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Krebs durch Glyphosat?

PESTIZIDE Wird das bisher als harmlos geltende Pflanzenschutzmittel nun verboten?
01.06.2015
PESTIZIDE Wird das bisher als harmlos geltende Pflanzenschutzmittel nun verboten?

PESTIZIDE Wird das bisher als harmlos geltende Pflanzenschutzmittel nun verboten? // Stephan Börnecke

Anders als bisher muss Glyphosat nun als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft werden. Zu diesem Ergebnis kamen 17 Experten aus 11 Ländern bei einer Tagung der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation WHO. In der renommierten Medizin-Zeitschrift The Lancet nennen die Wissenschaftler den Grund: Studien aus den USA, Kanada und Schweden zeigten einen Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Non-Hodgkin-Lymphome. Dabei handelt es sich um bösartige Erkrankungen des Lymphatischen Systems.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND sowie andere Organisationen reagierten prompt. Die Konsequenz könne nur ein sofortiges Verbot sein. Das verlange die EU-Gesetzgebung schon wegen des in der EU geltenden Vorsorgeprinzips, sagt BUND-Expertin Heike Moldenhauer. Für Moldenhauer ist klar: „Natürlich kommt eine EU-Wiederzulassung von Glyphosat nach dem Urteil der WHO-Experten nicht mehr in Frage.“ Die Zulassung ist 2010 abgelaufen, derzeit läuft die Neubewertung, das Produkt darf dennoch weiter verkauft werden.

Glyphosat geht auf eine Erfindung des Agrokonzerns Monsanto zurück: 1974 kam es als Round-up auf den Markt, heute werden zwischen 700 000 und einer Million Tonnen Glyphosat pro Jahr auf die Äcker der Welt verteilt. Und auch in privaten Gärten kommt es zum Einsatz.

Behörde: keine Krebsgefahr

Auf Kopfschütteln stieß die WHO-Revision beim Bundesinstitut für Risikobewertung BfR, das EU-Berichterstatter für die Neubewertung von Glyphosat ist. Man könne die „offenbar nur mit wenigen Studien belegte“ Einschätzung nur „schlecht nachvollziehen“. Als Berichterstatter spricht das BfR Empfehlungen für die EU-Mitgliedstaaten und -Institutionen aus, ob das Pestizid wieder zugelassen werden soll oder nicht. Das BfR stufte Glyphosat bisher als nicht kanzerogen ein. Auch Monsanto äußert Unverständnis. Dem IARC hätten Dutzende Studien vorgelegen, die belegten, dass Glyphosat kein Risiko für die menschliche Gesundheit darstelle.

Das sieht das Pestizid Aktions-Netzwerk (PAN Germany) anders: Demnach gebe es mindestens zehn Studien, die zeigten, dass Glyphosat in Zellen „oxidativen Stress“ auslöst, der auch zur Krebsentstehung führen könne. Der PAN-Toxikologe Peter Clausing wirft dem BfR vor, Untersuchungen aus den Jahren 2005 bis 2013 über oxidativen Stress durch Glyphosat bei Wirbeltieren unbeachtet gelassen zu haben.

Die WHO-Meldung führte auch in den USA zur Verunsicherung. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge würden Verbrauchergruppen, Ärzte und Firmen nun häufiger Lebensmittel auf Glyphosatrückstände testen lassen.

Wir halten Sie auf dem Laufenden: www.schrotundkorn.de/glyphosat

(© Christian Mühlhausen/landpixel)

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