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Nutri-Score: Essen nach Farben

Eine Farbskala auf Lebensmitteln soll die Wahl am Regal erleichtern. Das steckt hinter der geplanten Kennzeichnung.

06.02.2020 vonAndrea Giese-Seip

Eine Farbskala auf Lebensmitteln soll die Wahl am Regal erleichtern. Das steckt hinter der geplanten Kennzeichnung.

Fruchtjoghurt, Pizza oder Nudeln – auf verarbeiteten, verpackten Lebensmitteln kann bald eine bunte Buchstabenleiste leuchten. Denn seit Herbst vergangenen Jahres steht fest: Auch in Deutschland soll der sogenannte Nutri-Score eingeführt werden – und gesundes Einkaufen leichter machen. In Frankreich und Belgien können Kunden schon nach dem Nutri-Score einkaufen.

Nährwertkennzeichnung soll Orientierung geben

Den Ampelfarben liegt ein kompliziertes Bewertungssystem zugrunde, bei dem Punkte für bestimmte Nährwerte vergeben werden. Je weniger Punkte am Ende auf dem Konto des Lebensmittels stehen, desto vorteilhafter und desto grüner der Nutri-Score. Beispiel Pizza: Enthält sie viel Fett, gibt das viele Negativ-Punkte. Liegen auf ihr viele Tomaten- und Paprikastücke, schlägt das positiv zu Buche und die gesammelten „Gemüse-Punkte“ können von den „Fett-Punkten“ abgezogen werden. Welche Inhaltsstoffe bewertet werden, zeigt die Grafik im Kasten.

Auf den ersten Blick einordnen

Der Nutri-Score ersetzt nicht die Nährwerttabelle oder einen Blick auf die Zutatenliste. Denn so einleuchtend die Ampelfarben bei manchen Produkten sind, so sehr können sie bei anderen verwirren: Apfelsaft bekäme zum Beispiel ein gelbes C, weil in ihm vergleichsweise viel Zucker steckt. Eine Cola light dagegen würde ein hellgrünes B tragen, weil sie überhaupt keinen Zucker enthält. Dafür ist Süßstoff drin, der aber nicht in die Bewertung eingeht.

Der Nutri-Score kann nicht alle Kennzeichnungsprobleme lösen, meint denn auch die Verbraucherorganisation Foodwatch. Er liefere aber eine schnelle „verbraucherfreundliche Information darüber, wie ausgewogen die Nährwerte eines Lebensmittels sind“.

Was sagt der Nutri-Score über die Nährwertqualität?

Die Öko-Lebensmittelhersteller stehen dem Nutri-Score grundsätzlich positiv gegenüber, sehen aber noch Luft nach oben. So würde die Berücksichtigung ökologischer Aspekte dem Score eine bessere Aussagekraft verleihen. „Der Nutri-Score kann Aufmerksamkeit für den Wert einer ökologischen und vollwertigen Ernährung wecken, aber wir müssen zusätzlich die Kompetenz und Achtsamkeit der Bürger stärken“, sagt Alexander Beck von der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AöL). Ob die Hersteller den Nutri-Score einführen, entscheide jeder für sich selbst. Was im Übrigen für alle Lebensmittelunternehmen gilt, der Nutri-Score ist eine freiwillige Kennzeichnung.

Der Nutri-Score im Überblick

  • Der Nutri-Score übersetzt Nährwerte eines Produktes in Farben, ähnlich einer Ampel. Das soll helfen, gesünder einzukaufen und ausgewogener zu essen. Heißt: Je roter, desto seltener.
  • Der Nutri-Score soll für verarbeitete Lebensmittel gelten. Dazu zählen auch Säfte. Für Obst, Gemüse oder einzeln verwendete Zutaten, etwa Salz, ist er nicht gedacht. Die Farben und Buchstaben werden von den Herstellern selbst ermittelt.
  • Nach einem festen System, das die Gehalte bestimmter Inhaltsstoffe miteinander verrechnet – bezogen jeweils auf 100 Gramm oder 100 Milliliter eines Lebensmittels. Rechenbeispiele auf der Website der Verbraucherzentrale Hamburg.
  • Die Verwendung des Nutri-Score ist freiwillig und muss beantragt werden. Wenn ein Unternehmen das tut, muss es alle Produkte einer Marke innerhalb von zwei Jahren mit dem Score kennzeichnen. Immer auf der Vorderseite der Verpackung.

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