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Kakao in der Krise

Die Kakaopreise explodieren – zur Schokohasen-Saison an Ostern war sogar von einer Kakao-Krise zu lesen. Was ist da los?

Die gute Nachricht: Schokolade wird nicht aus den Regalen verschwinden. Doch Expert:innen sind sich einig, dass die Süßigkeit in Zukunft teurer wird. Wir wollten wissen, woran das liegt und was es für Bio-Kakao und -Schokolade bedeutet.

Warum wird Kakao immer teurer?

Seit 2023 befinden wir uns im Zyklus des sogenannten El Niño, ein unregelmäßig auftretendes Wetterphänomen, das mit schlechten meteorologischen Bedingungen für den Kakaoanbau einhergeht. Hinzu kommt der Klimawandel. Konnten sich Bäuer:innen früher noch auf regelmäßigen, ausreichenden Niederschlag verlassen, ist das heute nicht mehr der Fall.

Dann haben verschiedene Krankheiten die Kakaoplantagen heimgesucht, und das vor allem in Westafrika. Von dort kommen rund 70% des weltweit angebauten Kakaos. In manchen westafrikanischen Ländern fiel bis zur Hälfte der Ernten aus. Der Klimawandel macht die Kakaobäume zudem noch anfälliger für Krankheiten. Ist ein Baum beispielsweise schon durch Trockenheit gestresst, machen ihm Krankheiten noch mehr zu schaffen.

Ein Kakaobaum braucht ca. 5-6 Jahre, bis er die ersten Früchte trägt. Einen vollen Ernteertrag liefert er erst mit 10 Jahren.

Kakaoanbau wird also schwieriger. Das bringt so manche Familien dazu, ihre Kakaofarmen zu verkaufen. Oftmals entstehen auf dem Land dann illegale Goldminen. Doch selbst wenn sich Bäuer:innen gegen einen Verkauf entscheiden, werden sie durch Goldminen in ihrer Umgebung beeinflusst, da für den illegalen Goldabbau giftiges Quecksilber benutzt wird. Durch den Wasserkreislauf verschmutzt das Quecksilber auch ihre Plantagen. Andere Kakaobäuer:innen wiederum steigen auf ertragreichere Kulturen wie Palmöl und Kautschuk um.

Hinzu kommt, dass Kakao an der Börse gehandelt wird: Spekulanten treiben die Preise für das knappe Gut weiter in die Höhe.

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Folge 5: Frohe Ostern?

Wie die Klimakrise den Schokohasen teurer machen wird.

Wie teuer ist Kakao zur Zeit?

So eine Preisexplosion gab es seit zwanzig Jahren nicht mehr: Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, sind die Importpreise für Kakaobohnen im Januar 2024 um 73,4 % gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Vor Ostern übersprang der Kakaopreis an der New Yorker Börse erstmals die Marke von 10.000 US-Dollar pro Tonne. Schokoladen mit hohem Kakaoanteil sind von den hohen Preisen für die begehrten Bohnen besonders betroffen.

Ist Bio-Kakao davon auch betroffen?

Auch Bio-Kakao ist von der Preiskrise betroffen. Besonders kleinen Anbietern von Bio-Schokolade macht das große Probleme, denn Schokoladenproduzenten weltweit versuchen gerade händeringend an Kakaobohnen zu kommen. Auch konventionelle Hersteller kaufen momentan Bio-Kakaobohnen weg. „An Bio-Kakao heranzukommen ist momentan sehr schwierig”, sagt Gerrit Wiezoreck von EcoFinia, bekannt für die Bio-Schokoladenmarke Vivani. Der Schokoladenproduzent kauft seinen Kakao von einer Kooperative in der Dominikanischen Republik. Doch schützen auch sehr gute und langjährige Beziehungen zu Kooperativen nicht vor solchen Extremsituationen, so Wiezoreck. Bei den Bio-Kooperativen in der Dominikanischen Republik stehe man auf einmal im direkten Wettbewerb mit großen Herstellern, die sonst den günstigeren Kakao aus Westafrika kaufen. Weil dort die Ernten aber schlechter ausgefallen seien, kämen sie nun nach Lateinamerika, um die noch verbliebenen Kakaobohnen aufzukaufen, zum Teil mit fragwürdigen Praktiken.

