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Kükentöten: Das sind die Alternativen

Männliche Küken werden noch immer getötet. Wann hat das ein Ende? Was sind die Alternativen – und sind sie besser?

29.03.2021 vonBarbara Lehnert-Gruber

Männliche Küken werden noch immer getötet. Wann hat das ein Ende? Was sind die Alternativen – und sind sie besser?

Wann endet das Kükentöten?

Eigentlich sollte das Töten männlicher Küken schon 2019 verboten werden, so steht es im Koalitionsvertrag. Doch nichts passierte ... Nun hat Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ein Gesetz auf den Weg gebracht, welches das Kükentöten ab Januar 2022 verbietet. Drei Alternativen stehen derzeit zur Wahl: Die Geschlechtsbestimmung im Ei mittels endokrinologischen Verfahrens, die Aufzucht der männlichen Küken als Bruderhähne und die Verwendung von Zweinutzungshühnern. Da der endokrinologische Test zwischen dem 9. und 14. Bruttag stattfindet und ein Schmerzempfinden der Embryonen zu diesem Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden kann, wird das Gesetz ab Januar 2024 verschärft. Dann dürfen die Eier nach dem 6. Bruttag nicht mehr getestet werden. Ein spektroskopisches Verfahren soll dann zum Einsatz kommen.

Warum werden männliche Eintagsküken getötet?

Dass männliche Küken in der Legehennenproduktion getötet werden, hat einen ökonomischen Grund: Ihre Aufzucht ist nicht rentabel. Denn die männlichen Küken von aufs Eierlegen gezüchteter Hennen setzen weniger und langsamer Fleisch an als reine Masthähnchen. Nordrhein-Westfalen wollte diese Praxis 2013 verbieten. Doch Brütereien haben dagegen geklagt. Letztendlich hat das Bundesverwaltungsgericht das Töten übergangsweise für zulässig erklärt – bis Tests zur Geschlechtsbestimmung im Ei zur Verfügung stehen.

Wie viele Küken werden getötet?

Allein in Deutschland werden jährlich über 45 Millionen männliche Küken nach dem Schlüpfen vergast oder geschreddert. Die männliche Küken werden sofort nach dem Schlüpfen als sogenannte Eintagsküken lebendig geschreddert oder mit Gas getötet.

Wie viele Eier essen wir im Jahr?

  • 239 Eier verzehrte jede Person hierzulande 2020 im Schnitt.
  • Über 12,9 Milliarden Eier wurden 2020 in Deutschland produziert. 1,6 Milliarden Eier stammten aus ökologischer Hennenhaltung.
  • Diese Leistung vollbrachten knapp 49 Millionen Legehennen, davon 5,3 Millionen aus Öko-Tierhaltung.

Werden auch Bio-Küken getötet?

Auch in der Bio-Branche werden die männlichen Küken noch getötet. Allerdings hat man sich hier schon vor ein paar Jahren auf die Suche nach Alternativen gemacht. Das Ergebnis: Zweinutzungshühner und Bruderhähne. Die Geschlechtsbestimmung im Ei lehnen viele Bio-Verbände ab, zum Beispiel Biokreis, Bioland, Demeter und Naturland.

Was ist ein Bruderhahn?

Bruderhähne sind die männlichen Geschwister von Legehennen, die nicht getötet, sondern gemästet werden. Bisher sind sie eher die Ausnahme, da sie für die Mast sehr viel schlechter geeignet sind als reine Masthühner. Zum Vergleich: Während reine Masthühner nach etwa einem Monat schlachtreif sind, dauert die Aufzucht von Bruderhähnen drei bis fünf Monate. Das liegt daran, dass sie weniger und langsamer Fleisch ansetzen. Ihre Aufzucht ist dadurch deutlich teurer. Die höheren Kosten werden unter anderem dadurch ausgeglichen, dass die Eier der Geschwister-Legehennen mit einem Aufschlag verkauft werden. Bruderhahnprodukte gibt es zum Beispiel in Bio-Läden, ebenso die Eier der Legehennen.

Zweinutzungshuhn – Was ist das?

Bei Zweinutzungshühnern wachsen die weiblichen Küken zu Legehennen und die männlichen zu Masthähnchen heran. Hühnerrassen, die sich dafür eignen, können also beides: Eier legen und Fleisch ansetzen. Allerdings können sie beides nicht extrem gut. So legen die Hennen weniger und teilweise kleinere Eier als reine Legehennen. Die Hähne sind zwar besser zur Mast geeignet als Bruderhähne, dennoch wachsen auch sie langsamer und setzen weniger gut Fleisch an als reine Masthähne. Fleisch und Eier sind deshalb entsprechend teurer. Das Etikett „Bruderhahn“ oder „Zweinutzungshuhn“ sagt übrigens nichts darüber aus, wie die Tiere gehalten wurden, denn auch konventionelle Betriebe arbeiten damit. Die ökologische Tierzucht gGmbH (ÖTZ) züchtet Zweinutzungshühner, die speziell für die Bio-Aufzucht geeignet sind. Das heißt, die Tiere erhalten 100 Prozent Öko-Futter und werden in einer Herde und nicht in Einzelkäfigen gehalten.

