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Portrait: Walnuss

Schon mal was von 'Walhhnutu' gehört, oder von dem (peinlichen) Sprichwort, dass Esel, Frau und Nussbaum geschlagen werden müssen, damit sie etwas taugen? Nein? Im Portrait über die Walnuss erfahren Sie es.
01.11.2000

Walnuss alias Juglans regia

Schon mal was von "Walhhnutu" gehört, oder von dem (peinlichen) Sprichwort, dass Esel, Frau und Nussbaum geschlagen werden müssen, damit sie etwas taugen? Nein? Dann wissen Sie vielleicht auch nicht, warum so manches heiratsmütige Mädchen in Österreich einen Stock in einen Walnussbaum wirft oder weshalb in manchen Gegenden Deutschlands gerade schwangere Frauen die Walnüsse ernten?

Also: Das mit dem Stock, dem heiratsmütigen Mädchen und dem Baum ist ganz einfach. Bleibt der Stock im Geäst hängen, wird übers Jahr noch Hochzeit gefeiert. Ob es allerdings wirklich wahr ist, dass dadurch, dass eine Schwangere die Nüsse erntet, der Baum im kommenden Jahr umso reicher tragen wird, müssen Interessierte selbst herausfinden. Und zu dem Zungenbrecher "Walhhnutu" sei so viel verraten: Die keltischen und romanischen Nachbarn der Germanen besaßen Nussbäume, deren Früchte sie "Walhoz" nannten. Bei den Germanen soll "Walhhnutu" daraus entstanden sein, das schließlich zum "Walnut" mutierte. Hieraus wiederum soll der Begriff "Walnuss" resultieren. Auch das "Schlagen" eines Nussbaumes ist schnell erklärt: Im Volksglauben ist man früher davon ausgegangen, dass nur das Abschlagen der Nüsse von den Zweigen, eine gute und reiche Ernte im kommenden Jahr sichern würde. Warum allerdings der Esel und die Frau […], möchte ich nicht ergründen - auch nicht, welcher Esel das in die Welt gesetzt hat!.

Apropos ergründen: Noch immer versuchen Wissenschaftler die Herkunft und das Alter der Walnussbäume zu klären. Die Bäume gedeihen in Asien, Eurasien, Amerika, bis in den Himalaja hinein, auch in der Schweiz und in Süddeutschland wurden Walnüsse nachgewiesen. Ihre ursprüngliche Heimat wird jedoch in Mittelasien vermutet. Hauptanbaugebiete sind heute Kalifornien, Frankreich und Ungarn.

Der Baum hat eine relative hohe Lebenserwartung und kann unter günstigen Bedingungen gut und gerne 300 Jahre überdauern. Etwa ab dem zehnten Jahr ist mit Erträgen zu rechnen. Ein alter Baum könnte in seinem Leben etwa 20 Tonnen Nüsse "geliefert" haben.

Obwohl die Nüsse bei unsachgemäßer Lagerung schnell ranzig werden, waren sie von je her kostbar und begehrt. Dass natürlich Walnuss nicht gleich Walnuss ist, merkt man spätestens beim Einkauf. Es existieren eine ganze Reihe von Sorten, die zwar nicht alle vom Handel angeboten werden, wohl aber wie ein Kleinod in so manchem Garten, Park oder auf dem Wochenmarkt ihrer Entdeckung harren. Nur um ein paar Beispiele zu nennen: Es gibt die Pferde-, Faust- oder Pfaffenwalnuss - hierbei handelt es sich um besonders große Exemplare, die Steinnüsse (sie sind besonders hartschalig) und die so genannten Vogel- oder Papiernüsse, die diese Bezeichnung ihrer extrem dünnen Schale verdanken. Daneben unterscheidet man herzförmige, kleine runde, walzenförmige und welche mit Leisten, mal tief gefurcht, mal relativ glatt geschalt.

In der Weihnachtszeit haben Walnusskerne Hochsaison. Aus der Backstube sind sie dann fast nicht wegzudenken. Die eiweiß- und fettreichen Kerne lassen sich aber auch gut einfach so knabbern. Studien haben mittlerweile ergeben, dass Walnüsse eine positive Wirkung auf den menschlichen Organismus haben können. Verantwortlich hierfür wird der hohe Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, Vitaminen und Mineralstoffen gemacht. Insbesondere Vitamin B6, Folsäure, Vitamin E, Eisen, Zink und Kalium steckt in den Kernen.

Auch die unreifen, noch von der ledrigen grünen Fruchtschale umschlossenen Kerne können verwendet werden, beispielsweise als Ingredienz für einen Likör. Meine Großmama hatte noch eine andere Idee. Sie fügte ein paar Kerne dem Pflaumenmus zu und ließ sie mitkochen, was den Geschmack angenehm bereicherte.

In der Volksmedizin wurden die Blätter und Fruchtschalen, sei es als Tee oder Kaltauszug, bei vielen Erkrankungen angewendet. Sie sollen äußerlich bei Hautkrankheiten, Rheuma und Fußschweiß genauso eingesetzt worden sein, wie innerlich bei Appetitmangel und allgemeiner Schwäche.

In der Rinde, den Blättern und in der grünen Samenschale wurden neben Gerbstoffen, Saponinen, Flavonoiden, Eiweißen und ätherischen Öle, auch Citrullin, Alluminium und Juglon nachgewiesen. Das Juglon ist verantwortlich für die Braunfärbung. Es färbt bei Kontakt Wolle genauso wie Haut oder Haare. Außerdem färben sich verletzte oder absterbende Blätter oder Nuss-Schalen durch diesen Bestandteil schwarz. Das Juglon wird für das Kümmern so mancher Pflanze unterm Walnussbaum - auch Pilze können dort nicht so recht Fuß fassen - verantwortlich gemacht. Selbst vor einem Schläfchen unter einem Walnussbaum wird gewarnt — durch das Juglon soll man hinterher ganz "benommen" sein. Allerdings zeigen sich die natürlichen Feinde der Walnuss davon unbeeindruckt. Neben Schimmelpilzen, Gallmilben, Läusen und Schmetterlingsraupen, fallen auch Spechte, Hamster, Mäuse und Eichhörnchen über so einen Walnussbaum und seine Früchte her. Übrigens: Die Schale von Walnüssen ist von Natur aus dunkel gefärbt. Helle Exemplare deuten also nicht auf eine besondere Sorte, sondern auf ein bleichendes "Schwefelbad" hin.

Heide Haßkerl

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