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Essen

"Legalisierte Verbrauchertäuschung"

Interview mit dem Autor und früheren Spiegel-Redakteur Hans-Ulrich Grimm: Die Beschäftigung mit der schönen neuen Welt des Essens und ihren zahllosen künstlichen Zusätzen hat aus ihm einen überzeugten Naturkost-Genießer gemacht.
01.06.2001

Interview

In seinen beiden Büchern "Aus Teufels Topf" und "Die Suppe lügt" beschreibt der Autor und frühere Spiegel-Redakteur Hans-Ulrich Grimm die Herstellung moderner Lebensmittel. Die Beschäftigung mit der schönen neuen Welt des Essens und ihren zahllosen künstlichen Zusätzen hat aus ihm einen überzeugten Naturkost-Genießer gemacht.

Aromen werden vom Lebensmittelrecht zugelassen. Was ist an diesen Stoffen so schlimm?

Das Problem sind nicht die Substanzen selbst sondern ihre Funktion. Geschmack hat ja eine Bedeutung als Kontrollsinn. Was uns nicht schmeckt, das essen wir nicht, weil es unserem Körper nicht gut tut. Aromen bringen den Menschen dazu, Lebensmittel zu essen, die er ansonsten im Regal stehen lassen würde. Deren mangelnde Qualität und der entsprechende Eigengeschmack werden durch das zugesetzte Aroma maskiert, der Verbraucher wird getäuscht. Und das laufend, denn mehr als die Hälfte der Lebensmittel im Supermarkt ist aromatisiert.

Welche Folgen hat denn diese Täuschung für den Körper?

Aromatisierte Lebensmittel scheinen zwar essbar, rein geschmacklich, die verwendeten Zutaten sind deshalb aber nicht besser geworden. Der Körper wird getäuscht, wenn statt Hühnerbouillon nur Hühnersuppenaroma kommt und entwickelt verstärkten Kohldampf. Eine mögliche Folge ist Übergewicht. In der industriellen Landwirtschaft werden Aromen gezielt als Masthilfe ins Futter gemischt. Aromamischungen, etwa vom Typ Kräuterwiese bringt Kühe dazu, Kraftfutter zu fressen, das mit Tiermehl, Futterfetten und Medikamenten durchsetzt fürs Rindvieh eigentlich ungenießbar wäre.

Ärgern Sie sich, wenn Sie in einem Naturkost-Produkt natürliche Aromen entdecken?

Ich kaufe es einfach nicht. Wo Aroma draufsteht, ist irgendetwas faul. Ich glaube auch nicht, dass der Verbraucher das will. Sicher hat noch nie ein Verbraucher gesagt, er hätte gerne einen Joghurt mit Erdbeergeschmack aus Sägespänen. Aber das steht halt nicht auf dem Etikett. Statt dessen wird mit dem Begriff "natürliches Aroma" der Verbraucher getäuscht. Wenn bestimmte Produkte wie Erdbeerjoghurt ohne Geschmacksstoffe nicht herzustellen sind, dann wäre es ehrlicher, sie im Bioladen nicht anzubieten.

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