Hier gehören Henne und Hahn zusammen


Bruderhahn
Folgende Initiativen ziehen die Hähnchen nach Bio-Richtlinien groß:

  • Zur Brudertier-Initiative Deutschland ist aus der Bruderhahn-Initiative hervorgegangen. Sie kümmert sich um offene ethische Fragen in der Haltung von Hühnern und Milchvieh. Die Bruderhähne werden nach Bioland- oder Demeter-Richtlinien aufgezogen. Die Eier der Hennen sind vor allem in Bio-Läden erhältlich. Eine Liste mit Händlern gibt es hier.
  • Bei der Haehnlein-Initiative werden die männlichen Küken ebenfalls aufgezogen - mindestens nach den Anforderungen der EG-Öko-Verordnung. Hier findet ihr Händler.
  • Die Bruderherz-Initiative geht von der Bio-Supermarktkette Basic aus. Die Bruderhähne werden nach Bio-Richtlinien aufgezogen.
  • Die Supermarktkette Alnatura hat die Bruderküken-Initiative initiiert. Auch hier werden die Bruderhähne nach Bio-Richtlinien aufgezogen.
  • Auch die Initiativen „Herzbube“, „Henne&Hahn“, „respeggt“ und „Spitz&Bube“ ziehen die männlichen Küken groß - allerdings nicht nach Bio-Richtlinien.

Zweinutzungshuhn

  • Die Biohennen AG: Die Bio-Hennen-Landwirte gehören den Bio-Anbauverbänden Biokreis oder Bioland an. Die Hähnchen werden nach deren Richtlinien großgezogen.
  • Regionalprojekt Zweinutzungshuhn: Die beteiligten Betriebe arbeiten nach Naturland-Richtlinien und sind in Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern beheimatet.
  • Das Herrmannsdorfer Landhuhn heißt ein Projekt der Hermannsdorfer Landwerkstätten bei dem Zweinutzungshühner nach Bio-Richtlinien großgezogen werden.

Geschlechtsbestimmung im Ei: So wird endokrinologisch getestet

Beim endokrinologischen Verfahren wird den Eiern nach etwa neun Bruttagen durch die Schale hindurch etwas Flüssigkeit entnommen. Enthält diese ein bestimmtes Hormon, ist das Küken weiblich und die Eier werden weiter bebrütet. Die männlichen Brut-Eier werden aussortiert und die Embryos durch Schockfrosten abgetötet. Zum Testzeitpunkt sind die inneren Organe und der Kopf der Küken fast vollständig entwickelt und man geht davon aus, dass die Tiere bereits Schmerzen empfinden. Das endokrinologische Verfahren ist deshalb nur als sogenannte Brückentechnologie bis 2024 erlaubt. Es ist bereits im Einsatz – zum Beispiel bei respeggt und plantegg.

Geschlechtsbestimmung im Ei: So wird spektroskopisch gemessen

Das spektroskopische Verfahren kommt zum Einsatz, nachdem die Eier etwa vier Tage lang bebrütet wurden. Ein Lichtstrahl wird in das Ei-Innere geschickt. Das Geschlecht wird anhand des reflektierten Lichts bestimmt. Ist der Embryo männlich, werden die Eier aussortiert und der Embryo durch Schockfrosten abgetötet. Laut Bundeslandwirtschaftsministerium bekommen die Embryos hiervon nichts mit. Ein Vorteil: Das Ei muss bei dieser Untersuchung nicht geöffnet werden. Die bei der Geschlechtsbestimmung aussortierten Eier sollen beispielsweise zu Futtermittel weiterverarbeitet werden.

Das sagen Tierschutz- und Öko-Verbände zum „Küken-Gesetz“

Provieh begrüßt das Gesetz im Grundsatz, fordert jedoch ein „klares Bekenntnis zum Zweinutzungshuhn“. Zudem müssten die Haltungsbedingungen endlich den Tieren angepasst werden. „Hühner brauchen ausreichend Platz, kleine Gruppen, Sitzstangen, Beschäftigungsmaterial und einen strukturierten Auslauf“, so die Tierschutzorganisation.

Naturland kritisiert: „Alle bislang bekannten Verfahren sind nur teure Scheinlösungen, bei denen statt eines geschlüpften Kükens ein bereits weitgehend ausgebildeter Embryo getötet wird.“ Beim Bio-Verband soll in naher Zukunft zu jeder Legehenne auch der Bruder aufgezogen werden.

Die Tierrechtsorganisation Peta empfiehlt auf Eier zu verzichten und weist auf ein weiteres Problem hin: das Töten weiblicher Küken, weil Brütereien mehr Küken als bestellt produzieren – für den Fall, dass einmal weniger Küken als erwartet schlüpfen.

Warum legen Hennen Eier?

Um sich fortzupflanzen. In der Natur würde ein Huhn fünf bis zwölf Eier legen und dann mit dem Brüten beginnen. Die Brutzeit dauert etwa 21 Tage. Ein- bis zweimal im Jahr würde ein Huhn in Freiheit brüten. Den Legehennen werden die Eier weggenommen. Das Brüten entfällt. Deshalb legen sie immer weiter – häufig mehr als 300 Eier im Jahr. Für die Hennen ist das sehr anstrengend. Sie laugen aus und haben mit Krankheiten zu kämpfen.

Woran erkennt man Bio-Eier?

Bio-Eier erkennt man am Eierstempel. Die „0“ am Anfang des Stempels steht für Bio-Haltung. Für was die weiteren Buchstaben und Zahlen stehen erfahrt ihr hier.

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