Jan Schubert vom Bio-Schokoladenhersteller Original Beans, der besonders auf seltene Kakaosorten setzt, sagt: „Die Auswirkungen für die [Hersteller], die bisher sehr günstig eingekauft haben, wird deutlich schlimmer sein als für die, die bisher schon gute Preise gezahlt haben.“

Bio-Kakaobäuer:innen bekommen eine Prämie pro Tonne Kakao gezahlt. „Diese Prämie könnte noch höher werden. Gleichzeitig könnte der konventionelle Preis schneller ansteigen, wodurch sich die Preise für konventionelle und ökologische Schokolade in Zukunft annähern könnten“, sagt Dr. Kristy Leissle, die in Westafrika über den Kakaohandel forscht und lehrt.

Sind höhere Preise nicht gut für die Kakaobäuer:innen?

Das kommt darauf an, wo die Kakaobäuer:innen leben. In Westafrika wird der Kakaopreis meist vom Staat vorgegeben. Deshalb wirken sich die Preiserhöhungen noch wenig auf sie aus. Anders sieht es in Lateinamerika aus, woher auch der meiste Bio-Kakao kommt. Hier kommen die höheren Preise durchaus schon bei den Bauernfamilien an. Wenn sie jedoch mit großen Ernteeinbußen einhergehen, reicht das trotzdem nicht für den Lebensunterhalt. Millionen von Kakaobauernfamilien leben nach wie vor unter der Armutsgrenze.

Eine wichtige Rolle spielt auch, wie gut die Kakaobäuer:innen organisiert sind. Eva Kiene von Rapunzel Naturkost sagt: „Wenn sie in Kooperativen organisiert sind, profitieren sie definitiv mehr von den Preissteigerungen – nicht zuletzt durch den direkten Handel der Kooperativen mit den Abnehmern.“ Rapunzel bezieht seinen fairen Bio-Kakao seit über 30 Jahren von seinen Hand-in-Hand-Partnern. „Diese lange Zusammenarbeit auf Augenhöhe bietet beiden – unseren Partnern und uns – gerade in kritischen Zeiten mehr Sicherheit, zum Beispiel auch durch Abnahmegarantien seitens Rapunzel“, so Kiene.

Lest hier, wie es im konventionellen Kakaoanbau zugeht und wie fairer Handel hilft:

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Bleibt Kakao jetzt so teuer?

Die meisten Experten sind der Meinung, dass Kakao teurer bleiben wird. „Wir befinden uns in einem Moment großer Ungewissheit“, schätzt Dr. Leissle die Situation ein: „Längerfristig wird der Kakaopreis jedoch vermutlich hoch bleiben, es sei denn, wir kommen in einen weiteren Zyklus mit robusten Lieferungen aus Westafrika.“

Gerade aufgrund des Klimawandels und unregelmäßigerer Regenfälle, ist auch zukünftig mit weniger stabilen Ernten zu rechnen. Die gute Neuigkeit: es gibt immer mehr Bio-Kakaofarmen. „Die Präsenz von Bio nimmt sichtlich zu. Bio-Kakao wird es also auf jeden Fall weiterhin geben!“, sagt Dr. Leissle.

Gibt es einen Ausweg aus der Kakao-Krise?

Jetzt gilt es abzuwarten, wie die kommenden Ernten ausfallen werden. „Sobald etwa ab Mai die neue Haupternte eingebracht ist, können wir die Situation genauer einschätzen“, sagt Eva Kiene von Rapunzel.

Doch generell ist der ökologische Landbau besser vor Krisen geschützt. Denn Bio-Kakao wird zunehmend in vielfältigen Agroforst-Systemen angebaut. „Unsere biodiversen Kakao-Plantagen in der Dominikanischen Republik sind resistenter gegen Baumkrankheiten und Wetterschäden, das mindert das Risiko von Missernten“, ist Gerrit Wiezoreck von EcoFinia überzeugt.

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Kommentare

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Wolf-Dietrich Hufenbach

Moin,
ich möchte noch darauf hinweisen, dass es noch einen Faktor zur Preisverteuerung gibt.

In Ghana bedrohen illegale Goldschürfer die Kakaobauern, nehmen ihnen ihr Gebiet weg und verseuchen die Böden mit ihren Chemikalien. Sie werden so um ihre Exitenzgrundlage gebracht.

Der Bericht wurde im Arte Journal am 30. März 2024 ausgestrahlt.

Der Bericht ist noch online:
https://www.arte.tv/de/videos/119680-000-A/teuer-wie-nie-kakaokrise-zu-ostern/

Mit ostfriesishen Grüßen aus der Zukunftswerkstatt Wilhelmshaven (zukunftwhv.com) .... :)

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