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Noch jemand Chips?

Beim Kampf um den besten Platz auf dem Couchtisch zählen Bio-Chips zu den Favoriten. Wenig gesättigte Fettsäuren, viel echter Geschmack. Da kann die Tüte schnell leer sein.

31.05.2010 vonLeo Frühschütz

Beim Kampf um den besten Platz auf dem Couchtisch zählen Bio-Chips zu den Favoriten. Wenig gesättigte Fettsäuren, viel echter Geschmack. Da kann die Tüte schnell leer sein.

Schweinsteiger flankt von rechts, Miroslav Klose schraubt sich in die Höhe und – knapp am linken Pfosten vorbei. Kollektives Stöhnen auf dem Sofa, und wieder schiebt die Hand ganz automatisch eine Ladung Chips in den Mund. Die angestaute Spannung entlädt sich in mehrstimmigem Krachen, Knacken und Knuspern.

WM-Zeit ist Knabberzeit. Das Zuschauersofa ist voll, alles, was sich knuspern lässt, steht auf dem Tisch. Und weil bis zum Anpfiff des nächsten Spiels noch etwas Zeit ist, schauen wir uns die Bio-Chips-Auswahl etwas genauer an. Da lassen sich Unterschiede erkennen. Die Svenska-Chips sind klein und stämmig, sprich dicker geschnitten. Gerd-Müller-Format. Ein wenig größer und hauchdünn liegen die Scheiben von Mayka in der Schüssel. Soliden, großen Knabberspaß schickt die niederländische Marke Trafo auf den Couchtisch. Die größten und formschönsten Chips hat Molenaartje eingetütet. Die Riesendinger wandern sofort in die Innenverteidigung, zu Per Mertesacker.

Gewaschen, nicht geschält

Bei allen gleich ist der Grundstoff: Bio-Kartoffeln. Die werden gewaschen und nicht geschält. Alle Bio-Hersteller frittieren ihre Chips in der Schale. Das verbessert die Nährstoffbilanz ein wenig und signalisiert, dass die Kartoffeln ohne synthetische Pestizide aufwuchsen: Schälen nicht notwendig. Optisch fällt die Schale bei den dünnen Scheiben kaum auf.

Ohne Fett geht’s nicht

Nach dem Schneiden kommen die Kartoffeln in eine Fritteuse voll mit Sonnenblumenöl. Dieses sogenannte High-Oleic-Öl besteht – ähnlich wie Olivenöl – vor allem aus einfach ungesättigten Fettsäuren. Es gilt deshalb als gesünder als das früher häufiger verwendete Palmöl mit seinen gesättigten Fettsäuren. Palmöl hat zudem den Nachteil, dass es mehr der unerwünschten, weil unter Umständen gesundheitsschädlichen, 3-MCPD-Fettsäureester enthalten kann. Auch die konventionellen Chipsröster setzen inzwischen gelegentlich Sonnenblumenöl ein. Steht nur „Pflanzenöl“ in deren Zutatenliste, versteckt sich meist Palmöl dahinter. Der Unterschied ist wichtig, weil sich die Chips beim Frittieren mit Öl vollsaugen. Rund 35 Prozent Fett enthalten gängige Chips, bio ebenso wie konventionell. Die konkreten Werte unserer Bio-Auswahl: Trafo 37 Prozent, Molenaartje 33, Svenska 27,6 und die Lightversion von Mayka kommt auf 23 Prozent. Dazu werden die Chips nach dem Frittieren nicht nur gerüttelt wie alle anderen, sondern auch mit heißer Luft angeblasen. Dieser Föndurchgang entzieht den Kartoffelscheiben zusätzlich Fett.

467 kcal pro 100 Gramm steht bei Mayka auf der Tüte, bei den anderen liegen die Werte zwischen 505 und 537. Für 90 Minuten Ausnahmespielzeit ist das in Ordnung, als Dauerdiät nicht. Wer jeden Tag Kartoffeln essen will, sollte besser Pellkartoffeln mit einem Klacks fettarmem Joghurt auffahren. Da haben 100 Gramm nur knapp 100 Kalorien.

Mehr Gold als Braun

Geröstet werden Chips bei 170 Grad. Früher war das Öl heißer und die Chips waren goldbraun. Doch bei höheren Temperaturen bildet sich mehr Acrylamid. 2002 wiesen schwedische Wissenschaftler den möglicherweise krebserregenden Schadstoff erstmals in vielen gerösteten und gebackenen Lebensmitteln nach. Seither haben die Chipsröster die Temperaturen gesenkt, setzen gezielt zuckerärmere Kartoffeln ein und konnten so die Belastung deutlich verringern. Einzelmessungen in einschlägigen Tests sagen dabei wenig aus. Denn die Acrylamidwerte können innerhalb einer Charge und selbst bei den Chips einer Tüte stark schwanken. Weltmeisterlich sind da übrigens die Trafo-Light-Chips. Sie werden in Vakuumfritteusen bei nur 130 Grad geröstet. Zu kalt für Acrylamid.

Einig sind sich die vier Hersteller, dass es ohne Hefeextrakt nicht geht– außer natürlich bei den Natur-Chips, die nur aus Kartoffeln, Öl und Salz bestehen. Sie schmecken trotzdem hervorragend – fanden die Tester der Deutschen Land-wirtschaftsgesellschaft und verliehen den Mayka-Chips Natur eine goldene DLG-Medaille.

Doch jetzt ist Schluss mit der Chips-Geschichte. Der Schiri hat gerade angepfiffen. Was? Die Knabberschalen sind schon leer? Haben wir noch ein paar Tüten auf der Ersatzbank?

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