uns Lebensmittel wirklich kosten. 

Wahre Kosten

Kreisläufe statt Krisenanfälligkeit?

Was fast altmodisch klingt, ist hochmodern: Bio wirtschaftet in Kreisläufen. Tiere liefern Mist, der als Dünger dient. Und Höfe, die keine Tiere halten, tauschen oft Grünschnitt, der als Futter beliebt ist, gegen Dung von Höfen mit Tierhaltung. Grünland und Zwischenfrüchte sorgen zusätzlich für Bodenfruchtbarkeit. Vielfalt ersetzt Chemie. Das spart Energie. Studien zeigen, dass der Energieeinsatz im ökologischen Landbau pro Fläche teilweise bis zu 50 Prozent niedriger liegt als in der konventionellen Landwirtschaft. Diese Resilienz entsteht durch eine umfangreichere Fruchtfolge auf den Äckern und regionale Kreisläufe. Und genau diese Vielfalt macht Systeme weniger anfällig für globale Schocks wie Energiekrisen oder andere geopolitische Konflikte.

Ist Bio teurer oder langfristig günstiger?

Ja, Bio ist oft teurer. Aber die aktuelle Entwicklung macht deutlich, wie anfällig die Preisgestaltung von Lebensmitteln ist. Wenn konventionelle Produkte durch Energie- und Düngerkosten stark steigen, schrumpft der Preisabstand. Steigende Düngerkosten schlagen direkt auf Brot- und Fleischpreise durch. Laut Expert:innen vom Institut der deutschen Wirtschaft ist die Lage bei Getreide, Mais, Soja und Reis besonders kritisch. Und da Soja und Mais auch als Futtermittel eingesetzt werden, könnte auch Fleisch teurer werden. Zu Redaktionsschluss Ende April ist davon in den Supermärkten noch nichts zu spüren. Ökonomen warnen aber, dass die Auswirkungen auf Lebensmittelpreise immer später erfolgen. Betroffen wären insbesondere Lebensmittel, die gekühlt 
werden müssen. 
Hinzu kommt: Folgekosten konventioneller Landwirtschaft wie für Wasserreinigung und Bodenschutz landen nicht auf dem Preisschild im Laden. Diese werden von der Gesellschaft unter anderem in Form von Steuern bezahlt. Um die wahren Preise von Lebensmitteln zu berechnen, müssten eben diese Kosten mit einkalkuliert werden. Und da schneiden Bio-Lebensmittel deutlich besser ab.

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